Edwin Kelm

Nachruf  Dr. h.c. Edwin Kelm

Dr. h.c. Edwin Kelm verstarb im 92. Lebensjahr, am 7. April 2021, in Weissach im Tal. Geboren im Jahre 1929 in Friedenstal (Bessarabien) heute Mirnopolje/Ukraine, hat sich sein Lebenskreis im Jahre 2021 für immer geschlossen. Sein bewegtes Leben stand im Zeichen von Völkerverständigung, Liebe und Hingabe für seine Heimat Bessarabien. Voller Dankbarkeit dürfen wir auf die Hinterlassenschaften Edwin Kelms in Bessarabien schauen und in seinen Fußstapfen gehen.

In seiner Eigenschaft als Bundesvorsitzender der Bessarabiendeutschen Landsmannschaft, über mehr als zwei Jahrzehnte- und darüber hinaus bis zu seinem Tode, war seine Schaffenskraft für Bessarabien als Brückenbauer ungebremst. Heilbringend setzte sich Edwin Kelm für Bedürftige und insbesondere für Kinder ein. Er sanierte in Bessarabien Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, und widmete sich dem Kirchenbau wie in Akkerman, Albota und Sarata.

Dr. h.c. Edwin Kelm: Erbauer des Bauernmuseums Friedenstal, Bessarabien“.

Eine  bedeutende Hinterlassenschafte ist das „für alle Freunde Bessarabiens“, heutige interaktive „Dorf- und Bauernmuseum in Friedenstal“. Für diesen gelungenen Nachlass erwarb Dr. h.c. Edwin Kelm das Bauernhaus seines Großvaters um es für die Nachwelt als Museum auszubauen und zu erhalten.

Für den Wiederaufbau der ältesten im klassizistischen Stil erbauten Kirche in Sarata von 1843, erkämpfte er in den 1990er Jahren die Genehmigung für den Wiederaufbau. Mit Herzblut trieb er dieses Projekt voran. Dieses heutige Kulturdenkmal konnte er nach nur zwölf Monaten Bautätigkeit abschließen. Wie einst in alter Pracht ließ er den „Dom in der Steppe“ erstrahlen. Das Gotteshaus in Sarata ist heute für Gottesdienste der dort lebenden Bevölkerung und für alle Freunde Bessarabiens zugänglich.

Während seiner fünfzigjährigen aktiven touristischen Tätigkeit für Bessarabien, leistete Dr. h.c. Edwin Kelm unermüdliche Pionierarbeit. Seiner Person verdanken wir die touristische Erschließung Bessarabiens. Im Rahmen der Völkerverständigung führte der gebürtige Friedenstaler tausende Touristen aus der Bundesrepublik Deutschland und dem Ausland in ihre Heimatdörfer. Aus Altersgründen verabschiedete sich Herr Dr. h.c. Edwin Kelm im Jahre 2019 aus dem aktiven Reisegeschäft.

Inhaber des Kronenkreuzes in Gold seit 2001

Über Bessarabien hinaus bezeichnen weitere Anerkennungen, Ehrungen und Ehrenämter seinen besonderen Lebensweg. Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande 1983; Inhaber des Kronenkreuzes in Gold seit 2001; Erhalt der Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Sarata, die Verleihung des Ehrendoktortitels in Chisinau im Jahre 2001 und vieles mehr. In seinem Heimatort Möglingen engagierte sich der Verstorbene als Kommunalpolitiker und mehrfach in der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Mit einer offenen Ehrlichkeit trat er seinen Mitmenschen stets entgegen. Diese Offenheit konnte durchaus verletzend sein. Wurde er darauf hingewiesen, hatte er durchaus die Stärke, sich zu entschuldigen.

Mit Dr. h.c. Edwin Kelm ging ein Mythos zu Ende. Freunde Bessarabiens trauern um eine außergewöhnliche Persönlichkeit und verneigen sich vor einem großen willens- und durchsetzungsstarken Bessarabier – mit Herz und Verstand.       

Möge er bei Gott in Frieden ruhen.

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Dobrudscha

Die Dobrudscha ist eine historische Region und Grenzland zu Bessarabien, am Schwarzen Meer.

An dieser Meeresküste gab es schon in der Antike blühende griechische Kolonien und befestigte Städte. Noch bis zum Jahre 1878 stand die Dobrudscha unter osmanischer Herrschaft mit türkischen und tatarischen Bewohnern. Nach dem Unabhängigkeitskrieg von 1877/1878 fiel sie größtenteils an Rumänien. Die Dobrudscha umfasst vom Donaudelta mit dem Unterlauf der Donau am Schwarzen Meer, mehr als 23 000 Quadratkilometer und erstreckt sich weiter in westlicher Richtung über den Karpatenbogen. Seit 1940 ist die Dobrudscha zwischen Rumänien und Bulgarien geteilt. Ein bedeutender und heute bekannter Ort dieser Region ist Konstanza.

Die Bessarabien-Deutschen in der Dobrudscha

Schon im Jahre 1841 fanden die ersten Ansiedelungen in der Dobrudscha statt. Aus Landnot wanderten im Jahre 1841 aus den bessarabiendeutschen Kolonien deutsche Familien nach Mecin, um sich nach einem kurzen Verweilen im Folgejahr 1842, in dem von Türken bewohnten Dorf Akpunar, niederzulassen. Die Siedlungsgeschichte der Dobrudschadeutschen Volksgruppe währte nur 100 Jahre, über vier Generationen. Eine um diese Zeit entstandene deutsche Siedlung in der Muntenia besteht bis in unsere heutige Zeit und war über Jahrzehnte eine Durchgangsstation in der Dobrudscha. Diese Siedlung mit dem Namen „Jakobstal“ entwickelte sich bedeutungsvoll in der Geschichte der Deutschen. Jakobstal liegt sechs Kilometer nördlich von Braila.

Wie kam es zu diesem Landmangel der Deutschen in Russland?

