Bessarabien 1916

Bessarabien 1916. Tief berührt, mit roten Wangen und großen staunenden Augen lauschte ich im Alter von zwölf Jahren einer Erzählung meiner Familie in unserem Zuhause in Niedersachsen, die sich 1916 in Bessarabien an Weihnachten ereignet hatte.  Dieses Weihnachtswunder geschah in der Jahreswende 1916 / 1917, kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges in Bessarabien.

Einführung in die Geschehnisse

Seit der Aufhebung vom Militärdienst im Jahre 1874 mussten die deutschen Kolonisten für den russischen Zaren in den Krieg ziehen. Zahllose deutsche Männer und Söhne kämpften an der russischen Front.(S. Privilegien unter:) http://www.bessarabien.blog/privilegien/ Mit der Kriegserklärung Deutschlands an Russland, am 1. August 1914 wurden die Deutschen Ethnien in Russland über Nacht zum Staatsfeind und zu Kollaborateuren, Spionen und Verrätern erklärt. Unter diesem Deutschenhass und Neid litten neben den Soldaten ebenso die daheimgebliebenen Frauen, Kinder und die Betagten. Unerträglich wurde das Leben der deutschen Kolonisten in Russland.

Feinde des Zarenreiches

Mit dem Verbot der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit, einem Versammlungsverbot von mehr als zwei deutschen Männern innerhalb und außerhalb ihrer Wohnungen, Schließung ihrer deutschen Schulen ab 14. Juli 1914, Enteignung und Zwangsverkauf ihres Grundbesitzes durch das II. Liquidationsgesetz, Verbot ihrer Muttersprache in der Gottesdienstpredigt und einem Leseverbot deutscher Zeitungen und Bücher, wurden sie zu Staatsfeinden im Zarenreich. Wiedersetzungen wurden mit hohen Geldstrafen, durch stationierte russische Beamte geandet. Dieses alles waren jedoch nur Vorboten auf das Unbegreifliche was der deutschen Bevölkerung Bessarabiens noch bevorstand.

Deportation nach Sibirien, im Januar 1917

Die Deportation der Bessarabiendeutschen nach Sibirien wurde für den Januar 1917 beschlossen und die Besitzurkunden unserer Vorfahren eingezogen. Für die Zwangsevakuierung und den Abtransport nach Sibirien wurden Gütereisenbahnwaggons in den Bahnhöfen der deutschen Kolonien bereitgestellt. Mit leeren Händen waren sie vor 100 Jahren in die wilde Steppe Bessarabiens gerufen worden und mit leeren Händen sollten sie ihre „so lieb gewordene Heimat“ wieder verlassen. In dieser Tragik lag ein grenzenloser Schmerz und ein schier unerträgliches Leid.

Ein allerletztes gemeinsames Weihnachtfest

Jesus Christus

Unfassbar, ein allerletztes Weihnachtsfest sollten sie noch in der Gemeinschaft ihrer bessarabiendeutschen Brüder und Schwestern feiern dürfen. In diesem Leid bereiteten sie sich auf das letzte Weihnachtsfest vor. Am „Heiligen Abend“ des 24. Dezember 1916, versammelten sich alle Kolonisten in ihren Kirchen und beteten ihren ganzen Schmerz himmelwärts. Tränen flossen in Strömen und ihre Gebete erhoben sich zu Gott. Es war das schmerzlichste und größte Weihnachtsfest in der Geschichte Bessarabiens. Fest im Glauben und mit leeren Händen standen sie vor dem Kreuz Jesus Christus. Hier brach sich ihr Schmerz seine Bahnen zum Höchsten. In seine Hände befohlen sie ihren Geist. In Hoffnung und tiefem Glauben an Gott und Jesus Christus feierten sie das letzte Weihnachtsevangelium in Bessarabien.

Gott erhörte ihre Gebete

Gott erhörte ihre Gebete, ließ ein Wunder geschehen und errettete seine Kinder vor der Verbannung nach Sibirien. Und so geschah es: Um Mitternacht des 24. auf den 25. Dezember 1916 in Bessarabien, begann es zu schneien. Es schneite stunden-, tage-, und wochenlang. Es wollte gar nicht aufhören! Ihre Häuser versanken in den Schneemassen. Alle Dörfer waren voneinander abgeschnitten und ein Durchkommen unmöglich. Dieses Wunder Gottes hielt bis Ende Februar 1917 an. Die Eisenbahnwaggons waren völlig eingeschneit und der Zeitraum für die Evakuierung überschritten.

