Kindheitsträume

Kindheitsträume der ersten Lebensjahre in Bessarabien.Wohlbehütet in der Kinderplacht

Eltern und Großeltern hatten in Bessarabien ein zuversichtliches Lebensgefühl. Der Sinn des Lebens war durch ihren Glauben und die bäuerlichen Verhältnisse geprägt. Diese Grundwerte übertrugen sie auch auf ihre Kinder und die Jugendlichen.

In den Kolonistenfamilien war Kinderreichtum ein natürlicher Wunsch. Getragen und gehalten, fest gewickelt in eine Placht, am Herzschlag der Mutterbrust, erlebte der Säugling die göttlichen Ordnung im Rhythmus, der Nähe und Zuneigung der Mutter. So konnte auf diese Weise eine enge Mutter- Kind-Bindung entstehen und entscheidend zur Festigung eines gesunden Urvertrauens beitragen. In einer klaren Rollenverteilung, waren der Haushalt und die Kindererziehung reine Frauensache. War das Kleinkind von der Mutterbrust entwöhnt, wurde überwiegend die Betreuung durch die älteren Geschwister übernommen. Kindergärten waren nur in ganz wenigen Kolonien vorhanden. Ebenso verhielt es sich mit der Kleidung der älteren Geschwister, in welche die jüngeren nach und nach hineinwuchsen. Auch das selbst gefertigte Spielzeug wurde durch die verschiedenen Altersstufen in der Kinderschar weitergegeben. In ihren unbeschwerten Kindheitstagen streunten die Kleinkinder barfuß an den langen Sommertagen auf den Höfen mit der Sommerküche, dem Garten oder in der Umgebung umher. Badevergnügen am SteppenflussZu ihren Kindheitsträumen gehörte auch eine heile Tier- und Pflanzenvielfalt. Heller und bunter Vogelgesang, Schilfrohr, Binsen und Hartgräser an Bächen und Tümpel, lieferten inmitten einer intakten Natur, reichlich sinnvolle Entwicklungsspielräume. An heißen Sommertagen boten die Steppenflüsse mit ihren breiten Ufern an den Kolonistendörfern, allerlei Vergnügen für jung und alt.

Das Gänsehüten

Zu einer der schönsten Erinnerung vergangener Kindheitsträume gehörte auch das sorgenfreie Gänsehüten. Es war eine der ersten Aufgaben des Kindes und diese war gleichsam mit großer Freude und Spaß verbunden. Denn für die auf der Gänseweide zusammenkommenden Buben und Mädchen, war es mit allerlei Kinderspielen, wie z. B. der „Sauhirt“, u. v. m. verbunden. Ganz nebenbei bereitete es häufig große Mühe, die auf Wanderschaft bedachten Gänsemütter mit ihren Küken in der Nähe zu halten. Gern erinnert man sich an die vielen Akazienbäume mit ihrem wohlschmeckendem Blütennektar. Weitere beliebte Köstlichkeiten des Sommers und auch ein Ersatz für Süßigkeiten boten die ausgegrabenen Süßholzwurzeln, ein Stückchen Zuckerrohr, verschiedene Früchte aus dem Sommergarten wie u. a. die vollreifen Aprikosen, oder die allersüßesten Melonen. Gerade die „Arbusen“ hatten es den Kindern angetan und wurden gegessen, bis der Bauch sich wölbte. Ebenso waren die von den Dächern herabhängenden Eiszapfen im Winter ebenfalls begehrter Zeitvertreib und diente als Lutschstange.

Die wichtigste Mahlzeit des Tages war das Mittagessen

der ganz selbstverständlichen bessarabischen Bio-Küche- ohne lange Transportwege. Auf diese kulinarischen und saisonalen Besonderheiten eines gemeinsamen Mahles freute sich die ganze Großfamilie. Die Nahrung war ohne Düngung und frei von jeglichen Zusätzen. Eine einzigartige Mischung, aus dem Schwäbischen, Russischen, Ukrainischen, Rumänischen und anderen fremdstämmigen Mitbewohnern. Ihre Weizenfelder füllten ihre Mehltruhen und die Geflügel und Haustierhaltung versorgte die Familie mit Eiern, Milch und Fleisch. Waren Verwandte zu Besuch auf dem bäuerlichen Hofe, fand sich die Kinderschar glücklich und zufrieden an den separaten sogenannten „Katzentischen“ ein, zum gemeinsamen Mahl. Welch eine Freude!

Aus den Überlieferungen der Generationen in Bessarabien,

hatten die Kinder zu gehorchen, sich brav und ruhig zu verhalten und nicht den arbeitenden Erwachsenen im Wege herumzustehen. Durch die patriarchalische Ordnung, in der die Deutschen in Bessarabien lebten, geprägt von harter Arbeit und Sparsamkeit, erfuhr die Kinderschar „vom Vadder“ , durch seine harte Hand und oft viel zu früh, eine Vorbereitung auf ihre zukünftige Lebenswirklichkeit. Auch heute noch sprechen die betagten Alten über ihre unbeschwerten Kindheitstage in der alten Heimat, insbesondere im Vorschulalter. Mit verträumten Blicken beginnen sie zu schwärmen und lassen ihre Kindheitsträume wieder aufleben. Oft heißt es dann: „Was hatten wir doch für eine wunderschöne Kindheit, in Bessarabien. Und diese tief verwurzelten Erinnerungen hätten sie stets begleitet und durch viele Höhen und Tiefen ihrs Lebens getragen“.

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Erinnerungskultur

Alt Elft und Neu Elft

Alt-Elft Oberdorf mit einer 40 Meter breiten HauptstraßeErinnerungskultur – Alt und Neu Elft. Als deutsche Auswanderer zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts nach Bessarabien am Schwarzen Meer zogen, erfolgten die ersten Ansiedlungen im südlichen Teil Russlands , dem sogenannten Budschak. Diese neuen Kolonien wurden bei Gründung ab dem Jahre 1814 nach Zahlen benannt. So wurde im Jahre 1816 auf der Gemarkung Nummer 11 im Kogälniktal, die „Kolonie Alt- mit Neu Elft“ gegründet.