Es war die Folge einer Verordnung des Erbrechts der russischen Regierung. Dieses Gesetz verbot, dass das ihnen einst zugeteilte Land in den Mutterkolonien, weder von den Bauern selbst noch von deren Erben, weder verkauft noch geteilt werden durfte. Denn durch dieses Erbrecht fiel das väterliche Erbe stets an den jüngsten Sohn. Bedingt durch die große Kinderschar in den deutschen Kolonien, gingen die älteren Söhne leer aus. Für die vom elterlichen Erbe ausgeschlossene Söhne war eine Landflucht die Folge, um eigenes Land zu erwerben oder zu pachten. Viele suchten deshalb ihr Glück außerhalb. Für einige führte der Weg über die Landesgrenze, in das bis 1878 unter osmanischer Herrschaft stehende Reich, der Dobrudscha, das heutige Rumänien.

Periodische Ansiedlung

Gründe in der Dobrudscha zu siedeln, war nicht nur der Landmangel, sondern auch der Verlust zugesagter Privilegien der russischen Regierung. In drei Perioden erfolgte die Einwanderung der Deutschen in die Dobrudscha. Allein aus Krasna/Bessarabien, ließen sich im Jahre 1876 mehr als 30 Familien in dem großen Tatarendorf Karamurat nieder. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts strömten deutsche Siedler aus Bessarabien, dem südrussischem Gouvernements Cherson, Jekaterinoslaw und Taurin ins Landesinnere. Einige Durchgangsstationen und Besiedlungen waren: Akpunar, Kataloi, Tulcea, Malcoci, Atmagea, Ciucurova, Kogealak, Tari Verde, Cerna-Voda, Cololia, Anadolchioi, Horosla, Kobadin, Sarighiol, und Mamuslia. Der geringe Bevölkerungsanteil der Deutschen mit nur 1,5 Prozent, in dem unter osmanischer Herrschaft (bis 1878) stehendem Gebiet, machte eine Gründung rein deutscher Dörfer größtenteils nicht möglich. Die Dorfgemeinschaften mit vielen unterschiedlichen Nationen, ermöglichte nur eine Integration in deutschen Ortsvierteln.

Ein buntes Miteinander

Neben Rumänen, Bulgaren, Türken, Tataren, Russen, Griechen, Tscherkessen, Juden…, war der Anteil der Deutschen nur eine kleine Splittergruppe. Durch unterschiedliche Religionen, Sitten, Gewohnheiten und Sprachen dieser Ethnien, war ein harmonisches dörfliches Gemeinschaftswesen nicht gegeben. In 67 von Deutschen bewohnten Orten konnte nur in 28 Gemeinden ein deutsches Gemeindeleben praktiziert werden. Davon erfolgte in nur 20 Gemeinden der Schulunterricht in deutscher Sprache.

Mit dem PKW durch Rumänien

Tägliche wechselnde Übernachtungen in den Privathäusern rumänischer Familien, hinterließen in meinem Inneren nachhaltige Eindrücke und Erlebnisse über „Land und Leute“. Wunderbare Begegnungen mit der dort lebenden Bevölkerung in verschiedenen Orten, waren für mich, Christa Hilpert-Kuch im Jahre 2004, sehr bewegend und bereichernd. Einige Fotos meiner Rumänienreise möchte ich in diesem Zusammenhang veröffentlichen.

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Bessarabien 1916

Bessarabien-1916. Tief berührt, mit roten Wangen und großen staunenden Augen lauschte ich im Alter von zwölf Jahren einer Erzählung meiner Familie in unserem Zuhause in Niedersachsen, die sich 1916 in Bessarabien an Weihnachten ereignet hatte.  Dieses Weihnachtswunder geschah in der Jahreswende 1916 / 1917, kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges in Bessarabien.

Einführung in die Geschehnisse

Seit der Aufhebung vom Militärdienst im Jahre 1874 mussten die deutschen Kolonisten für den russischen Zaren in den Krieg ziehen. Zahllose deutsche Männer und Söhne kämpften an der russischen Front.(S. Privilegien unter:) https://www.bessarabien.blog/privilegien/ Mit der Kriegserklärung Deutschlands an Russland, am 1. August 1914 wurden die Deutschen Ethnien in Russland über Nacht zum Staatsfeind und zu Kollaborateuren, Spionen und Verrätern erklärt. Unter diesem Deutschenhass und Neid litten neben den Soldaten ebenso die daheimgebliebenen Frauen, Kinder und die Betagten. Unerträglich wurde das Leben der deutschen Kolonisten in Russland.

Feinde des Zarenreiches

Mit dem Verbot der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit, einem Versammlungsverbot von mehr als zwei deutschen Männern innerhalb und außerhalb ihrer Wohnungen, Schließung ihrer deutschen Schulen ab 14. Juli 1914, Enteignung und Zwangsverkauf ihres Grundbesitzes durch das II. Liquidationsgesetz, Verbot ihrer Muttersprache in der Gottesdienstpredigt und einem Leseverbot deutscher Zeitungen und Bücher, wurden sie zu Staatsfeinden im Zarenreich. Wiedersetzungen wurden mit hohen Geldstrafen, durch stationierte russische Beamte geandet. Dieses alles waren jedoch nur Vorboten auf das Unbegreifliche was den Bessarabiendeutschen noch bevorstand.

Deportation nach Sibirien, im Januar 1917

Die Deportation der Bessarabiendeutschen nach Sibirien wurde für den Januar 1917 beschlossen und die Besitzurkunden unserer Vorfahren eingezogen. Für die Zwangsevakuierung und den Abtransport nach Sibirien wurden Gütereisenbahnwaggons in den Bahnhöfen der deutschen Kolonien bereitgestellt. Mit leeren Händen waren sie vor 100 Jahren in die wilde Steppe Bessarabiens gerufen worden und mit leeren Händen sollten sie ihre „so lieb gewordene Heimat“ wieder verlassen. In dieser Tragik lag ein grenzenloser Schmerz und ein schier unerträgliches Leid.