Im Februar brach die VI. russische Armee zusammen. Die ausgehungerten und waffenlosen Krieger traten den Rückzug an. Sie fanden Unterschlupf in den leeren und zur Evakuierung bereitgestellten Güterwagen und wurden zudem in den deutschen Kolonien, in ihren warmen Stuben, mit Kleidung und Nahrung versorgt.

Durch die russische Revolution im März 1917 und das Abdanken Nikolaus II wurde das Zarenreich aufgelöst. Erst jetzt konnten die Deutschen in Bessarabien nach langen und bangen Monaten der Ungewissheit „wieder aufatmen“. Sie erhielten ihre Besitzurkunden zurück und durften bleiben. Dieses Gotteswunder geschah Weihnachten 1916 in Bessarabien. Und Wunder geschehen täglich auf der ganzen Welt. Wir müssen nur daran glauben und sie sehen wollen.

Gesegnete Weihnachten

Ihre Christa Hilpert-Kuch

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Weinbau

Weinbau in Bessarabien: Die Kolonisten, einst als Landwirte in die Steppe gerufen, entdeckten schon im Folgejahr ihrer Ansiedlung den Weinbau als Nebenwirtschaftszweig. Denn wenn sie schon auf den gewohnten Biergenuss aus dem Großdeutschen Reich verzichten mussten, sollte möglichst schnell ein Alternativgetränk für sie selbst gefunden werden. http://www.bessarabien.blog/erinnerungskultur/Mit Eifer legten sie erfolgreich ihre eigenen Weinberge an und trieben unter großen Anstrengungen den Weinbau in Qualität und Quantität bestmöglich voran. In den Folgejahren entwickelte sich der Weinbau aus einer Nebenbeschäftigung zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig mit 5- bis 6000 Litern.

Weinberghirt vor seiner Behausung

Weinberghirt vor seiner Behausung

Schnell fand der Wein auch außerhalb der deutschen Siedlungen zunehmend Liebhaber und Abnehmer. Ein Fässchen Wein für den Sommer und eines für den Winter sollte immer für den Bauern zur Verfügung stehen. Erst dann war er bereit den Überschuss auf den Märkten anzubieten. Mussten noch bei den ersten Weinernten die Trauben in einem durchlöcherten Zuber mit den Füßen ausgetreten werden, folgten und eroberten schon bald die von deutschen Handwerkern entwickelten Quetschmühlen den Markt. Alsbald folgte die Traubenmühle, die die Holzwalze mit ihren hervorstehenden Nägeln abgelöste.

Schabo, die Schweizer Winzerkolonie

Ein großes Anliegen der russischen Regierung bestand darin den Weinbau durch Fachleute deutlicher auszubauen und zu festigen. Um diesen als Hauptwirtschaftszweig auf einem jahrhundertealten Rebland erfolgreich betreiben zu können, berief sie im Jahre 1822 Schweizer Wein-Experten mit ihren Familien aus den Schweizer Kantonen, zur Gründung und Besiedlung der Kolonie Schabo, am Dnjestrliman. Weingärten in Bessarabien in der Größe von einem Hektar erbrachten durchschnittlich 8000 Liter Wein. Hingegen ernteten Winzer mit 40 Hektar Weinberg jährlich rund 300 000 Liter Traubenwein. Durch langes Liegen und Reifen in den Weinfässern konnte der Wein nur gewinnen stand den Kolonisten das ganze Jahr zur Verfügung. Auch in regenarmen Jahren gedieh die Traube und sicherte das Einkommen im Nebenerwerb der Bauern.

Weingärten fielen um die Jahre bis 1909 der Reblaus zum Opfer

Von dieser Plage ausgenommen waren nur die Weingärten auf sandigem Boden, wie in Schabo, Akkerman und sonstigen wenigen Orten. Aus dieser Katastrophe lernten viele Landwirte (nach dem Ersten Weltkrieg) und ersetzten ihre bisherigen Sorten durch eine veredelte Rebe auf amerikanischer Grundlage.

Diese Rebe war nun gegen den schädigten Befall der Reblaus gefeit, machte jedoch eine umfangreiche Anpassung im Weinberg unumgänglich. Neben einer kostspieligen Investition mussten arbeitsaufwändige und sorgfältigere Pflegemethoden eingehalten werden. Das Spritzen gegen Meltau, das Aufbinden der Reben an Pfählen oder Draht sowie das Abdecken der Reben zum Schutz vor dem Winter. Dieser intensive Zeitaufwand war ein Garant mit der Aussicht auf einen guten Ertrag. Trotz Einhaltung dieser ökonomischen Umwälzung richtete im Jahre 1929 ein eiskalter Winter großen Schaden in den Weinbergen an. Jene reale Auswirkung zeigte sich in einer wirtschaftlichen Verknappung des geliebten Rebensaftes und ließ die Preise in die Höhe schnellen.

