Dnjestr und Pruth

Geografische Karte, Bessarabien. Dnjestr und Pruth

Frage: Wo liegt Bessarabien? Antwort: Zwischen Pruth und Dnjestr!

Eingerahmt wie ein flatternder Wimpel, zwischen Dnjestr und Pruth.  Von der südlichen Grundlinie der Donau, unterhalb Galatz – mit ihrem Kilia Mündungsarm und dem Liman-Ufer des Schwarzen Meeres, erstreckt sich die Landesgrenze Bessarabiens.  https://www.bessarabien.blog/geschichte

Im früheren und späteren Mittelalter war Bessarabien geschichtlich als ein bedeutender Grenzwall und Korridor für einströmende Völkerschaften von Osten nach West- und Südeuropa und umgekehrt. Auch archäologisch, wegen der zum Teil kilometerlangen seltsamen Erdaufhäufungen seiner „Trajanswälle“ und seinen zahlreichen „Kurganhügeln“, (Begräbnisstätten von Pferden und Menschen) war Bessarabien einer der interessantesten „Wimpel der Welt“.

Grenzland Bessarabien

zwischen mit den Flüssen „ Dnjestr und Pruth“. Als Karpatenausläufer ist Nordbessarabien eine Hochebene und liegt auf durchschnittlich 400 Metern über dem Meeresspiegel. Nordbessarabien zeigt sich mit einem beeindruckenden und abwechslungsreichen LandschaftsSchluchten aus Nord-Bessarabien. Dnjestr und Pruthbild. Es besticht mit seinen kleinen Eichen- und Buchenwäldern und seinen tiefen Schluchten. Zu damaliger Zeit erstreckten sich die Buchenwälder bis nach Mittelbessarabien hinein. Südbessarabien liegt auf auf einer Höhe von 200 Metern über dem Meeresspiegel und ist ein flachwelliges Hügelland ohne Baumbestand. Dnjestr und PruthÜber ein Dreieck, aus dem Tatarischen wird es Winkel genannt, zeigt sich Südbessarabien in dieser Linienform von Bender nach Akkerman bis Ismail. Dieser Winkel in Südbessarabien wurde „Budschak“ genannt. Der Budschak war das erste Siedlungsgebiet für unsere deutschen Einwanderer in Süd-Russland ab dem Jahre 1814, mit den Gründungen der ersten 25 Mutterkolonien.

Wilde, unberührte Steppe

Von einer sagenumwobenen und mannshohen Steppe, wurden unsere Urväter zur Dorfgründung empfangen. Wenn man einmal davon absah, welche Herausforderungen auf die Kolonisten warteten, war man von der Kraft und Schönheit dieser Natur überwältigt! Dnjestr und PruthSo weit das Augenlicht in den blauen Horizont reichte, eröffneten sich ihm leuchtende Wogen wilden Grases, mit unzähligen Blumen und einer Vielzahl an Vogelstimmen. Eine weitausladende, wellige und kraftvolle Steppe, am Tage und bei Nacht. Des Nachts ein hell erleuchteter Himmel mit Millionen von funkelten Sternen, zum Greifen nah!

Des Bauern Lohn

Diese wilde unberührte Steppe, zwischen Pruth und Dnjester, hatte noch niemals einen Pflug gesehen. Schwarzmeer-Erde zwischen Dnjestr und PruthUnter dem wilden Steppengras ruhte im Verborgenem eine bis zu zwei Meter dicke Schicht fruchtbarer Schwarzerde, mit einem Humusgehalt von drei bis zu sieben Prozent! Das Urbarmachen dieser Erde sollte unseren Vorfahren erst zum Fluch und dann zum Segen gedeihen.

Wenn schneereiche Winter und sanfte Niederschläge im frühen Sommer dem Samen die notwendige Feuchtigkeit schenkten, bekamen die Bauern ihren Lohn, für alle ihre Mühen. Diese, „ihre kostbare Schwarzerde“ war der wahre Reichtum Bessarabiens, „ihrer Wahlheimat“!

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Brienne

Brienne – Bessarabien

Christa Hilpert-Kuch am Kogälnik/Brienne

Heimat meiner Eltern und Großeltern

Inmitten eines überwältigenden Ausblicks vom „Brienner Berg“ über die kraftvolle und weite Steppenlandschaft des Budschaks erstreckt sich die Kolonie Brienne am Steppenfluss Kogelnik.

Prächtige Weingärten und fruchtbare Obstgärten rechts und links der breiten Chaussee mit den dahinterliegenden einst weißen aus dem Muschelkalkstein der Brienner Steinbrüche erbauten Häusern, mit den weißen Hofmauern prägten einst das Landschaftsbild.

Hof in Brienne

In greifbarer Nähe dahinter nur durch den Kogelnik getrennt liegt im Tale die Nachbarkolonie Arzis. Die häufigen Überschwemmungen des immer wieder über die Ufer tretenden Kogelniks konnten die Brienner im Gegensatz zu den Arzisern unbesorgt aus ihrer Anhöhe betrachten.

Der Name Brienne sowie Arzis leitete sich von den gewonnenen Schlachten durch die Verbündeten gegen Napoleon im Jahre 1812 ab.

Unter dem Aufruf Katharina der Großen und Zar Alexander erfolgte im Jahre 1816  die Gründung Briennes, eine baumlose Steppe „Nr. 15“ für die Schwarzmeerdeutschen.

Der Notbehelf ihrer Erdhütten wich bald massiven Steinhäusern durch den Abbau im eigenen Steinbruch der Brienner Berge.