Bessarabien 1916: Ein allerletztes gemeinsames Weihnachtfest

Jesus Christus

Unfassbar, ein allerletztes Weihnachtsfest sollten sie noch in der Gemeinschaft ihrer bessarabiendeutschen Brüder und Schwestern feiern dürfen. In diesem Leid bereiteten sie sich auf das letzte Weihnachtsfest vor. Am „Heiligen Abend“ des 24. Dezember 1916, versammelten sich alle Kolonisten in ihren Kirchen und beteten ihren ganzen Schmerz himmelwärts. Tränen flossen in Strömen und ihre Gebete erhoben sich zu Gott. Es war das schmerzlichste und größte Weihnachtsfest in der Geschichte Bessarabiens. Fest im Glauben und mit leeren Händen standen sie vor dem Kreuz Jesus Christus. Hier brach sich ihr Schmerz seine Bahnen zum Höchsten. In seine Hände befohlen sie ihren Geist. In Hoffnung und tiefem Glauben an Gott und Jesus Christus feierten sie das letzte Weihnachtsevangelium in Bessarabien.

Gott erhörte ihre Gebete

Gott erhörte ihre Gebete, ließ ein Wunder geschehen und errettete seine Kinder vor der Verbannung nach Sibirien. Und so geschah es: Um Mitternacht des 24. auf den 25. Dezember 1916 in Bessarabien, begann es zu schneien. Es schneite stunden-, tage-, und wochenlang. Es wollte gar nicht aufhören! Ihre Häuser versanken in den Schneemassen. Alle Dörfer waren voneinander abgeschnitten und ein Durchkommen unmöglich. Dieses Wunder Gottes hielt bis Ende Februar 1917 an. Die Eisenbahnwaggons waren völlig eingeschneit und der Zeitraum für die Evakuierung überschritten.

Im Februar brach die VI. russische Armee zusammen. Die ausgehungerten und waffenlosen Krieger traten den Rückzug an. Sie fanden Unterschlupf in den leeren und zur Evakuierung bereitgestellten Güterwagen und wurden zudem in den deutschen Kolonien, in ihren warmen Stuben, mit Kleidung und Nahrung versorgt.

Durch die russische Revolution im März 1917 und das Abdanken Nikolaus II wurde das Zarenreich aufgelöst. Erst jetzt konnten die Deutschen in Bessarabien nach langen und bangen Monaten der Ungewissheit „wieder aufatmen“. Sie erhielten ihre Besitzurkunden zurück und durften bleiben. Dieses Gotteswunder geschah Weihnachten in Bessarabien 1916. Und Wunder geschehen täglich auf der ganzen Welt. Wir müssen nur daran glauben und sie sehen wollen.

Gesegnete Weihnachten

Ihre Christa Hilpert-Kuch

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Weinbau

Weinbau in Bessarabien: Die Kolonisten, einst als Landwirte in die Steppe gerufen, entdeckten schon im Folgejahr ihrer Ansiedlung den Weinbau als Nebenwirtschaftszweig. Denn wenn sie schon auf den gewohnten Biergenuss aus dem Großdeutschen Reich verzichten mussten, sollte möglichst schnell ein Alternativgetränk für sie selbst gefunden werden. https://www.bessarabien.blog/erinnerungskultur/Mit Eifer legten sie erfolgreich ihre eigenen Weinberge an und trieben unter großen Anstrengungen den Weinbau in Qualität und Quantität bestmöglich voran. In den Folgejahren entwickelte sich der Weinbau aus einer Nebenbeschäftigung zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig mit 5- bis 6000 Litern.

Weinberghirt vor seiner Behausung

Weinberghirt vor seiner Behausung

Schnell fand der Wein auch außerhalb der Bessarabiendeutschen Siedlungen zunehmend Liebhaber und Abnehmer. Ein Fässchen Wein für den Sommer und eines für den Winter sollte immer für den Bauern zur Verfügung stehen. Erst dann war er bereit den Überschuss auf den Märkten anzubieten. Mussten noch bei den ersten Weinernten die Trauben in einem durchlöcherten Zuber mit den Füßen ausgetreten werden, folgten und eroberten schon bald die von deutschen Handwerkern entwickelten Quetschmühlen den Markt. Alsbald folgte die Traubenmühle, die die Holzwalze mit ihren hervorstehenden Nägeln abgelöste.

Schabo, die Schweizer Winzerkolonie

Ein großes Anliegen der russischen Regierung bestand darin den Weinbau durch Fachleute deutlicher auszubauen und zu festigen. Um diesen als Hauptwirtschaftszweig auf einem jahrhundertealten Rebland erfolgreich betreiben zu können, berief sie im Jahre 1822 Schweizer Wein-Experten mit ihren Familien aus den Schweizer Kantonen, zur Gründung und Besiedlung der Kolonie Schabo, am Dnjestrliman. Weingärten in Bessarabien in der Größe von einem Hektar erbrachten durchschnittlich 8000 Liter Wein. Hingegen ernteten Winzer mit 40 Hektar Weinberg jährlich rund 300 000 Liter Traubenwein. Durch langes Liegen und Reifen in den Weinfässern konnte der Wein nur gewinnen stand den Kolonisten das ganze Jahr zur Verfügung. Auch in regenarmen Jahren gedieh die Traube und sicherte das Einkommen im Nebenerwerb der Bauern.

Weingärten fielen um die Jahre bis 1909 der Reblaus zum Opfer

Von dieser Plage ausgenommen waren nur die Weingärten auf sandigem Boden, wie in Schabo, Akkerman und sonstigen wenigen Orten. Aus dieser Katastrophe lernten viele Landwirte (nach dem Ersten Weltkrieg) und ersetzten ihre bisherigen Sorten durch eine veredelte Rebe auf amerikanischer Grundlage.