Fast jeder besaß einen Weinberg

Die Weinlese war in wenigen Tagen abgewickelt. Vollbeladen am Abend, nach getaner Arbeit, fuhren die Traubenwagen in die Dörfer hinein. Fröhliches Lachen und Singen der Buben und Mädchen klang durch das ganze Dorf. Es wurde von einem freundlichen und herzlichen Begrüßen, einander Zuwinken und Zunicken begleitet. Auf dem Hof angekommen, wurden die sonnengereiften Trauben mit der Traubenmühle zermahlen und die Maische gepresst. Die ausgebrühten, mit Sodawasser gereinigten und ausgeschwefelten Fässer standen bereit um den Traubensaft aufzunehmen. Während des Gärvorganges musste mehrfach der geklärte Wein abgelassen und in ein gereinigtes Fass umgefüllt werden. In einem separaten Gefäß wurde die anfallende Hefe gesammelt. Alles freute sich darauf diesen allerbesten bessarabischen Süßwein zu kosten.

Weinzubereitung

Dieses Handwerk verstanden viele Kolonisten und führten es nach 1945 in Deutschland weiter fort. Ich, Christa Hilpert-Kuch erinnere, dass mein Großvater alljährlich zwei Ballonflaschen Fruchtwein ansetzte, sodass ein leichter Gärgeruch im Flur unseres Hauses in Niedersachsen, im Landkreis Verden/Aller, das Reifen seines Weines ankündigte.

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Industrie

Industrie und Technik in Bessarabien

Von der Scholle zur Industrialisierung: Durch den wirtschaftlichen Aufschwung und die industrielle Entwicklung in den Kolonien, fand im Jahre 1925 in Kischineff (Chisinau), der Hauptstadt Bessarabiens, eine bedeutende landwirtschaftliche Industrie-Ausstellung statt. Ein ungeahnter Erfolg von über 300 000 Besuchern war die Folge. Diese Anerkennung trug zu einer beachtlichen Belebung einer ökonomischen Bindungen mit anderen Landesteilen Rumäniens bei und diente dem Ziele der Allgemeinheit die Reichtümer Bessarabiens, nach der Vereinigung mit Rumänien aufzuzeigen. Im Gebiet des Budschaks war der größte Reichtum sein humusreicher und fruchtbarer Boden. Trotz einiger Dürreperioden und Insektenplagen entwickelte sich eine im Laufe der Jahrzehnte auf Überproduktion orientierte und intensiv betriebene Landwirtschaft. Diese legte den Grundstein für die Entwicklung einer nicht unbedeutenden handwerklichen Industrialisierung durch technischen Fortschritt in den bessarabiendeutschen Kolonien. Mit einem Freihafen, dem „Tor zur Welt“, erbot sich vor dem Ersten Weltkrieg die russische Handels- Industrie- und Hafenstadt Odessa, am Schwarzen Meer, als ideale Metropole für den Güter-Export Bessarabiens und Anrainerstaaten. Das rasche Wachstum, der jungen Hafen- Industrie- Banken -und Handelsstadt Odessa, verdankt sie der glücklichen Entwicklung dieser Handelswege. http://www.bessarabien.blog/oekonomie-dahoam-in-bessarabien/

Industrielle Mühlenwirtschaft

Den Anfang der industriellen Entwicklung in Bessarabien machten die Windmühlen um die Jahre 1880. Das war der Beginn! Schon bald ließen weitere Entwicklungsschritte wie die der noch leistungsfähigeren Dampfmühle nicht lange auf sich warten. Diese entwickelten sich zu Handelsmühlen und gingen in eine vollautomatische Hochmüllerei mit sieben doppelten Walzenstühlen und einer Tagesleistung von 30 Tonnen über. In Beresina gründete sich im Jahre 1924 eine Handelsmühle in Form einer Aktiengesellschaft. Mittels Anschaffung einiger Walzenstühle konnte die Tagesleistung in dieser Mühle auf 45 Tonnen gesteigert werden. Weitere Mühlen in Form einer Kommanditgesellschaft für Rohstoffe aus Weizen und sonstigem Getreide waren die Folge. So u. a. in Arzis, Leipzig, Borodino, Klöstitz, Neu Sarata, und Tarutino.