Auf Befehl des Zaren erhielt die Kolonie Nummer 11 den Namen „Fere-Champenoise I/ Sadove“. Dieser Name erinnerte an die große Schlacht Napoleons gegen die Westarmeen Preußens, Russlands und Österreichs, die damals Napoleon nach Fere-Champenoise in Frankreich zurückdrängten. Die ersten 126 Ansiedlerfamilien stellten sich allerdings gegen den Wunsch des Zaren Alexander I und forderten erfolgreich den Namen Alt- und Neu Elft zurück.

Bestes Land unter mannshohem Steppengras

Da ihre fruchtbaren Felder und Weideflächen in südöstlicher Richtung zu weit entfernt lagen, wurde die Gemeinde geteilt. So konnten beschwerliche und zeitraubende Wege umgangen werden. Die Teilung Alt Elfts wurde über die geraden und ungeraden Hausnummern entschieden. Bewohner mit geraden Hausnummern wie 2, 4, 6…, wurden daraufhin nach einem Beschluss einer Bürgerversammlung ausgewählt „Alt Elft“ wieder zu verlassen. Die nur kurz zur Ruhe gekommenen Ankömmlinge mussten sich schweren Herzens aus der Gemeinschaft lösen. Voller Trauer verließen sie die Kolonie. Ein schmaler Weg über eine Anhöhe führte den kleinen Treck in das dahinterliegende Tal mit dem Steppenflüsschen „Alliaga“ – nach „Neu-Elft“. Ihr neues Siedlungsland lag nur einen Steinwurf und durch einen Hügel getrennt von Alt-Elft.

Bei der Urbarmachung ihres Siedlungslandes erfuhren die Siedler große Entbehrungen und Leid auf allen Ebenen ihres Lebens. Hohe Verluste durch Missernten folgten in den Jahren 1823, 1830, 1867, 1899 und 1904 und eine der stärksten Heuschreckenplage im Jahre 1875.

Erdhütten boten Schutz vor Kälte

Ihren ersten Erdhütten folgten bald menschenwürdige Behausungen aus Lehmbatzen, Schilf und Rohr. Diese bildeten den Übergang zu den später stattlichen und massiven Häusern aus Muschelkalk. Mit großem Eifer widmeten sich die Bewohner Alt- und Neu-Elfts ihrem Haupterwerb, der Landwirtschaft. Schnell erkannten sie in dem fruchtbaren Boden unter der wilden Steppe und der sonnigen und besonderen Hanglage ihre Chance für den Wein- und Obstanbau. Bis 1848 legten die Bewohner beträchtliche Weingärten mit 155 000 Weinstöcken an und ebenso rasch erfolgte der Aufbau großer Obstplantagen mit Apfel, Pflaumen, Aprikosen, Nuss, Birnen, Kirsch, Pfirsich und Maulbeerbäumen. Mit ihren wohl best gepflegten Obstgärten und einer so geschlossenen Dorfgemeinschaft, gelang es ihnen herausragende Weine aus besten Trauben bis in das innere Russlands zu führen und zu einer wichtigen Einnahmequelle zu machen.

Mit tüchtigen Handwerkern insbesondere für die Landwirtschaft, einer Dampfmühle, zwei Windmühlen, einer Ölmühle, einer Genossenschafts- und Privatmolkerei, u.a. Leitermacher (Wagenleitern), Schuster, Metzger, Steinmetzen, Schneider, sowie einer Holzhandlung trugen sie im wirtschaftlichen sowie industriellen Zweig zu einer guten Infrastruktur bei. Gleichfalls entwickelte sich in den beiden Gemeinden neben einem Bläser- und Kirchenchor, ein Frauen- und Bildungsverein und zwei Sportplätze.

Eine mächtige Kirche mit 800 Sitzplätzen war die Zierde ihres Dorfes.

Alt-und Neu-Elft war eine sehr lebendige Kirchengemeinde. In den Jahren 1894 bis 1896 erfolgte ein neuer großer Kirchenbau, mit einer Einweihungsfeier am 6. Oktober 1896. An den Sonntagnachmittagen wurden in sechs Versammlungen Gebetsstunden abgehalten. Auch rege Jugendgemeinschaften nahmen an den Stunden- und Gottesdiensten teil. Dieser Gemeinschaftssinn führte zur Erweckung zahlreicher Gemeindeglieder. Darunter viele Jugendliche. Gleich nahe der Kirche, auf der gegenüberliegenden 40 m breiten Straßenseite, befand sich das neue Rathaus und das neue Schulhaus für 300 Schüler mit den Lehrerwohnungen.

Neu-Elft entwickelte sich zu einer Vorzeigegemeinde von besonderem Niveau und war später „Alt-Elft“ in jeglicher Hinsicht weit überlegen. Gegenüber allen anderen Siedlungsgemeinden bildete sich hier eine herausragende Besonderheit ihrer ureigenen Mundart aus schwäbisch, hochdeutsch und plattdeutsch. Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahre 1874 und besonders auch um und nach der Jahrhundertwende, setzten Auswanderungswellen nach Übersee ein.

BU: Die Schule Alt-Elft im Jahre 2015 und vor der Umsiedlung

Im Jahre 2015

führte mich mein Weg durch Bessarabien, auch zu diesen beiden Gemeinden und zum Dorfmittelpunkt. Den hohen Kirchturm finde ich abgetragen und den Korpus der ehemaligen Kirche als Begegnungsstätte, das heutige Kulturhaus in seiner Verwendung. Im Inneren des ehemaligen Kirchengebäudes probte gerade ein Kinderchor für eine Theateraufführung.

Durch die Verwendung des Muschelkalksteines für ihren Hausbau war, im Jahre 2015, beinahe jedes Haus noch so gut erhalten, wie es einmal war.

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Tarutino

Ankunft in Tarutino

Historische Ereignisse, erfordern besonderen Einsatz. Seinerzeit auf Recherche als Redakteurin für das Mitteilungsblatt des Bessarabiendeutschen Vereins e. V. führte mich, Christa Hilpert-Kuch, mein Weg im August des Jahres 2014 nach Bessarabien, zur 200-Jahrfeier nach Tarutino. Mit dem Flugzeug reiste ich von Hannover nach Chisinau und mit dem Bus weiter von Moldawien über die ukrainische Grenze nach Tarutino.