Diese Rebe war nun gegen den schädigten Befall der Reblaus gefeit, machte jedoch eine umfangreiche Anpassung im Weinberg unumgänglich. Neben einer kostspieligen Investition mussten arbeitsaufwändige und sorgfältigere Pflegemethoden eingehalten werden. Das Spritzen gegen Meltau, das Aufbinden der Reben an Pfählen oder Draht sowie das Abdecken der Reben zum Schutz vor dem Winter. Dieser intensive Zeitaufwand war ein Garant mit der Aussicht auf einen guten Ertrag. Trotz Einhaltung dieser ökonomischen Umwälzung richtete im Jahre 1929 ein eiskalter Winter großen Schaden in den Weinbergen an. Jene reale Auswirkung zeigte sich in einer wirtschaftlichen Verknappung des geliebten Rebensaftes und ließ die Preise in die Höhe schnellen.

Fast jeder besaß einen Weinberg

Die Weinlese war in wenigen Tagen abgewickelt. Vollbeladen am Abend, nach getaner Arbeit, fuhren die Traubenwagen in die Dörfer hinein. Fröhliches Lachen und Singen der Buben und Mädchen klang durch das ganze Dorf. Es wurde von einem freundlichen und herzlichen Begrüßen, einander Zuwinken und Zunicken begleitet. Auf dem Hof angekommen, wurden die sonnengereiften Trauben mit der Traubenmühle zermahlen und die Maische gepresst. Die ausgebrühten, mit Sodawasser gereinigten und ausgeschwefelten Fässer standen bereit um den Traubensaft aufzunehmen. Während des Gärvorganges musste mehrfach der geklärte Wein abgelassen und in ein gereinigtes Fass umgefüllt werden. In einem separaten Gefäß wurde die anfallende Hefe gesammelt. Alles freute sich darauf diesen allerbesten bessarabischen Süßwein zu kosten.

Weinzubereitung

Dieses Handwerk verstanden viele Kolonisten und führten es nach 1945 in Deutschland weiter fort. Ich, Christa Hilpert-Kuch erinnere, dass mein Großvater alljährlich zwei Ballonflaschen Fruchtwein ansetzte, sodass ein leichter Gärgeruch im Flur unseres Hauses in Niedersachsen, im Landkreis Verden/Aller, das Reifen seines Weines ankündigte.

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Erinnerungskultur

ALT ELFT UND NEU ELFT

Alt-Elft Oberdorf mit einer 40 Meter breiten HauptstraßeErinnerungskultur – Alt und Neu Elft. Als deutsche Auswanderer zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts nach Bessarabien am Schwarzen Meer zogen, erfolgten die ersten Ansiedlungen im südlichen Teil Russlands , dem sogenannten Budschak. Diese neuen Kolonien wurden bei Gründung ab dem Jahre 1814 nach Zahlen benannt. So wurde im Jahre 1816 auf der Gemarkung Nummer 11 im Kogälniktal, die „Kolonie Alt- mit Neu Elft“ gegründet.

Erinnerungskultur Bessarabien

Auf Befehl des Zaren erhielt die Kolonie Nummer 11 den Namen „Fere-Champenoise I/ Sadove“. Dieser Name erinnerte an die große Schlacht Napoleons gegen die Westarmeen Preußens, Russlands und Österreichs, die damals Napoleon nach Fere-Champenoise in Frankreich zurückdrängten. Die ersten 126 Ansiedlerfamilien stellten sich allerdings gegen den Wunsch des Zaren Alexander I und forderten erfolgreich den Namen Alt- und Neu Elft zurück.

BESTES LAND UNTER MANNSHOHEM STEPPENGRAS

Da ihre fruchtbaren Felder und Weideflächen in südöstlicher Richtung zu weit entfernt lagen, wurde die Gemeinde geteilt. So konnten beschwerliche und zeitraubende Wege umgangen werden. Die Teilung Alt Elfts wurde über die geraden und ungeraden Hausnummern entschieden. Bewohner mit geraden Hausnummern wie 2, 4, 6…, wurden daraufhin nach einem Beschluss einer Bürgerversammlung ausgewählt „Alt Elft“ wieder zu verlassen.

Erinnerungskultur Bessarabien

Die nur kurz zur Ruhe gekommenen Ankömmlinge mussten sich schweren Herzens aus der Gemeinschaft lösen. Voller Trauer verließen sie die Kolonie. Ein schmaler Weg über eine Anhöhe führte den kleinen Treck in das dahinterliegende Tal mit dem Steppenflüsschen „Alliaga“ – nach „Neu-Elft“. Ihr neues Siedlungsland lag nur einen Steinwurf und durch einen Hügel getrennt von Alt-Elft.

Bei der Urbarmachung ihres Siedlungslandes erfuhren die Siedler große Entbehrungen und Leid auf allen Ebenen ihres Lebens. Hohe Verluste durch Missernten folgten in den Jahren 1823, 1830, 1867, 1899 und 1904 und eine der stärksten Heuschreckenplage im Jahre 1875.

Erdhütten boten Schutz vor Kälte

Ihren ersten Erdhütten folgten bald menschenwürdige Behausungen aus Lehmbatzen, Schilf und Rohr. Diese bildeten den Übergang zu den später stattlichen und massiven Häusern aus Muschelkalk. Mit großem Eifer widmeten sich die Bewohner Alt- und Neu-Elfts ihrem Haupterwerb, der Landwirtschaft.

Schnell erkannten sie in dem fruchtbaren Boden unter der wilden Steppe und der sonnigen und besonderen Hanglage ihre Chance für den Weinbau und Obstanbau. Bis 1848 legten die Bewohner beträchtliche Weingärten mit 155 000 Weinstöcken an und ebenso rasch erfolgte der Aufbau großer Obstplantagen mit Apfel, Pflaumen, Aprikosen, Nuss, Birnen, Kirsch, Pfirsich und Maulbeerbäumen. Mit ihren wohl best gepflegten Obstgärten und einer so geschlossenen Dorfgemeinschaft, gelang es ihnen herausragende Weine aus besten Trauben bis in das innere Russlands zu führen und zu einer wichtigen Einnahmequelle zu machen.