Der Rohstoff Wolle

Industrie: Die Planung weiterer Fabriken war unumgänglich. Durch die intensive Schafzuchthaltung mit dem wachsenden Rohstoff „Wolle“ entstand in Tarutino im Jahre 1888, vorerst in bescheidenem Umfang, eine Tuchfabrik http://www.bessarabien.blog/tarutino welcher sich im Jahre 1926 eine Spinnerei und Weberei angliederte. Die Anzahl der herbeiströmenden Kunden steigerte sich bis zu 50 000 im Jahr. Auf dem neuesten Stand der Technik, mit Verkaufsfilialen in größeren Orten und eigenen Handelsvertretern entfaltete sich dieses Unternehmen zum größten und modernsten Industriebetrieb in ganz Bessarabien. Nicht nur die deutsche Bevölkerung Bessarabiens, sondern auch die russische und bulgarische kamen von weit her, um dort ihre Tuche walken und färben zu lassen. Aus diesem vorbildlich geführten Betrieb gab es Nachahmer in anderen Kolonien, wie in Arzis und eine weitere in Tarutino. Vorausschauende Industriezweige wie der Vertrieb von Strickmaschinen, welche sich zu einem Netz von Strickereien ausbaute, waren die Folge. Durch die Ablösung des Handwebstuhles entstand noch eine weitere Tuchfabrik in Teplitz. Der ungebremste Piniergeist der rührigen Tarutinoer Fabrikanten setzte sich in weiteren Gründungen wie einer hydraulischen Oelmühle und einer Ziegelei fort.

Gründungen von Maschinenfabriken

Durch die Entwicklung und Konstruktion eigens an die örtlichen Verhältnisse angepassten landwirtschaftlichen Maschinen und Gerätschaften nahmen kleine Handwerksbetriebe den Kampf mit den ausländischen Erzeugern für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte auf. So gelang es dadurch einer Maschinenfabrik in Arzis mit den Standart-Erzeugnissen ausländischer Fabrikanten gut zu konkurrieren. Die älteste und größte Maschinenfabrik in Bessarabien wurde im Jahre 1884, aus kleinen Anfängen, mit einer Reparaturwerkstatt in Sarata gegründet. Über einen Generationswechsel stieg die Mitarbeiterzahl auf 200 Personen an. Ein unbeschränktes Absatzgebiet dieser Maschinen erfolgte bis in die weiten Gebiete Süd-Russlands. Mit einem erweiterten Produktionsprogramm gelang es ihnen, durch die Einengung des Absatzgebietes nach dem Ersten Weltkrieg, den rumänischen Markt zu erobern. Getreidemäher, Sämaschinen, Maisrebbler, Putzmühlen, Weinpressen, Pflüge, Eggen, Häckselmaschinen, Rübenschneider und weitere landwirtschaftliche Maschinen zählten zu ihrer Produktionspalette. Aus dem Leistungspotential dieser metallverarbeitenden Fabrik ging außerdem noch eine Zylinderbohr- und Schleifanlage hervor.

Diese wirtschaftlichen Erfolge waren Vorbild und Ansporn für die Nachfolge-Generation und führte zur Erweiterung eines neuen Zweiges mit der Neugründung einer Schreinerei, im Jahre 1925. Dieser folgte schon im Jahre 1929 die Gründung eines Schlossereibetriebes und im Jahre 1931 die Angliederung einer Gießerei für die Herstellung von Getreidemähern, Putzmühlen, Drillmaschinen, Maissetzern und anderen landwirtschaftlichen Maschinen. Nach der Gründung einer Eisengießerei im Jahre 1938 wurde durch die Umsiedlung der Bessarabiendeutschen, im Jahre 1940, die weitere betriebliche Entwicklung gestoppt. Die Erzeugnisse dieser Fabrik fanden im ganzen Osten Rumäniens Absatz. Zu den industriellen Errungenschaften der Deutschen in Bessarabien gehörten u. a. eine Bierfabrik, Kinos, Genossenschaften, Banken, Zeitungswesen, Rechtsanwaltskanzleien, Eisenbahnnetz und die Gründung einer Bade- und Heilanstalt am Schwarzen Meer „Bad Burnas“.