In der Ukraine im Jahre 2014, betrat ich ein Land im Kriegszustand! Kriegerische Auseinandersetzungen waren schon dem Jahre 2014 vorausgegangen und wechselten von den Rebellionen auf dem Maidan in Kiew zu den anhaltenden Kämpfen an der Ostgrenze mit Russland. Dunkle Schatten dieser Kriegsereignisse wirkten in die Feierlichkeiten „200 Jahre Tarutino“ hinein. Dennoch war an diesem Festakt „Tarutino 200 Jahre“, die heutige Bevölkerung mit einem großen Interesse und einer bewundernswerten Gastfreundschaft engagiert beteiligt. Historische Quellen berichten, dass im Budschak zehn umherziehende moldauische Hirten mit ihren Herden lebten. Diese hatten das Steppenland von der russischen Krone gepachtet und mussten es danach wieder zurückgegeben. In diesem Gebiet wurde im Jahre 1814 von der russischen Kolonialbehörde, neben Tarutino auch Borodino und Krasna als erste deutsche Gemeinde gegründet. Die deutschen Kolonisten kamen in eine nahezu menschenleere Steppenlandschaft. Wie in ganz Bessarabien spielten die Landwirtschaft und die Handwerksbetriebe dabei eine wichtige Rolle.  Zunehmend übernahm Tarutino eine immer mehr zentrale Funktion für die Bessarabiendeutschen.

Tarutino wurde das Zentrum der evangelisch deutschen Christen in Bessarabien.

Hier wurde das erste evangelische Kirchspiel gegründet, welches sich später zum Sitz des Oberpastors mit Konsistorium und der Synode der evangelisch-lutherischen Kirche in Bessarabien entwickelte. Diesem folgte die Entstehung des Bildungswesens. Auch zwei der drei höheren Schulen, die zum Abitur führten und damit einen direkten Zugang zur akademischen Bildung ermöglichten, waren in Tarutino. Ebenfalls wirtschaftlich entwickelte sich die Kolonie vielfältig. Erwähnenswert der große Pferdemarkt, der schon im Jahre 1912 über 12.000 Besucher anlockte und die bedeutende Textilindustrie mit der 1888 gegründeten Tuchfabrik Rudolf Bannasch sowie die Gründung der ersten „Deutschen Zeitung Bessarabiens“. Mit der Gründung des Deutschen Volksrates in Bessarabien im Jahre 1920, wurde Tarutino auch das politische Zentrum. Zahlreiche weitere Industriebetriebe, Brauerei, Färberei, Spinnerei, Gießerei, Dampfmühle, Ziegelei, Druckerei sowie Molkereien und Läden für Schuhe, Glas, Kurzwaren, Leder, Banken und Buchhandel im Einzelhandel, siedelten sich gefolgt von einem kulturellen Leben mit Sport- und Bildungsvereinen an. Durch die Umsiedlung der Deutschen aus Bessarabien, im Rahmen des Hitler-Stalin- Paktes, wurde der weiteren Entwicklung Bessarabiens durch deutsche Bewohner ein politisches Ende gesetzt.

Tarutino zur 200-Jahrfeier

Noch vor Beginn des offiziellen Festaktes wurde durch Pastor i. R. Arnulf Baumann mit einem Freiluftgottesdienst an die Besiedlung Bessarabiens und Gründung Tarutinos vor 200 Jahren, wie einst in der Steppe, erinnert. Er gedachte der Einwanderer und Gründer der ersten bessarabischen Gemeinden Tarutino, Borodino und Krasna und wie es ihnen nur durch die Kraft ihres Glaubens gelang, die Steppe urbar zumachen und die Gründung von weiteren 22 bessarabiendeutschen Muttergemeinden und über 120 Tochtergemeinden zu vollziehen. Die ankommenden Kolonisten erlebten:

Bessarabien ist auch – Gottes Erde“ und Gott ist auch in der Steppe für sie erreichbar. Gott ist überall. Mit diesem Wissen wurde ihnen der Himmel und die Steppe Bessarabiens „zur neuen Heimat“. Und ein weiteres Mal erfuhren sie Gott als Helfer und Beistand in der schwierigen Zeit ihrer Umsiedlung im Jahre 1940 und der schrecklichen Flucht 1945.

Heimatlied der Bessarabiendeutschen

   Festakt 200 Jahre Tarutino

Mit einer Schweigegedenkminute an die Gefallenen im Osten der Ukraine, eröffnete der Bürgermeister der Stadt Tarutino (Iwan Kurutsch 2014) im großen Kulturhaus mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Bevölkerung eine beeindruckende Jubiläumsveranstaltung. Mit Ansprachen, Ehrungen Tanz- und Musikbeiträgen, feierte ein sehr großer Teil der heutigen Bevölkerung gemeinsam mit denen aus Deutschland angereisten Gästen die Gründung „Tarutinos vor 200 Jahren“. Dabei wurde nichts vergessen, an alles wurde bedacht und entsprechend gewürdigt. Heute leben in Tarutino in den ehemaligen deutschen Häusern überwiegend Familien bulgarischer, russischer und ukrainischer Herkunft. Ihr Interesse an der Vergangenheit deutscher Geschichte ist groß.

Hoch oben am Hang schaut der deutsche Friedhof direkt auf Tarutino hinunter. Hier ruhen unsere Ahnen. Bei einem Besuch bin ich hocherfreut über die vielen Grabsteine mit Inschriften ehemaliger deutscher Kolonisten.

Friedhof der Ahnen

Ich lernte Tarutino als eine offene, bunte und lebendige Stadt mit vielen freundlichen Menschen kennen. Bei einem Gang durch den Ort am Tage vor dem Jubiläum, hatte ich sehr viele wunderbare Begegnungen mit der Bevölkerung. Einen großen Teil dieser liebenswerten Menschen traf ich am Jubiläumstag, zur unserer gemeinsamen Freude wieder. Für mich klang ein gemeinsamer Tag mit der heutigen dort lebenden Bevölkerung erst am späten Abend fröhlich aus.

KolonistenhausHeutige Bevölkerung in Tarutino

Ehemaliges Kolonistenhaus mit original Hofmauer

Wenn ich mich zu fortgeschrittener Stunde aufmachte meine Schlafstätte außerhalb des Hotels aufzusuchen, führte mich stets mein Weg unter Millionen von strahlenden Sternen, Sterne zum Greifen nah, durch den Ort Tarutino. Noch heute habe ich dieses nächtliche Himmelszelt Bessarabiens vor meinen inneren Augen. Unauslöschlich, im Gedenken an meine Ahnen, wirkt es in mir nach.