Mit tüchtigen Handwerkern insbesondere für die Landwirtschaft, einer Dampfmühle, zwei Windmühlen, einer Ölmühle, einer Genossenschafts- und Privatmolkerei, u.a. Leitermacher (Wagenleitern), Schuster, Metzger, Steinmetzen, Schneider, sowie einer Holzhandlung trugen sie im wirtschaftlichen sowie industriellen Zweig zu einer guten Infrastruktur bei. Gleichfalls entwickelte sich in den beiden Gemeinden neben einem Bläser- und Kirchenchor, ein Frauen- und Bildungsverein und zwei Sportplätze.

Eine mächtige Kirche mit 800 Sitzplätzen war die Zierde ihres Dorfes

Erinnerungskultur: Alt-und Neu-Elft war eine sehr lebendige Kirchengemeinde. In den Jahren 1894 bis 1896 erfolgte ein neuer großer Kirchenbau, mit einer Einweihungsfeier am 6. Oktober 1896. An den Sonntagnachmittagen wurden in sechs Versammlungen Gebetsstunden abgehalten. Auch rege Jugendgemeinschaften nahmen an den Stunden- und Gottesdiensten teil. Dieser Gemeinschaftssinn führte zur Erweckung zahlreicher Gemeindeglieder. Darunter viele Jugendliche. Gleich nahe der Kirche, auf der gegenüberliegenden 40 m breiten Straßenseite, befand sich das neue Rathaus und das neue Schulhaus für 300 Schüler mit den Lehrerwohnungen.

Neu-Elft entwickelte sich zu einer Vorzeigegemeinde von besonderem Niveau und war später „Alt-Elft“ in jeglicher Hinsicht weit überlegen. Gegenüber allen anderen Siedlungsgemeinden bildete sich hier eine herausragende Besonderheit ihrer ureigenen Mundart aus schwäbisch, hochdeutsch und plattdeutsch. Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahre 1874 und besonders auch um und nach der Jahrhundertwende, setzten Auswanderungswellen nach Übersee ein.

Beinahe unverändert: Die Schule Alt-Elft im Jahre 2015 bei meinem Besuch (oben) und siehe unteres Bild – vor der Umsiedlung

 
Im Jahre 2015 führte mich, Christa Hilpert-Kuch,  mein Weg quer durch Bessarabien und auch zu diesen beiden Gemeinden, Alt- und Neu Elt. Im Dorfmittelpunkt finde ich den hohen Kirchturm der ehemaligen Kirche abgetragen und im Korpus das heutige Kulturhaus in seiner Verwendung. Im Inneren probte gerade ein Kinderchor für eine Theateraufführung. Bei meinem Besuch im Jahre 2015, war beinahe jedes Haus noch so gut erhalten, wie es einmal von den Deutschen Bewohnern aus Muschelkalkstein errichtet wurde.

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Tarutino

Ankunft in Tarutino

Historische Ereignisse, erfordern besonderen Einsatz. Seinerzeit auf Recherche als Redakteurin für das Mitteilungsblatt des Bessarabiendeutschen Vereins e. V. führte mich, Christa Hilpert-Kuch, mein Weg im August des Jahres 2014 zur 200-Jahrfeier nach Tarutino, Bessarabien. Mit dem Flugzeug reiste ich von Hannover nach Chisinau und weiter mit dem Bus von Moldawien über die ukrainische Grenze nach Tarutino.

In der Ukraine im Jahre 2014, betrat ich ein Land im Kriegszustand! Kriegerische Auseinandersetzungen waren schon dem Jahre 2014 vorausgegangen und wechselten von den Rebellionen auf dem Maidan in Kiew zu den anhaltenden Kämpfen an der Ostgrenze mit Russland. Dunkle Schatten dieser Kriegsereignisse wirkten in die Feierlichkeiten „200 Jahre Tarutino“ hinein. Dennoch war an diesem Festakt “Tarutino 200 Jahre”, die heutige Bevölkerung mit einem großen Interesse und einer bewundernswerten Gastfreundschaft engagiert und beteiligt. Historische Quellen berichten, dass im Budschak zehn umherziehende moldauische Hirten mit ihren Herden lebten. Diese hatten das Steppenland von der russischen Krone gepachtet und mussten es danach wieder zurückgegeben. In diesem Gebiet wurde im Jahre 1814 von der russischen Kolonialbehörde neben Tarutino auch Borodino und Krasna als erste deutsche Gemeinde gegründet. Die deutschen Kolonisten kamen in eine nahezu menschenleere Steppenlandschaft. Wie in allen Teilen Bessarabiens spielte auch hier die Landwirtschaft und das Handwerk dabei eine wichtige Rolle.  Zunehmend übernahm Tarutino eine immer mehr zentrale Funktion für die Bessarabiendeutschen.

Tarutino wurde das Zentrum der evangelisch deutschen Christen in Bessarabien.

Hier wurde das erste evangelische Kirchspiel gegründet, welches sich später zum Sitz des Oberpastors mit Konsistorium und der Synode der evangelisch-lutherischen Kirche in Bessarabien entwickelte. Diesem folgte die Entstehung des Bildungswesens. Auch zwei der drei höheren Schulen, die zum Abitur führten und damit einen direkten Zugang zur akademischen Bildung ermöglichten, waren in Tarutino. Ebenfalls wirtschaftlich entwickelte sich die Kolonie vielfältig. Erwähnenswert der große Pferdemarkt, der schon im Jahre 1912 über 12.000 Besucher anlockte und die bedeutende Textilindustrie mit der 1888 gegründeten Tuchfabrik Rudolf Bannasch sowie die Gründung der ersten „Deutschen Zeitung Bessarabiens“. Mit der Gründung des Deutschen Volksrates in Bessarabien im Jahre 1920, wurde Tarutino auch das politische Zentrum. Zahlreiche weitere Industriebetriebe, Brauerei, Färberei, Spinnerei, Gießerei, Dampfmühle, Ziegelei, Druckerei sowie Molkereien und Läden für Schuhe, Glas, Kurzwaren, Leder, Banken und Buchhandel im Einzelhandel, siedelten sich gefolgt von einem kulturellen Leben mit Sport- und Bildungsvereinen an. Durch die Umsiedlung der Deutschen aus Bessarabien, im Rahmen des Hitler-Stalin- Paktes, wurde der weiteren Entwicklung Bessarabiens durch deutsche Bewohner ein politisches Ende gesetzt.