Bad Burnas“ am Schwarzen Meer

Die Bade- und Heilanstalt wurde von unseren Vorfahren durch eine Privatinitiative und dann in Form einer eigens für diesen Zweck entstandenen Aktiengesellschaft im Jahre 1925 gegründet. Es wurde zu einem kleinen Paradies an einem kilometerlangen goldgelben Sandstrand mit dem Heilschlamm aus dem angrenzenden Salzsee. Dieses Heilbad an der Steilküste diente vorrangig als Erholungszentrum für kranke und erholungsbedürftige Erwachsene und Kinder. Es wurde auch für sommerliche Freizeitvergnügen von der deutschen Bevölkerung genutzt. Dieses „Filetstück“ in „Bad Burnas“ war eine besondere Oase Bessarabiens.

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Geschichte

karte Bessarabien

Pruth und Dnjestr bilden auf 44200 Quadratkilometern, in einer Länge von 450 Kilometer und einer Durchschnittsbreite von 100 Kilometern den Umriss Bessarabiens. Geschichtlich ein Durchmarschgebiet für alle Nomadenvölker und Grenzland zwischen Europa und Asien.

In kurzen zeitlichen Folgen durchzogen die Sarmaten, Goten, Awaren, Madjaren (Ungarn), Kumanen, Mongolen und Tartaren dieses sagenumwobene Land. Stumme Zeitzeugen der Geschichte sind auch heute noch die Kurgane (Grabhügel) der Skyten und Kimmerer in Süd-Bessarabien. Das Fürstentum Moldau, von den Karpaten bis zum Dnjestr geriet ab 1511 unter osmanische Hoheit. Der Süden Bessarabiens, nördlich der Donaumündung, war ab dem Jahre 1504 Teil des Osmanischen Reiches und wurde von den Tartaren „Budschak“ genannt.

Landkarte Osmanisches Reich

Das Osmanische Reich

 

Zu den festen Stämmen dieses Landstriches gehören die Walachen und die Moldauer. So erklärt es sich, dass durch diese Aufteilung des Landstreifens Bessarabiens der nördliche Teil, auch heute, zu Moldawien gehört. Im Süden, dem sogenannten Budschak, lebten derzeit überwiegend die Tartaren und Türken. Nach dem dritten russisch-türkischen Krieg von 1806 – 1812 fiel, mit dem

„Frieden von Bukarest“, am 28. Mai 1812

bis zum Jahre 1918, Bessarabien an Russland. Während der Norden Bessarabiens gebirgig und waldig ist, befindet sich im licht- und sonnenreichen Schwarzmeerklima des Südens ein flaches und ausgesprochen wildes Steppengebiet. Unter mannshohem Steppengras mit Unkraut, Dornen und Disteln lagert eine teilweise über einen Meter tiefe Humuschicht.