Der Himmel über Bessarabien

Der Himmel Bessarabiens am Tage

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Gesellschaftliche Stellung der Frauen in Bessarabien

Bauernhaus in Lichtental Wie war die gesellschaftliche Stellung der Frauen in Bessarabien? Welche Rolle nahmen die Bäuerinnen in der 125-jährigen Siedlungsgeschichte in Bessarabien ein? Definierten sie sich nur über das Weben, Stricken oder Nähen? Oder waren sie nur einfach, schlicht und fromm?

Christina Kuch, Eltern Volz+Breitmeier27.5.1887, Großmutter von Christa Hilpert-KuchWeit über dieses hinaus bekannten sie sich getreu und voller Pflichterfüllung zu ihrem eigenen Volkstum und zu ihrer Rolle als getreue Ehefrau, Hausfrau aber vorrangig als Mutter großer Kinderscharen, von bis zu zehn Kindern und mehr. In reiner Pflichterfüllung und Unterordnung war ihr Leben auf ihren Ehemann ausgerichtet. Ebenfalls sehr ernst nahmen sie die Verpflichtungen, ihre Kinder zu fleißigen und rechtschaffenden Menschen zu erziehen. Kinderreichtum war dem demzufolge in Bessarabien mit eigenen Arbeitskräften gleichzusetzen.  -Obendrein sahen sie ihre fortwährenden Schwangerschaften, ohne zu klagen, als Segnung Gottes und als Notwendigkeit im Kreislauf der Zeit bedingungslos an.

Beten, danken und arbeiten“ bestimmten ihren Tagesablauf – weit über Haus, Garten und Hof hinaus .

(Foto oben: Christina Kuch s. unten)  

Frauen auf dem Feld in BrienneFrauenarbeit im Weinberg

Abgesehen von einer Minderheit bäuerlicher Betriebe, welche sich wirtschaftlich Dienstboten und Knechte erlauben konnten, musste die Mehrheit der Frauen, auch noch hochschwanger bis kurz vor dem Geburtstermin zur Saat- und Erntezeit, harte Männerarbeit auf den Feldern leisten. Durch ihre vielen Geburten, ohne ärztliche Versorgung, war die Sterblichkeitsrate der Ehefrauen und auch die der Kleinkinder entsprechend hoch. Im Folgenden blieben viele Kinder als Halbwaise – oder Vollwaise durch einen ebenfalls frühen Tod des Vaters zurück. Die hinterbliebenen Kinder wurden auf die Verwandten verteilt oder fielen einer Stiefmutter durch eine rasche Heirat des Vaters zum Opfer.   —Natürlich gab es auch Stiefmütter die sich liebevoll um die Kinder ihres neuen Ehemannes kümmerten.

          Heirat ohne Zwang

Immerhin wurde in Bessarabien keine Frau zur Heirat gezwungen. Sie hatte die Qual der Wahl:  – Entweder als Unverheiratete gesellschaftlich nicht zu existieren oder kindergebärend arbeiten bis zum Umfallen und dabei mittel- und rechtlos, aber an der Seite eines Mannes zu leben. Denn mit ihrer Heirat begab sich die Kolonistenfrau aus der Abhängigkeit ihres Elternhauses, freiwillig und direkt, in die eines in der Mehrzahl despotischen bessarabiendeutschen Mannes.

Infolge der Heiratsurkunde erging auch sogleich ihre elterliche Mitgift an das Vermögen des Gatten. Sie selbst blieb in dieser Ehegemeinschaft „mittel- und rechtlos“!

Aug um Aug

standen die Kolonistenfrauen treu zu ihrem Volkstum und erkannten mit dem Einverständnis zur Ehe auch ihre große, entscheidende Rolle zu allem Geschehen in Bessarabien.  –Mit ihrem Fleiß, ihrer Körperkraft und ihren seelischen Stärken, beteiligten sie sich am Mehren des Wohlstandes ihrer großen Familie.

Unermüdlich bewegten sie sich in einem selbstlosen und überlebenswichtigen Einsatz zur bessarabiendeutschen Gemeinschaft. Neben der Hauswirtschaft mit Blumen-,Gemüse-,Obstgarten; dem Verarbeiten und Fermentieren von Obst und Gemüsesorten für den Winter; dem Brotbacken und Essen kochen für ihre großen Familien – auch in der beliebten Sommerküche; dem Wäschewaschen; am Spinnrad; dem Webstuhl; der Strick- und Näharbeit für die ganze Familie und für die Ausstattung im Haushalt; der mütterlichen Fürsorge für die große Kinderschar oder auf dem Dreschplatz, widmeten sie sich zusätzlich der umfangreichen Geflügel- und Schweinezucht sowie ihrer Molkereiwirtschaft. 

Bauerngehöft mit SchöpfbrunnenFrauen bei der Herstellung von Lehmziegel/Batzen

http://www.bessarabien.blog/bessarabien-im-winter/

 (Die Bäuerin hatte es im Winter umso schwerer)

Jeder Tag der Bäuerinnen war von morgens früh, bis abends spät, angefüllt mit wichtigen und lebenserhaltenden Aufgaben. Von ihrer Gesundheit und Schaffenskraft hing der Wohlstand ihrer Familie ab. Aber auch ihr eigenes gesellschaftliches Ansehen erwuchs darüber hinaus innerhalb ihrer Kolonistengemeinde.

Dieses erfüllte sie mit einem besonderem Stolz und es war ein verdienter Lohn für alle ihre Einsätze und Mühen.

Die gesellschaftliche Pflege über ihre Familie zu Freunden, Nachbarn und Verwandten waren für sie wichtige Kraftquellen. Für das gesellige Miteinander musste immer eine Zeitreserve bleiben.

Sprachlos über diese für mich „wahren Heldinnen der bessarabiendeutschen Siedlungsgeschichte“ verneige ich mich voller Hochachtung und frage ich mich:

Wie war es ihnen noch gelungen auf dem Hofbänkle an der langen Chaussee, ein Stündchen schwätzend mit dem Ehemann oder einer Nachbarin, zu verweilen?“

Christina Kuch, Eltern Volz+Breitmeier27.5.1887, Großmutter von Christa Hilpert-KuchChristina Kuch

geb. am 27.05.1887

Brienne/Bessarabien

Eltern: Katharina Breitmeier u.