Tarutino zur 200-Jahrfeier

Noch vor Beginn des offiziellen Festaktes wurde durch Pastor i. R. Arnulf Baumann mit einem Freiluftgottesdienst an die Besiedlung Bessarabiens und Gründung Tarutinos vor 200 Jahren wie einst in der Steppe, erinnert. Er gedachte der Einwanderer und Gründer der ersten bessarabischen Gemeinden Tarutino, Borodino und Krasna und wie es ihnen nur durch die Kraft ihres Glaubens gelang, die Steppe urbar zumachen und die Gründung von weiteren 22 bessarabiendeutschen Muttergemeinden und über 120 Tochtergemeinden zu vollziehen. Die ankommenden Kolonisten erlebten: Bessarabien ist auch – Gottes Erde“ und Gott ist auch in der Steppe für sie erreichbar. Gott ist überall! Mit diesem Wissen wurde ihnen der Himmel und die Steppe Bessarabiens „zur neuen Heimat“. Und ein weiteres Mal erfuhren sie Gott als Helfer und Beistand in der schwierigen Zeit ihrer Umsiedlung im Jahre 1940 und der schrecklichen Flucht 1945.

Heimatlied der Bessarabiendeutschen

   Festakt 200 Jahre Tarutino

Mit einer Schweigegedenkminute an die Gefallenen im Osten der Ukraine, eröffnete der Bürgermeister der Stadt Tarutino (Iwan Kurutsch 2014) im großen Kulturhaus mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Bevölkerung eine beeindruckende Jubiläumsveranstaltung. Mit Ansprachen, Ehrungen Tanz- und Musikbeiträgen, feierte ein sehr großer Teil der heutigen Bevölkerung gemeinsam mit denen aus Deutschland angereisten Gästen die Gründung „Tarutinos vor 200 Jahren“. Dabei wurde nichts vergessen, alles wurde bedacht und entsprechend gewürdigt. Heute leben in Tarutino in den ehemaligen deutschen Häusern überwiegend Familien bulgarischer, russischer und ukrainischer Herkunft. Ihr Interesse an der Vergangenheit deutscher Geschichte ist groß.

Hoch oben am Hang schaut der deutsche Friedhof direkt auf Tarutino hinunter. Hier ruhen unsere Ahnen. Bei einem Besuch bin ich hocherfreut über die vielen Grabsteine mit Inschriften ehemaliger deutscher Kolonisten.

Friedhof der Ahnen

Ich lernte Tarutino als eine offene, bunte und lebendige Stadt mit vielen freundlichen Menschen kennen. Bei einem Gang durch den Ort am Tage vor dem Jubiläum, hatte ich sehr viele wunderbare Begegnungen mit der Bevölkerung. Einen großen Teil dieser liebenswerten Menschen traf ich am Jubiläumstag, zur unserer gemeinsamen Freude wieder. Für mich klang ein gemeinsamer Tag mit der heutigen dort lebenden Bevölkerung erst am späten Abend fröhlich aus.

KolonistenhausHeutige Bevölkerung in Tarutino

Ehemaliges Kolonistenhaus mit original Hofmauer

Wenn ich mich zu fortgeschrittener Stunde aufmachte meine Schlafstätte außerhalb des Hotels aufzusuchen, führte mich stets mein Weg unter Millionen von strahlenden Sternen, Sterne zum Greifen nah, durch den Ort Tarutino. Noch heute habe ich dieses nächtliche Himmelszelt Bessarabiens vor meinem inneren Auge. Unauslöschlich, im Gedenken an meine Ahnen, wirkt es in mir nach.

Der Himmel über Bessarabien

Der Himmel Bessarabiens, während des Tages

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Erinnerungskultur Bessarabien

Erinnerungskultur-Bessarabien, am 18. August 2019, in Verden/Aller

siehe I. Bericht unter: http://tanja-und-romeo-luchian-auf-dem-bessarabien-tag-in-verden-aller

Blick in den Saal

 

Erinnerungskultur-Bessarabien: Nach der Begrüßung von mehr als 160 Gästen und einem Vortrag der Initiatorin Christa Hilpert-Kuch über die Erinnerungskultur-Bessarabiens, überbrachte die stellvertretende Landrätin Karin Labinsky-Meyer Grüße des Landkreises Verden/Aller.

Sie dankte den Bessarabiendeutschen für ihre Aufbauleistung nach 1945 und betonte wie wichtig es sei, dass nichts vergessen werde. „Denn ohne Wurzeln hat man keine Heimat und findet auch keine“, so die stellvertretende Landrätin.