Geschichte der Deutschen in Bessarabien

   nach dem „Frieden von Bukarest“

Zahlreiche Auswanderer aus dem Großdeutschen Reichmachten sich auf Einladung des russischen Kaisers, Alexander I.(Enkel von Katharina der Großen, Kaiserin v. Russland *2. Mai 1729/ +17. Nov. 1796 greg. s. http://bessarabien.blog/katharina-die-grosse) im Jahre 1813, nach Süd-Bessarabien auf den Weg. In dieser ersten bessarabischen Siedlungsperiode von 1814-1817 wurden die Muttergemeinden Borodino, Tarutino, Krasna, Klöstitz, Kulm, Leipzig, Wittenberg, Arzis, Brienne, Paris, Beresina und Teplitz gegründet.1816-1828Start einer weiteren Auswanderungswelle aus Deutschland nach Russland und Amerika. 1818Gründung des Fürsorgekomitees in Südrussland für die Einwanderer. 1819Ignaz Lindl, kath. Prediger, gründet die Kolonie Sarata, 1814-1842Entstehung von 25 deutschen Mutterkolonien in Südbessarabien, Russischer-Türkischer Krieg 1828/29Mit Durchzügen der Truppen und Einquartierungen, und der Verbreitung von Pest/Cholera, Epidemien, Viehseuchen und Missernten. 1853-1856Krimkrieg. 1856Südwestbessarabien mit den Kreisen Ismail, Bolgrad und Cahul fällt von Russland an das Fürstentum Moldau. 1858-1914Zweite Siedlungsphase von über 100 weiteren deutschen Gründungs-Kolonien in Bessarabien. 1871Aufhebung des Fürsorgekomitees und der Kolonisten-Privilegien – durch die russische Regierung.1873Allgemeine Schulpflicht für ganz Russland.  1874Die Aufhebung der Befreiung vom Militärdienst und führt dadurch zu einer Auswanderungswelle der Deutschen aus Bessarabien . 1877/78Abtretung Südwestbessarabiens vom Königreich Rumänien, aus der Vereinigung der Fürstentümer Moldau und Walachei (Russsisch/Türkischer Krieg), an Russland. 1881-1894Einschränkung der wirtschaftlichen und kulturellen Autonomie der Kolonisten. 1881-1892Einführung der russischen Sprache an den deutschen Volks- und Zentralschulen. 1906/08Gründung des ersten Mädchen- und Knabengymnasiums. 1914/18Erster Weltkrieg, deutsche Kolonisten werden in die russische Armee eingezogen. 1915Beschluss der Liqudiationsgesetze zur Enteignung deutschen Grundbesitzes. 1915Schließung der Schulen und Verbot der deutschen Sprache. 1917Eine bereits beschlossene Deportation der Deutschen aus Bessarabien, mit Verhinderung durch den harten Wintereinbruch und die Revolutionsgeschehnisse. 1917Wiedereröffnung der deutschen Schulen. 1918Januar:Bessarabien wird im vom rumänischen Militär eingenommen. 1918April: Autonome Angliederung Bessarabiens an Rumänien. 1918Dezember: Endgültiger Anschluss Bessarabien an Rumänien. 1920Bildung von Hektargemeinden durch eine Agrarreform. 1930-1938Einschränkung der kulturellen Autonomie durch die rumänische Regierung. 1939August: Hitler-Stalin-Pakt. 1939September: Der Zweite Weltkrieg beginnt. 1940Juni: Aufforderung der UdSSR an Rumänien, Bessarabien zu räumen. 1940Juni: Die Rote Armee marschiert in Bessarabien ein. 1940September: Eine deutsch-sowjetische Umsiedlungskommission zur Aussiedlung- trifft in Bessarabien ein. 1940Im Herbst: Es erfolgt die Aussiedlung der Bessarabiendeutschen.
1940November: Die Aussiedlung der Bessarabiendeutschen ist beendet!

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Erinnerungskultur

ALT ELFT UND NEU ELFT

Alt-Elft Oberdorf mit einer 40 Meter breiten HauptstraßeErinnerungskultur – Alt und Neu Elft. Als deutsche Auswanderer zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts nach Bessarabien am Schwarzen Meer zogen, erfolgten die ersten Ansiedlungen im südlichen Teil Russlands , dem sogenannten Budschak. Diese neuen Kolonien wurden bei Gründung ab dem Jahre 1814 nach Zahlen benannt. So wurde im Jahre 1816 auf der Gemarkung Nummer 11 im Kogälniktal, die „Kolonie Alt- mit Neu Elft“ gegründet.

Auf Befehl des Zaren erhielt die Kolonie Nummer 11 den Namen „Fere-Champenoise I/ Sadove“. Dieser Name erinnerte an die große Schlacht Napoleons gegen die Westarmeen Preußens, Russlands und Österreichs, die damals Napoleon nach Fere-Champenoise in Frankreich zurückdrängten. Die ersten 126 Ansiedlerfamilien stellten sich allerdings gegen den Wunsch des Zaren Alexander I und forderten erfolgreich den Namen Alt- und Neu Elft zurück.

BESTES LAND UNTER MANNSHOHEM STEPPENGRAS

Da ihre fruchtbaren Felder und Weideflächen in südöstlicher Richtung zu weit entfernt lagen, wurde die Gemeinde geteilt. So konnten beschwerliche und zeitraubende Wege umgangen werden. Die Teilung Alt Elfts wurde über die geraden und ungeraden Hausnummern entschieden. Bewohner mit geraden Hausnummern wie 2, 4, 6…, wurden daraufhin nach einem Beschluss einer Bürgerversammlung ausgewählt „Alt Elft“ wieder zu verlassen. Die nur kurz zur Ruhe gekommenen Ankömmlinge mussten sich schweren Herzens aus der Gemeinschaft lösen. Voller Trauer verließen sie die Kolonie. Ein schmaler Weg über eine Anhöhe führte den kleinen Treck in das dahinterliegende Tal mit dem Steppenflüsschen „Alliaga“ – nach „Neu-Elft“. Ihr neues Siedlungsland lag nur einen Steinwurf und durch einen Hügel getrennt von Alt-Elft.

Bei der Urbarmachung ihres Siedlungslandes erfuhren die Siedler große Entbehrungen und Leid auf allen Ebenen ihres Lebens. Hohe Verluste durch Missernten folgten in den Jahren 1823, 1830, 1867, 1899 und 1904 und eine der stärksten Heuschreckenplage im Jahre 1875.