Joh. Volz/

Großmutter von: Christa Hilpert-Kuch                      Foto:1940 im Lager

 

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Osterbräuche in Bessarabien

Ostern in Bessarabien – war das höchste christliche Fest des Jahres

Es wurde nach strengen christlichen Bräuchen begangen. Entsprechend nahm die Einstimmung auf das bevorstehende Fest in der Karwoche zu. Schließlich wartete auf die Hausfrau noch eine Vielzahl an Arbeit auf Erledigung vor Festbeginn. Die Wohnungen und Häuser wurden von Grund auf gereinigt. Ebenso bereits am Mittwoch vor Gründonnerstag, war es Brauch, die Familiengräber auf ihren Friedhöfen von jeglicher Art von Unkraut zu befreien und liebevoll zu schmücken.

Der Ostersamstag

war ganz für das Ostereierfärben- und bemalen reserviert. Teilweise wurden mehr als 100 Eier in vielen Farben und Beschriftungen vorbereitet. Die Menge richtete sich jeweils nach der Familiengröße. Außerdem wurden die Backöfen angeheizt, weil die Hausfrau große Mengen verschiedener Kuchenteige für die Pfannen vorbereitet hatte und demzufolge Berge an Kuchen für ihre Liebsten zu den Festtagen gebacken werden mussten. Denn schließlich wartete die ganze Familie auf österliches Gebäck, wie z. B. den Osterzopf oder Ostervögeles, den gefüllten Osterkranz, Osterkuchen mit getrockneten Früchten und Mandeln, Riebeles- und Käsekuchen, Mohnkuchen und vieles mehr…..

Die Bäuerin leistete Schwerstarbeit vor dem Fest

Zu einem weiteren Osterbrauch zählte ebenfalls der bunte Osterteller aus Gerstensaat. Dieser besondere Augenschmaus war immer eine große Freude für die Jungen aber auch die Alten. Hierzu siehe die Anleitung unter:

http://www.bessarabien.blog/solidarisches-gemeinwesen-in-bessarabien

Der Karfreitag

war in den deutschen Kolonien ein Fastentag. Während dieses Tages verzichtete man auf jegliche Art von Arbeit sowie auf die Zubereitung und den Genuß von Fleischgerichten. Um so mehr widmete man sich leichter Kost, um seinen Hunger zu stillen.

Früh am Ostersonntag, noch vor Sonnenaufgang

ertönten die Glocken vom hohen Kirchturm und luden alle Bewohner zur Morgenpredigt auf den Friedhof ein. In Festtagskleidung riefen sie die Kolonisten zum „Auferstehungsgebet für den Heiland“ an die Gräber ihrer Ahnen. Große Menschenströme folgten dem Ruf der Glocken. Gemeinsam mit dem Pastor, Küster, dem Chor und der Blaskapelle wurde gebetet und tief ergriffen in das Lied eingestimmt: „Jesus lebt, mit ihm auch ich“.

Mit diesem tief religiösen Osterbrauch zur „Ehre der Toten“ und erst nach der Verabschiedung an den Gräbern ihrer Lieben, zerstreute sich die Menge.

Dorfbewohner auf dem Friedhof bei ihren Ahnen

Währenddessen die Familie vollzählig wieder zuhause eingetroffen war, konnte nun das von den Kindern lange herbeigesehnte Ostereiersuchen in den vorbereiteten Osternestern oder den zahlreichen Versteckmöglichkeiten auf dem Bauernhof beginnen. Welch eine Freude für die ganze Familie.

Mit einem Vor- und Nachmittagsgottesdienst ging der erste Ostertag vorüber.

Das „Fest des Eierlesens“ am zweiten Ostertag

Nach dem Vormittagsgottesdienst, stand der Nachmittag ganz im Zeichen der Jugend – für Freude und SpielDieser „Brauch des Eierlesens“ fand immer draußen außerhalb des Ortes auf einer Wiese statt und war ein ausgesprochenes Frühlingsfest. Mit einem angemessenen Kräftemessen der Jugendlichen  untereinander, bei Spaß und Spiel symbolisierte das Ei die österliche Auferstehung gemeinsam mit der erwachenden Natur. Nach festen Spielregeln war es in jeglicher Hinsicht ein fröhliches Fest. 

Das traditionelle Volksfest der Jugend  „des Eierlesens“  wurde mit Musik und Tanz bis in die Abendstunden freudig genossen.

In zukünftiger Erwartung schaute man schon auf die nächste Begegnung.

Dieses sollte schon bald der erste Mai sein.

Wieder ein Tag der Freude und Gemeinschaft.

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Solidarisches Gemeinwesen in Bessarabien

soziales Handeln

In Anpreisung eines österlichen Augenschmauses aus Bessarabien

Ein österlicher Augenschmaus aus Bessarabien. Zum Nachmachen!  (s. untenstehend)

Stets als Teil der Natur fühlten sich die deutschen Kolonisten am Schwarzen Meer. Als solidarisches Gemeinwesen verschmolzen sie zu einer vollkommenen Einheit mit den vier Jahreszeiten und den ihnen damit vorgegebenen Aufgaben „von der Aussaat bis zur Ernte“. Mit dem Werden und Vergehen – und doch Wiederkehrenden und Erneuernden fühlten sich die Kolonisten in Bessarabien in vollkommenen Einklang. In dieser göttlichen Ordnung, fern der Heimat, waren die deutschen Kolonisten eng miteinander verbunden und bestens aufgestellt. Als solidarische Gemeinschaft, mit strengen christlichen Richtlinien bzw. Reglementierungen, gelang es ihnen selbst an schwierigsten Lebensumständen zu wachsen. Ihr Leben war von großen Herausforderungen in allen Lebenslagen geprägt. Mit einem sozialen Gesellschaftsmodell „einander beizustehen“ meisterten sie ihr Schicksal in der Fremde. Über Entbehrungen und Rückschläge wurde nicht geklagt. Umdenkend, lernfähig und ihr Wissen teilend, hielten sie sich an Regeln und machten das Beste daraus.

Ich scheue mich nicht immer wieder meine Bewunderung und Anerkennung über die Lebensleistung meiner Vorfahren in Bessarabien wiederholt zum Ausdruck zu bringen. Heute erneut mit diesen Zitaten:

1.) „Weisheit kennt Grenzen, Dummheit nicht“ ,

2.)„ Der weise Mensch braucht Richtlinien, der Dumme Gesetze“.

