Wort-Gottes

Wort Gottes

Bessarabien. (Teil 1) wort-gottes. Die Einwanderer aus dem großdeutschen Reich waren stets eng mit dem „Wort Gottes“ verbunden. Der Lebenslauf meines Vorfahren Johann Adam Kuch, Einwanderer nach Bessarabien, wurde über fünf Generationen bewahrt. Heute befinden sich seine Aufzeichnungen in meinen Händen. Er beschreibt sein elterliches Heim in Baden Württemberg, seine Kindheit und seinen Weg über Polen nach Bessarabien. Von frommen Wünschen über ein Leben in der Gottes Gemeinschaft wurde er vom „Heiligen Geist“ geführt .

Über allen christlichen Gemeinschaften der Bessarabiendeutschen, schwebte der Geist Gottes und wurde zum Segen für seine Menschen. Mit großer Klarheit machten sie sich an das Werk. Nach dem „wort-gottes“ „ihrer Überzeugung“, organisierten sie sich in völliger Freiheit ihrer russischen Regierung. Dabei durfte niemand aus ihren Gemeinden  bei den Gottesdiensten fehlen. An den Sonn- und Feiertagen nachmittags und abends – sowie an den Mittwoch- und Samstagabenden, wurde „Stunde“ gehalten. Ganz besonderen Wert legten sie auf eine christliche Erziehung ihrer Kinder. In den Anfängen ersetzte in vollem Umfange die Bibel, das Lesebuch und die Fibel in ihren Kirchenschulen .

Zucht und Ordnung, oberstes Gebot

Es war ihnen ein Anliegen, gute Christen im „Wort Gottes“ zu schulen und zu unterrichten. In den Anfängen lehrten sie vorrangig Religion. Den ganzen Katechismus, ein Übermaß an Bibelsprüchen und Kirchenliedern, dieses alles musste von den Kindern auswendig gelernt werden. Zucht und Ordnung war ihr oberstes Gebot und das „wort-gottes“, das Maß aller Dinge in ihrem gesamten kirchlichen und bürgerlichen Leben. In ihrer Nachfolge Christi eiferten die Kolonisten mit großer Ernsthaftigkeit. Dadurch herrschte ein hohes Maß an Ehrlichkeit in ihren Kolonien- und nur ein geringes Maß an Verfehlungen waren durch diesen Zustand in ihren Gemeinden zu beklagen. Das „deutsche Wort“ der bessarabiendeutschen Bevölkerung, wurde von den anderen Völkerschaften in Bessarabien hoch geachtet. Mit einem Handschlag auf dieses „Deutsche Wort“, besiegelten sie auf den Märkten ihre Verkaufsabschlüsse.

Kam es zu Verfehlungen in den deutschen Kolonien, waren hohe Bestrafungen unumgänglich. Dazu gehörten zum Beispiel: Diebstahl, Unehrlichkeit, Alkoholsucht, Faulheit, Ehebruch und sittliche Vergehen. Bei Nichtachtung des dritten Gebotes „du sollst den Feiertag heiligen“, drohten empfindliche Strafen. Deshalb war auch das Tanzen an Sonn- und Feiertagen verboten. Du sollst nicht Ehebrechen -„das sechste Gebot“- wurde bei einem Vergehen mit hohen Geldstrafen belegt. Eine daraus erfolgte Trauung wurde ohne Schleier und Blumenschmuck vollzogen. Ihre kirchliche Ordnung und Lehre, wurde mit großer Genauigkeit in allen Gemeinden betrieben.

Bank für die Sünder

Eine Sündenbank, die sogenannte „Schwarze Bank“ befand sich ganz vorn im Altarraum ihrer Kirchen. Diese dort stehende, verbreitete bei den Gläubigen stets Unbehagen. Nach Übertretungen gleich welcher Art, mussten die Angeklagten m/w/d mit dem Gesicht zur Gemeinde gewandt, auf dieser Bank Platz nehmen. Mit einem großen Transparent vor der Brust, auf welchem ihre Verfehlung in großen Lettern geschrieben stand, verbüßten sie in großer Scham, an einem oder mehreren sonntäglichen Gottesdiensten, ihre Strafe. Alle Augen waren auf den Übeltäter vorn auf der Sündenbank gerichtet. Zudem wurde auch noch während der Messe die Verfehlung öffentlich geschildert. So geschah dieses, zur Warnung an alle, mit großem Erfolg.