Die Einnahmen des Steinbruchs für den Hausbau in dieser Kolonie und den unmittelbaren Nachbarorten verhalfen der Gemeinde zu einem guten Einkommen. Lehm bzw. Batzenbauten gehörten in Brienne bald weitestgehend der Vergangenheit an.

Ein zwischen vorderer Hofmauer und Wohnhaus angelegtes Blumengärtchen schmückte ihre Häuser.

Jeder Hof hatte eine Größe von 232 m Länge und 47 m Breite. Eine Hof- und Straßenmauer zog sich vor der mehr als 20 Meter breiten Dorf-Chaussee von Hof zu Hof und wurde nur durch die jeweiligen Hofeinfahrten mit verschließbaren Toren unterbrochen. Die Wohnhäuser mit anschließenden Wirtschaftsgebäuden lagen nur einige Meter von der vorderen Hofmauer getrennt. Eine hintere Hofmauer sicherte den Hof vor Eindringlingen.

Außerhalb dieser Umzäunung befand sich der Dreschplatz, die Spreuhütte und der Strohschober mit dem Gemüse-, Obst- und Weingarten in evtl. Hanglage Richtung Arzis.

Auf jeder Straßenseite der Chaussee begrenzte eine Reihe Akazien einen zwei Meter breiten Bürgersteig.

Die etwa zweitausendfünfhundert m lange Dorfstraße, vom Ober- zum Unterende, führte bergab zu dem Russendorf Pawlowka, bergauf in das Schwabendorf Teplitz und über den Berg nach Neu Brienne.

Mit ihrem Steinbruch besaß Brienne 5560 Hektar Land, sodass die ersten 84 Ansiedlerfamilien jeweils 60 Hektar Land erhielten.

Die Anhöhe Briennes bot alle Voraussetzungen für guten Obst und Weinanbau aber ebenso spielte die Pferdezucht eine ausschlaggebende Rolle und war oft wirtschaftlich lukrativer als die Landwirtschaft. Man sagt, nur von den Friedenstalern konnte die Pferdezucht übertroffen werden.

Beruflicher Wirkungsort meines Vaters August Kuch,  als Schreiber im Rathaus Brienne

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde durch den wirtschaftlichen Umschwung vom graublauen Steppenrind auf das das Rassevieh eine beträchtliche Neueinnahme verzeichnet.

Diese Erneuerung steigerte die Milchproduktion und ebnete den Weg zur Gründung der Molkerei- und Milchgenossenschaft „Danemarka“. Mein Großvater Eduard Schell aus Brienne war im Nebenerwerb als Landwirt Angestellter dieser Molkerei.

Aber auch im Handwerk wurde ein wirtschaftlicher Aufschwung verzeichnet. Dreizehn Tischlereien, vier Schmieden, drei Schlosser, acht Schuster, sieben Schneider, sechs Maurer, drei Böttcher, ein Drechsler und ein Uhrmacher wurden im Jahre 1940 in Brienne gezählt. Die zwei Kolonialgeschäfte im Ort gereichten den Briennern insofern, dass man wie selbstverständlich mit einem Gang in den nahegelegenen Marktflecken Arzis alle seine Einkäufe erledigen konnte.

Kurganhügel in Brienne

Im Jahre 1839 wurde mit dem Bau einer Kirche begonnen. Durch den Ausbruch der Pest musste der Kirchenbau bis zum Jahre 1849 zwangsläufig gestoppt werden.

Die Einweihung dieser Kirche verzögerte sich bis zum Jahre 1852 und war durch die zwischenzeitlich stark angewachsene Bevölkerung schon zu wieder klein.

Ein neuer Kirchenbau war finanztechnisch nicht möglich, da die 9000 Rubel aus dem Kirchenbaukapital im Jahre 1904 in ein allen Anforderungen entsprechendes neues und großes Schulgebäude investiert wurden. Ein Erweiterungsbau auf dem Schulhof, die Küster- und Küstergehilfenwohnung, wurde von der Gemeinde im Jahre 1908 fertiggestellt.

Erst im Jahre 1934 wurde in Brienne der Grundstein für einen großen und teilweise im gotischen Stil gehaltenen Kirchenneubau gelegt.

Der Rohbau mit den eingesetzten Fenstern war mit 1,5 Millionen Lei abgeschlossen.

Da kam im Jahre 1940 die Umsiedlung…. !

Als Hauptgemeinde gehörte Brienne seit der Gründung des Kirchspiels zu Arzis.

Auch heute noch ist die Schule eine Augenweide in der Dorfmitte.

Die alten Dielenbretter aus deutscher Zeit, der alte Ofen im Klassenzimmer und der Nuschnik auf dem Schulhof ist deutsche Geschichte. Fleißige Ukrainer sorgten für den Erhalt des wunderschönen Gebäudes unserer Ahnen und gaben ihm einen leuchtenden Anstrich.

Auf einer Anhöhe oberhalb des Gässles liegt der ehemalige deutsche Friedhof. Verborgen zwischen hohem Gestrüpp und Buschwerk befinden sich die Gräber unserer Ahnen. Einige Grabsteine liegen verstreut am Abhang.

Über die Jahrzehnte hat die Witterung die Lesbarkeit der Inschrift beeinträchtigt, aber nicht unmöglich gemacht.

 

Sehr viele Häuser haben durch den soliden Steinbau die Zeit gut überlebt. Mit einem Brienner Ortsplan ist es kein Problem die ehemals deutschen Anwesen den früheren Besitzern zuzuordnen.

Viele Brienner Gesichter nach der Umsiedlung 1940, im Lager in Westpreußen

1940 im Lager, Brienner Bevölkerung

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