Die Kolonisten als solidarisches Gemeinwesen in Bessarabien, stellten sich ihren Herausforderungen in Anerkennung der göttlichen Ordnung. So sorgten sie in angemessenem Rahmen voller Demut für ihr tägliches Brot.

Frühlingserwachen in der Steppe

Plötzlich über Nacht hielt das Frühjahr mit seinen hellen Sonnenstrahlen Einzug. Lautstark kündigten sich die ersten gefiederten Frühlingsboten aus dem Süden an. Die ersten Stare waren mit ihrem fröhlichen Gesang eingetroffen. Schnell verbreitete sich diese Kunde aus jubelndem Kindermund im ganzen Dorf. Nun war es amtlich, „der harte Winter war vorüber“!

Ausgelassene Freudentänze über dieses Ereignis wurden von den Kindern und ebenso von den Jungtieren wie Fohlen, Kälber und Lämmchen vollführt. Mit ihren fröhlichen Sprüngen und Spielen brachten sie ihre Freude zum Ausdruck.

Die humusreiche Schwarzmeer-Erde

Die vorbereiteten Saaten mit Gerste, Mais, Senf, Hafer, Sommerweizen, Sonnenblumen, Zuckerrohr, Rizinusbohnen, Soja, Klee und anderes Grünfutter wurden in nur wenigen Wochen in die gut vorbereitete Schwarzmeer-Erde eingebracht. http://www.bessarabien.blog/oekonomie-dahoam-in-bessarabien/

Auf dem Hof und auch im Stall regte sich das Leben. Die Gluckhennen und die Gänse bekamen Bruteier in ihre vorbereiteten Nester gelegt. Die nach und nach ausschlüpfenden Hühner und Gänseküken erhielten in ihren gepolsterten Körbchen ein warmes Plätzchen in der Küche. Auch die kleinen Lämmchen wurden zum Aufpäppeln und Aufwärmen, besonders zur Freude der Kinder, in die warme Küche getragen. Draußen am Flussufer, im grünen Gras, huschte wenn die Kinder achtsam waren, der Osterhase ganz schnell von einem Busch zum anderen. War es der Oster- oder doch nur ein Erdhase? Das erfuhren die Kinder natürlich nicht, denn es rollte dann schon mal das eine oder andere Osterei, von den älteren Geschwistern geschickt getarnt, über das frische Grün. Eine frohe Osterbotschaft zur Freude und Belohnung für die Kleinen, die mit dem Hüten der kleinen gefiederten Küken beauftragt waren.

Oster-Tischschmuck

Einer der besonderen Bräuche für das Osterfest und ein ganz besonderer Augenschmaus in Bessarabien, war der Osterteller. Hierzu wurde ein Suppenteller mit Erde und Gerstenkörnern befüllt und an einen warmen und hellen Platz in der warmen Küche platziert. Täglich musste nun die aufkeimende Gerste gewässert werden, damit die Gerste für das herannahende Osterfest die richtige Höhe erreichen konnte.  Am Ostersonntag legte die Bäuerin nun einen bunten Eierkranz um das kraftvolle Grün des Gerstentellers und Zuckerles inmitten hinein.

Dieser zauberhafte Osterteller durfte, zur allgemeinen Freude in den kinderreichen Familien Bessarabiens, auf keinem Ostertisch fehlen.

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Ökonomie – Dahoam in Bessarabien

Das baldige Ende des Winters verkündeten Dahoam in Bessarabien die immer länger werdenden Tage und kürzeren Nächte. Voller Hoffnung auf ein ertragreiches Jahr waren die Gedanken des Bauern auf seinen landwirtschaftlichen Betrieb ausgerichtet.

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Landwirtschaftliches Gefährt

Für den Ökonom galt es nun die richtige Saat aus seinen Getreidesorten auszuwählen, diese sorgsam von dem Unkrautsamen zu trennen und gesondert für die Aus-Saat zu lagern. Denn nur ein sorgfältiges Verteilen der Saatgüter, die Planung und Berechnung der richtigen Menge für die Größe der zu bestellenden Felder, versprach einen maximalen Ernteertrag. Natürlich hing ein reichliches Aufgehen der Saat mit seinem Wachstum, selbst bei sorgfältigster Vorbereitung, von den jeweiligen Witterungsverhältnissen in Bessarabien, mit seinem Kontinental-Klima während der Wachstumsphase ab.

Die Ernährung seiner großen Familie hatte oberstes Gebot. Zu deren Absicherung wurde vorrangig eine von ihm kalkulierte Bevorratung unangetastet beiseite gelegt. Erst jetzt wurde das restliche Getreide für die Aussaat und den Verkauf zu anständigen Marktpreisen deponiert. Hier konnte er seine Fähigkeiten durch geschicktes Verhandeln unter Beweis stellen.

Bessarabische Weine

Ebenso ökonomisch wurde mit dem Wein-Depot aus seinem Erdkeller verfahren. Denn dort lagerten in großen Weinfässern beste bessarabische Weine der süßesten Trauben. Prall und vollmundig reiften sie an den sonnigen Hängen in den deutschen Kolonien. Diese Weine waren im ganzen Land und darüber hinaus bestens bekannt und fanden reißenden Absatz.

Mit dem Maisrebbler das Welschkorn entkörnen

Welschkornhaus mit MaisRebbler

Eine weitere Herausforderung für den Ökonom war die Bewältigung des getrockneten Maisvorrats. Mit großem körperlichen Einsatz wurde diese Arbeit bewältigt. Dafür war es notwendig die getrockneten Maiskolben aus dem Welschkornhaus herbeizuschaffen und diese durch den Maisreppler zum Ablösen der Körner zu drehen. Für diese schwere und harte Arbeit wurden mindestens drei Personen zum Bedienen der Maschine benötigt. Sorgfältig wurde auch hier zuerst der Eigenbedarf ermittelt und dafür eine ausreichende Menge zurückbehalten. Der Überschuss konnte nun auf dem Markt meistbietend angeboten werden.

Sämtliche Wirtschaftsgeräte mussten nun noch auf eine eventuelle Instandsetzung vom Bauern überprüft werden. Eine große Herausforderung, denn diese erforderte ein großes handwerkliches Geschick und fachkundiges Handeln! In vielen unterschiedlichen Gewerken musste er sich beweisen. So zum Beispiel reparierte und flickte der Bauer auch an seinem Sattlerstuhl sein Pferdegeschirr. In der Regel bewerkstelligte er sämtliche Arbeiten ohne fremde Hilfe und bereitete so alles auf einen baldigen Einsatz vor.