Die ehemaligen Pädagogen Hans-Jürgen Lange und Harm Schmidt stellten die Wanderausstellung des Doz20Verden, über „Flucht – Vertreibung und Eingliederung“ aus dem Landkreis Verden vor. Sie merkten an, dass diese Dokumentation, über zwölf Tafeln, eine zeitgeschichtliche Arbeit gegen das Vergessen sei – aber nicht nur den Auftrag zur Dokumentation habe, sondern auch an die junge Bevölkerung herangetragen wurde. Das eigene Forschen der Schüler, bewirkte somit eine Initialzündung. In diesem Sinne sei diese Ausstellung bereits durch verschiedene Schulen im Landkreis Verden gewandert. Sie bemerkten: „Flucht und Vertreibung haben nicht 1945 geendet, sondern durch das Suchen nach Ressourcen, Nahrungsmittel, Wasser oder Wohnraum wird uns Vertreibung und das Flüchten noch über Generationen begleiten“.Blick auf die Ausstellung

Eine Filmdokumentation  „Die Geschichte der Bessarabiendeutschen“, von Prof. Dr. Erwin Ziebart, hinterließ am Ende des Films, bei den Gästen der Veranstaltung, betretenes Schweigen. Diesem folgte sogleich Staunen und Bedauern über diese erfolgreiche Siedlungsgeschichte der Bessarabiendeutschen, die nach 125 Jahren, auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung, ein jähes Ende nahm. Eine lange Kaffeepause ließ nun genügend Zeit für Gespräche an der Ausstellung „Flucht – Vertreibung und Eingliederung,  einem Besuch des Geschenkebasars mit ausgewählten Präsenten, dem Kauf moldawischer Weine, am Büchertisch und-  Zeit – zum Schwätza am gedeckten Kaffeetisch bei Kuchen und köstlichem Kaffee.

„Erinnerungskultur-Bessarabien“

Bewegende Zeitzeugenberichte über Flucht aus dem Osten und das Ankommen in Niedersachsen wurden von Hilde Leder, Robert Weiß und Arnold Ruff vorgetragen. Mit musikalischen Zwischenspielen und Begleitungen von Tanja und Romeo Luchian, endete ein besonderer Tag –  „Erinnerung an Bessarabien“.

Ich bedanke mich bei allen Mitwirkenden unseres besonderen Bessarabien-Tages für das gute Gelingen und bei allen Gästen für ihr Kommen.

Ihre Christa Hilpert-Kuch

Begrüßungsrede der Herren vom Doz20 Verden, Lange und SchmidtFluchtwegeZeitzeuge Robert WeißZeitzeuge Arnold Ruff

BU von o. : Blick in den Saal, Karin Labinsky-Meyer,

Hans-Jürgen Lange und Harm Schmidt, Hilde Leder, Robert Weiß, Arnold Ruff, Geschenkebasar, Weinverkauf

 

Tanja und Romeo Luchian auf dem Bessarabien-Tag in Verden/Aller

Unter großer Beteiligung von mehr 160 Gästen gedachten Freunde und Interessierte am Bessarabien-Tag in Verden/Aller, am 18. August 2019, im Hotel und Niedersachsenhof, in Verden/Aller, der “Alten Heimat Bessarabien”.  tanja-und-romeo-luchian-auf-dem-bessarabien-tag-in-verden-aller mit musikalischen Klängen Bessarabien.

https://youtu.be/o54Fc9ev2zo     https://youtu.be/vEpXSOw3cSI

https://youtu.be/IloHEdXL2w0          https://youtu.be/IYgDllq8Xrc

Duo Luchian

tanja-und-romeo-luchian-auf-dem-bessarabien-tag-in-verden-aller

Christa-Hilpert-Kuch, freute sich über das

große Interesse und begrüßte die

Anwesenden zu dem von Ihr gewählten Thema:

“Umsiedlung – Flucht – Heimatfindung – Integration”.

https://www.bessarabien.blog/bessarabien-tag-in-verden-aller/

Aus diesem Anlass hatte die Organisatorin auch die Wanderausstellung des Dokumentationszentrums Verden (Doz 20), mit ihren elf Dokumentationstafeln, über „Flucht – Vertreibung und Eingliederung“  im Landkreis Verden/Aller eingeladen und somit eine Brücke zu ihrem Veranstaltungsthema gebaut. tanja-und-romeo-luchian-auf-dem-bessarabien-tag-in-verden-aller/

Aus Bessarabien begrüßte sie die Musikprofessoren, bekannt aus Funk und Fernsehen, Tanja und Romeo Luchian.

Den Focus lenkte Hilpert-Kuch in ihrer Ansprache auf das Beleben und Erneuern bessarabischer Kulturgeschichte und merkte an: “Was uns heute hier alle vereint, ist die Liebe und das Interesse an Bessarabien und was die Veranstaltung  für einen jeden der Anwesenden bereit hält. Da seien die Wünsche und Vorstellungen der Besucher garantiert vielfältig und von unterschiedlichen Beweggründen und Absichten geprägt. Sie wünsche sich, dass am Ende für einen Jeden etwas Erfüllendes dabei war, was in ihm weiterleben kann.

Durch ihre fünf Reisen in das Land ihrer Ahnen wuchs ihre Liebe und das Interesse für Bessarabien.

Erinnerungskultur erneuern und beleben

Daraus resultieren im Landkreis Verden/Aller ihre bessarabischen Stammtische, die alljährlich im März stattfindenden Kochkurse „Bessarabischer Spezialitäten“ über die Kreisvolkshochschule Verden – und ihre bessarabischen Kulturveranstaltungen.

Mit dem Thema „Umsiedlung – Flucht- Intergration und Heimatfindung“ in gemeinschaftlicher Symniose mit der Wanderausstellung des Dokumentationszentrum Verden über „Flucht – Vertreibung und Eingliederung“ würde sie an die Jahre 2015/2016 erinnert. Damals suchten hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak in Europa Schutz. Und es erinnert an das Ende des Zweiten Weltkrieges mit all seinen Vertriebenen nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ – wo an der Ostfront eine Vielzahl in den von der SS im Jahre 1939 eroberten Gebieten Westpreußens und Posens (auch Warthegau genannt) die Bessarabiendeutschen eingebürgert wurden. Ihre Ansiedlung auf polnischen Höfen erfolgte für einige erst nach zweieinhalb Jahren Lagerleben. Im Januar 1945 das Ende der Ansiedlung und die Flucht vor den nahenden sowjetischen Truppen. Mit großen Trecks, Pferd und Wagen begaben sie sich auf einen gefährlichen Weg Richtung Westen, bei minus 20 Grad.