Erdhütten boten Schutz vor Kälte

Ihren ersten Erdhütten folgten bald menschenwürdige Behausungen aus Lehmbatzen, Schilf und Rohr. Diese bildeten den Übergang zu den später stattlichen und massiven Häusern aus Muschelkalk. Mit großem Eifer widmeten sich die Bewohner Alt- und Neu-Elfts ihrem Haupterwerb, der Landwirtschaft.

Schnell erkannten sie in dem fruchtbaren Boden unter der wilden Steppe und der sonnigen und besonderen Hanglage ihre Chance für den Weinbau und Obstanbau. Bis 1848 legten die Bewohner beträchtliche Weingärten mit 155 000 Weinstöcken an und ebenso rasch erfolgte der Aufbau großer Obstplantagen mit Apfel, Pflaumen, Aprikosen, Nuss, Birnen, Kirsch, Pfirsich und Maulbeerbäumen. Mit ihren wohl best gepflegten Obstgärten und einer so geschlossenen Dorfgemeinschaft, gelang es ihnen herausragende Weine aus besten Trauben bis in das innere Russlands zu führen und zu einer wichtigen Einnahmequelle zu machen.

Mit tüchtigen Handwerkern insbesondere für die Landwirtschaft, einer Dampfmühle, zwei Windmühlen, einer Ölmühle, einer Genossenschafts- und Privatmolkerei, u.a. Leitermacher (Wagenleitern), Schuster, Metzger, Steinmetzen, Schneider, sowie einer Holzhandlung trugen sie im wirtschaftlichen sowie industriellen Zweig zu einer guten Infrastruktur bei. Gleichfalls entwickelte sich in den beiden Gemeinden neben einem Bläser- und Kirchenchor, ein Frauen- und Bildungsverein und zwei Sportplätze.

Eine mächtige Kirche mit 800 Sitzplätzen war die Zierde ihres Dorfes

Alt-und Neu-Elft war eine sehr lebendige Kirchengemeinde. In den Jahren 1894 bis 1896 erfolgte ein neuer großer Kirchenbau, mit einer Einweihungsfeier am 6. Oktober 1896. An den Sonntagnachmittagen wurden in sechs Versammlungen Gebetsstunden abgehalten. Auch rege Jugendgemeinschaften nahmen an den Stunden- und Gottesdiensten teil. Dieser Gemeinschaftssinn führte zur Erweckung zahlreicher Gemeindeglieder. Darunter viele Jugendliche. Gleich nahe der Kirche, auf der gegenüberliegenden 40 m breiten Straßenseite, befand sich das neue Rathaus und das neue Schulhaus für 300 Schüler mit den Lehrerwohnungen.

Neu-Elft entwickelte sich zu einer Vorzeigegemeinde von besonderem Niveau und war später „Alt-Elft“ in jeglicher Hinsicht weit überlegen. Gegenüber allen anderen Siedlungsgemeinden bildete sich hier eine herausragende Besonderheit ihrer ureigenen Mundart aus schwäbisch, hochdeutsch und plattdeutsch. Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahre 1874 und besonders auch um und nach der Jahrhundertwende, setzten Auswanderungswellen nach Übersee ein.

Beinahe unverändert: Die Schule Alt-Elft im Jahre 2015 bei meinem Besuch (oben) und siehe unteres Bild – vor der Umsiedlung

Im Jahre 2015

führte mich, Christa Hilpert-Kuch,  mein Weg quer durch Bessarabien und auch zu diesen beiden Gemeinden, Alt- und Neu Elt. Im Dorfmittelpunkt finde ich den hohen Kirchturm

der ehemaligen Kirche abgetragen und im Korpus das heutige Kulturhaus in seiner Verwendung. Im Inneren probte gerade ein Kinderchor für eine Theateraufführung. Bei meinem Besuch im Jahre 2015, war beinahe jedes Haus noch so gut erhalten, wie es einmal von den Deutschen Bewohnern aus Muschelkalkstein errichtet wurde.

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Osterbräuche in Bessarabien

Ostern in Bessarabien – war das höchste christliche Fest des Jahres

Es wurde nach strengen christlichen Bräuchen begangen. Entsprechend nahm die Einstimmung auf das bevorstehende Fest in der Karwoche zu. Schließlich wartete auf die Hausfrau noch eine Vielzahl an Arbeit auf Erledigung vor Festbeginn. Die Wohnungen und Häuser wurden von Grund auf gereinigt. Ebenso bereits am Mittwoch vor Gründonnerstag, war es Brauch, die Familiengräber auf ihren Friedhöfen von jeglicher Art von Unkraut zu befreien und liebevoll zu schmücken.