Reduzierung der Tierkapazitäten in den Stallungen

Tierzucht auf dem Bauernhof

In seinen Stallungen war es notwendig eine Tier-Bestandsaufnahme und eine Reduzierung durch die Wintergeburten einzuleiten.  Je nach Größe des Stalles ermittelte der Ökonom die Stückzahl der Fohlen, Kälber und Lämmer und plante für das Frühjahr den Abverkauf auf den großen Bauernmärkten in Arzis und Tarutino.

Mit einem prüfenden Blick auf den Zustand seines Wagens musste er abwägen, ob dieser noch den zukünftigen Erwartungen entsprechen würde. Wenn ihm dieses nicht mehr gewährleistet erschien, entschloss er sich kurzerhand zum Verkauf desselben. Bei den besten bessarabiendeutschen Wagenbauern in Teplitz, Alt-Postal oder Wittenberg war es kein Problem schnell einen neuen Wagen zu erstehen.

Nach Abschluss aller Planungen, Vorbereitungen und Reparaturen, konnte der Ökonom noch etwas Ausruhen und Kräfte sammeln.

Mit großer Ungeduld wartete er nun auf seinen Einsatz, – Dahoam im Frühjahr!

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Dahoam – mit Pudelkapp und Fell-Gamaschen

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Dahoam – mit Pudelkapp und Fell-Gamaschen  Kalt war der Winter Dahoam in Bessarabien und soweit das Auge reichte zeigte er sich in einem weißen Kleide. Über Wochen bedeckte eine dicke Schneedecke die weite Steppe Dahoam in den deutschen Kolonien Bessarabiens. Die breiten und langen Chausseen in den Dörfern boten dem eisigen Wind einen kraftvollen Atem. Ungestüm pfiff er den Menschen um die Ohren und rieb der Bevölkerung rote Wangen ins Gesicht, unter ihrer Pudelkapp. Diese Färbung wurde allgemein als gesunde Gesichtsfarbe gedeutet, besonders wenn ein dicker Pelz den Körper warm einhüllte. Für trockene und warme Füße und Beine sorgten lange Fell-Gamaschen über dem Schuhwerk. Sie boten Schutz vor Frost und Schnee.

Viel zu hart war die Arbeit innerhalb des Jahres und nun wo die Feldarbeit ruhte, konnte sich der Bauer eine kurze Atempause gönnen. Besonders hingebungsvoll widmete er sich jetzt der besonderen Fellpflege seiner geliebten Pferde, „seine treusten Freunde“ und versorgte sie mit bestem Futter.  Nach getaner Stallarbeit hatte er Zeit und Muße sich im laufe des Tages mit seinen Freunden, Nachbarn und Bekannten auszutauschen.

Mit Pudelkapp und Fell-Gamaschen

fühlte er sich dem stärksten Schneesturm gewachsen. Bei seinen Besuchen erfuhr er Neuigkeiten aus der Gemeinde, tauschte sich über die Bearbeitung seines Ackerbodens aus oder erfuhr die neuesten Meldungen der soeben eingetroffenen Zeitung. Es wurde diskutiert und ausgetauscht. Und um die Freizeit so richtig zu genießen, zeigte sich die Bauer einer Einladung zu einem guten Wein nur selten abgeneigt. Es konnte geschehen, dass bei dieser Gelegenheit Zeit und Raum und die wartenden Lieben Dahoam vergessen wurden. Einen guten Vorrat besten Weines, aus dem eigenen Weinberg, konnte jedes bäuerliche Anwesen sein Eigen nennen. In großen Fässern lagerte der Wein in den tiefen Außenkellern und wartete auf den Verzehr. Bestens versorgt damit, durfte der Winter auch mal gern länger dauern. Diese Annehmlichkeiten der Winterzeit entschädigten so manchen Bauern für die großen Anstrengungen und Entbehrungen der vergangenen Monate.

Die Bäuerin hatte es im Winter umso schwerer.

Die Fertigstellung einiger Arbeiten während des laufenden Jahres mussten aus Zeitmangel auf die Wintermonate verschoben werden und das Stricken, Flicken, Reinemachen, Kochen, Waschen und vieles mehr gehörten ja ohnehin zu ihren täglichen Aufgaben, in ihrer Großfamilie.

Weitere Herausforderungen kamen jetzt zur Winterzeit auf die Kolonistenfrau hinzu.

Dabei war der gebrochene Flachs und Hanf aus der Sommerernte und wartete auf seine Verarbeitung. Das unermüdliche Surren des Spinnrades war im ganzen Haus zu hören. Viele  Säcke für die Ernte, Strohsäcke  für die große Familie und Plachten für den Dreschplatz mussten gewoben und genäht werden. Fast ununterbrochen lief der in der Küche aufgestellte Webstuhl. Zu den absoluten Pflichten einer  Hausfrau in Bessarabien gehörte das Weben. Es war ein „MUSS“ dieses Handwerk frühestmöglich an die heranwachsende Tochter weiterzugegeben und das Handwerk zu erlernen.  Seit dem Sommer warteten Berge an bereits gewaschener Schafwolle auf ihre Veredelung und die unterschiedlichste Verarbeitung. Strickkleidung, Häkelarbeiten, Steppdecken, handgewebte feine Stoffe, Läufer, Fußteppiche und Klöppelarbeiten mussten daraus hergestellt werden. Unermüdlich reihte sich eine Arbeit an die andere.

Die Hände der Bäuerin und Töchter fanden im Winter keine Ruhe.

Bei all ihrem Einsatzes verstanden es die Frauen in Bessarabien dennoch herrliche und unvergessene Winterabende zu arrangieren. Verabredungen, teilweise mit dem Ehemann und dem Spinnrad oder dem Strickzeug unter dem Arm, bei Freunden, Nachbarn und Bekannten wurden am Abend mit gebratzeltem Mais (in heißem Sand gebratene Maiskörner) und beim Sonnenblumenkörnernknacken sehr genossen.  Gered wurd über des und sell“ und vor allen Dingen wurde das eine oder das andere Lied gesungen. So z. B. folgendes: „Ich bin das ganze Jahr vergnügt.….“ etc.. Spätestens, wenn die Uhr dann 22 oder 23 Uhr angezeigt hatte, verabschiedete man sich in dem Bewusstsein „wieder einen schönen Abend verbracht zu haben“.