Aus den Erzählungen ihrer Mutter wüsste sie, dass diese als Jugendliche mit ihrer Familie vor der herandonnernden russischen Artillerie in Richtung Westen flüchten musste. Mit Pferd und Wagen begaben sie sich am 22. Januar 1945 von Abrau Kreis Tuchel in Richtung Westen auf einen gefahrvollen Weg. Erst am 3. März 1945 erreichten sie die Ortschaft Scharnhorst, im Landkreis Verden/Aller.

Viele hätten Glück gehabt und den Weg geschafft – aber eine große Anzahl sei unterwegs auf schrecklichste Art und Weise zu Tode gekommen. Ganze Familien seien mit Pferd und Wagen im Eis eingebrochen und untergegangen.“Niemand konnte stehen bleiben um nicht von den russischen Panzern überrollt zu werden.Alte und Kranke mussten sterbend in den Lagern zurückgelassen werden oder sie starben während des Tages unterwegs.

Mehr als 90 000 Bessarabiendeutsche kamen mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am 8. Mai 1945, zerstreut in Deutschland an. Von den Einheimischen seien sie gerade so geduldet worden – aber auch nur, weil man sich gegen die behördliche Einquartierung der Fremden nicht wehren konnte. Insgesamt seien zwei Millionen Menschen bei der Flucht umgekommen.

Christa Hilpert-KuchWir wollen und sollen Bessarabien nicht vergessen!

Unsere Ahnen liegen weit von uns begraben und dort haben auch wir unsere Wurzeln“,                    so Hilpert-Kuch.

 

 

Auf dem Bessarabientag in Verden Aller: Musik aus Bessarabien mit den Musikprofessoren: tanja-und-romeo-luchian-auf-dem-bessarabien-tag-in-verden-aller

Dokumentationszentrum-doz20-Verden

Dokumentationszentrum-doz20-Verden präsentiert seine Ausstellung auf dem Bessarabien-Tag in Haags Hotel Niedersachsenhof, in Verden/Aller

Herzliche Einladung zum „Bessarabien-Tag“ am Sonntag, 18. August 2019, von 13 bis 17.30 Uhr in Haags Hotel Restaurant Niedersachsenhof , Lindhooperstr. 97, 27283 Verden

Christa Hilpert-Kuch

Zu einer bessarabischen Veranstaltung unter dem Thema: Umsiedlung – Flucht – Integration und Heimatfindung der Bessarabiendeutschen, in Verbindung mit dem Dokumentationszentrum Verden und ihrer Wanderausstellung „Flucht – Vertreibung – Eingliederung“, heißt die Initiatorin Christa Hilpert -Kuch alle Freunde und Interessierte über Bessarabien, am Sonntag, dem 18. August 2019, herzlich willkommen.

Nach den Grußworten von Landrat Peter Bohlmann und den Herren des doz20 Verden, Harm Schmidt und Hans Jürgen Lange plant die Initiatorin eine Filmdokumentation über „Die Geschichte der Bessarabiendeutschen“ von der Ansiedlung bis zur Integration in Deutschland mit Schilderungen von Zeitzeugen.

Zum Schwätza bei Kaffee und Kuchen ist ausreichend Zeit eingeplant, so dass die Präsentationen des Dokumentationszentrums und die Verkaufsstände für Moldawische Weine und handgearbeiteten Geschenkartikel am Basar ausgiebig in Augenschein genommen werden können.

Mit musikalischen Heimatklängen aus Bessarabien verwöhnen die Musikprofessoren Tanja und Romeo Luchian aus Moldawien wiederholt die Freunde Bessarabiens. „Sie erleben (ohne Anmeldung) ein musikalisches Feuerwerk auf hohem Niveau , dass Sie auf keinen Fall versäumen sollten“, betont die Initiatorin Hilpert-Kuch aus Etelsen.

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Bessarabien-Tag-in-Verden-Aller

Kurzmitteilung

Ein herzliches Willkommen an alle Freunde Bessarabiens

zum: Bessarabien-Tag-in-Verden-Aller, am 18.08.2019, mit dem Thema: Umsiedlung – Flucht – Integration – Heimatfindung. In Zusammenarbeit mit der Wanderausstellung des Dokumentationszentrums Verden über: “Flucht – Vertreibung – Eingliederung“

https://www.bessarabien.blog/flucht-vertreibung-eingliederung-veranstaltung-verden/ in Haags Hotel Restaurant Niedersachsenhof, Lindhooperstr. 97, 27283 Verden Bessarabien-Tag-in-Verden-Aller,  ohne Anmeldung, von 13.00 – 17.30 Uhr
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Begrüßung und Einleitung durch die Initiatorin: Christa Hilpert-Kuch. Grußworte: Landrat Peter Bohlmann und die Herren Harm Schmidt und Hans-Jürgen Lange vom doz20, Verden. Im Anschluß folgt eine Filmvorführung über 60 Minuten, mit dem Titel: „Die Geschichte der Bessarabiendeutschen”.

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Pause zum:  Schwätza bei Kaffee und Kuchen, der Wanderausstellung „Flucht/  Vertreibung/ Eingliederung “,  Verkaufsstände mit Weinen aus Moldawien, handgearbeiteten Geschenkartikeln, Kochbuchverkauf für „Bessarabische Spezialitäten”. Nach der Kaffeepause berichten zum Bessarabien-Tag-in-Verden-Aller mehrere  Zeitzeugen über ihre Integration in Deutschland und im Landkreis Verden/Aller.

Bessarabien-tag-in-verden-aller

Familien-Ensemble „Luchian“ Musikprofessoren aus Bessarabien

Den musikalischer Rahmen der Veranstaltung bilden die bekannten Musikprofessoren Tanja und Romeo Luchian aus Moldawien. Sie begleiten uns mit wohltuenden Heimatklängen aus Bessarabien. Ein musikalisches Feuerwerk, dass Sie nicht versäumen dürfen, am: bessarabien-tag-in-verden-aller ! Voraussichtliches Ende ca. 17.30 Uhr

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