Unerschütterlich und getragen von Hoffnung und Glauben, fest verankert in ihrem deutschen Gemeinwesen von „Dahoam, dem Großdeutschenreich“, lebten und arbeiteten die Bessarabiendeutschen in der Fremde, bis zu ihrer Umsiedlung, im Jahre 1940. https://www.facebook.com/christa.hilpert.7

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Bessarabien Kochkurse

Bessarabien –   „Kochen via Kolonistenfrauen“.

Neue Kochkurse !!! – an den Freitag-Abenden im März 2020, Anmeldung über die KVHS Verden telefonisch: 04231/15 160, per Fax 04231/15 170, Anmeldung im Internet jederzeit unter: www.kvhs-verden.de

Weitere Infos finden Sie auf Seite 86 im Programmheft der KVHS s. nachst. Link

https://www.kvhs-verden.de/fileadmin/user_upload/Heft_gesamt.pdf

Kursnummern für Ihre Anmeldung

Liebe Freunde Bessarabiens, Strudla und Dampfnudla waren die Wunschgerichte der Kochteilnehmer/innen aus dem Jahre 2019. Und so soll es nun auch im Jahre 2020 geschehen!

Wer hat Lust bei der Zubereitung dieser beliebten Speisen aus Bessarabien: „Strudla und Dampfnudla“, dabei zu sein? Über die (VHS) Kreisvolkshochschule Verden biete ich auch in diesem Jahr wieder ein Kocherlebnis der beliebtesten Speisen „via Kolonistenfrauen“ vom Schwarzen Meer, in der gemeinsamen Zubereitung, an.

Vier Küchen sind für uns wieder an allen Freitagabenden im März, in der KVHS Verden, von 18 Uhr bis 21.45 Uhr, für uns reserviert!

Eingeladen zu diesen Kochabenden sind alle, die Gerichte aus der Siedlerzeit deutscher „Kolonistenfrauen am Schwarzen Meer“ nachkochen möchten. Besonders für die bessarabiendeutschen Nachkommen – insbesondere die Enkelkindergeneration – bietet sich hier die Gelegenheit die Esskultur ihrer Vorfahren kennenzulernen und nachzukochen.

Bessarabische Spezialitäten wurden von den Einwanderern aus Deutschland mitgebracht und mit der Küche ihrer Nachbarn vor Ort  in ihrem Vielvölkerstaat ergänzt und abgewandelt. Zu diesen Spezialitäten gehören z. B. Strudla, Knöpfla, Dampfnudla, Stierum, Grün- und Krautborscht, Krautsalat, Kichla und selbstgemachte Nudla.

Mit einer gemeinsamen Zubereitung bekannter bessarabischer Spezialitäten dürfen wir zusammen Bessarabien ERSCHMECKEN; ERINNERN und so einiges über die Koch- und Lebensgewohnheiten der deutschen Kolonistenfrauen erfahren.

Ich freue mich wieder auf Sie!!!!

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Bessarabien im Winter

Wintervergnügen in Bessarabien

Bessarabien im Winter

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Das man mit einem baldigen Wintereinbruch rechnen musste, erkannte man an den schnell hervorgeholten Karakulfellmützen der Bauern. Väterchen Frost wollte Einzug halten! Über Nacht hatte sich der Übergang vom Spätherbst zum Winter vollzogen. Ein eisiger Ostwind aus der weiten Steppe Russlands fegte ungebremst in die Kolonien. Dieses vollzog sich innerhalb von wenigen Tagen und verwandelte „Bessarabien im Winter“ zu einer Oase der Ruhe. Schon nach wenigen Tagen brach reichlich Schnee und Eis über die Dörfer und Felder herein und hüllte Bessarabien in ein weißes Kleid.

Viel zu hart war die Arbeit innerhalb des Jahres und nun wo die Feldarbeit ruhte freute man sich auf eine kurze Atempause und ein wenig Freizeit zum Kräftesammeln.

Das Wintervergnügen konnte beginnen. Dazu zählte auch das „Schlittenfahren“ . mit ihren stärksten und schönsten Pferden. Dick eingepackt mit Pelzmütze, Fahrpelz und speziellen Filzstiefeln lenkte der Bauer sein Pferdegespann durch den harschen Schnee.

Des Bauern ganzer Stolz sind seine Pferde

Ein besonderer und für viele unvergessener Zauber ging von den abendlichen Schlittenfahrten aus. Bei Mondschein und einem über und übervollen Sternenhimmel mit unzähligen weiten und ganz nahen Sternen, Sterne wie leuchtende Diamanten, glitt der Schlitten lautlos und von des Bauern schönsten Pferden gezogen, durch die schneebedeckte Landschaft. Nur ein zartes Glöckchen an eines der Pferdegeschirre befestigt klang durch die Nacht.

Gern und voller Stolz präsentierte sich der Bauer mit seinen schönsten Trabern in der Öffentlichkeit. Mit der Bäuerin und den Kindern machte er so gern Familienbesuche in den Nachbarkolonien.

Spaß für Jung und Alt

Seiner oft großen Kinderschar widmete sich der Bauer an Nachmittagen mit einer närrischen Schlittenfahrt durch das Dorf.

Ebenfalls in große Pelzdecken gehüllt zeigten die großen und kleinen Fahrgäste mit einem breiten Grinsen ihre Freude an diesem Wintervergnügen, in Bessarabien im Winter.

Pferde- und davon hatte der Bauer mindestens zwei bis zehn oder mehr, waren sein bester und treuester Freund. Er verwöhnte sie mit bestem Futter und widmete sich der Pflege ihres glänzendes Felles.

Dieses Statussymbol vergleiche ich mit dem heutigen Stolz junger Männer oder Familienoberhäuptern jeden Alters, über ihren geliebten Fahruntersatz unserer Zeit.

Unvergessene Tage verbrachten die Kinder im Schnee tummelnd auf dem Hof oder mit dem Schlitten auf der Straße. Auf den zugefrorenen und sich durch das Tal schlängelnden Flüssen vergnügten sich die Größeren beim Schlittschuhfahren.

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