Der Ostersamstag

war ganz für das Ostereierfärben- und bemalen reserviert. Teilweise wurden mehr als 100 Eier in vielen Farben und Beschriftungen vorbereitet. Die Menge richtete sich jeweils nach der Familiengröße. Außerdem wurden die Backöfen angeheizt, weil die Hausfrau große Mengen verschiedener Kuchenteige für die Pfannen vorbereitet hatte und demzufolge Berge an Kuchen für ihre Liebsten zu den Festtagen gebacken werden mussten. Denn schließlich wartete die ganze Familie auf österliches Gebäck, wie z. B. den Osterzopf oder Ostervögeles, den gefüllten Osterkranz, Osterkuchen mit getrockneten Früchten und Mandeln, Riebeles- und Käsekuchen, Mohnkuchen und vieles mehr…..

Die Bäuerin leistete Schwerstarbeit vor dem Fest

Zu einem weiteren Osterbrauch zählte ebenfalls der bunte Osterteller aus Gerstensaat. Dieser besondere Augenschmaus war immer eine große Freude für die Jungen aber auch die Alten. Hierzu siehe die Anleitung unter:

http://www.bessarabien.blog/solidarisches-gemeinwesen-in-bessarabien

Der Karfreitag

war in den deutschen Kolonien ein Fastentag. Während dieses Tages verzichtete man auf jegliche Art von Arbeit sowie auf die Zubereitung und den Genuß von Fleischgerichten. Um so mehr widmete man sich leichter Kost, um seinen Hunger zu stillen.

Früh am Ostersonntag, noch vor Sonnenaufgang

ertönten die Glocken vom hohen Kirchturm und luden alle Bewohner zur Morgenpredigt auf den Friedhof ein. In Festtagskleidung riefen sie die Kolonisten zum „Auferstehungsgebet für den Heiland“ an die Gräber ihrer Ahnen. Große Menschenströme folgten dem Ruf der Glocken. Gemeinsam mit dem Pastor, Küster, dem Chor und der Blaskapelle wurde gebetet und tief ergriffen in das Lied eingestimmt: „Jesus lebt, mit ihm auch ich“.

Mit diesem tief religiösen Osterbrauch zur „Ehre der Toten“ und erst nach der Verabschiedung an den Gräbern ihrer Lieben, zerstreute sich die Menge.

Dorfbewohner auf dem Friedhof bei ihren Ahnen

Währenddessen die Familie vollzählig wieder zuhause eingetroffen war, konnte nun das von den Kindern lange herbeigesehnte Ostereiersuchen in den vorbereiteten Osternestern oder den zahlreichen Versteckmöglichkeiten auf dem Bauernhof beginnen. Welch eine Freude für die ganze Familie.

Mit einem Vor- und Nachmittagsgottesdienst ging der erste Ostertag vorüber.

Das „Fest des Eierlesens“ am zweiten Ostertag

Nach dem Vormittagsgottesdienst, stand der Nachmittag ganz im Zeichen der Jugend – für Freude und SpielDieser „Brauch des Eierlesens“ fand immer draußen außerhalb des Ortes auf einer Wiese statt und war ein ausgesprochenes Frühlingsfest. Mit einem angemessenen Kräftemessen der Jugendlichen  untereinander, bei Spaß und Spiel symbolisierte das Ei die österliche Auferstehung gemeinsam mit der erwachenden Natur. Nach festen Spielregeln war es in jeglicher Hinsicht ein fröhliches Fest. 

Das traditionelle Volksfest der Jugend  „des Eierlesens“  wurde mit Musik und Tanz bis in die Abendstunden freudig genossen.

In zukünftiger Erwartung schaute man schon auf die nächste Begegnung.

Dieses sollte schon bald der erste Mai sein.

Wieder ein Tag der Freude und Gemeinschaft.

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Solidarisches Gemeinwesen in Bessarabien

soziales Handeln

In Anpreisung eines österlichen Augenschmauses aus Bessarabien

Ein österlicher Augenschmaus aus Bessarabien. Zum Nachmachen!  (s. untenstehend)

Stets als Teil der Natur fühlten sich die deutschen Kolonisten am Schwarzen Meer. Als solidarisches Gemeinwesen verschmolzen sie zu einer vollkommenen Einheit mit den vier Jahreszeiten und den ihnen damit vorgegebenen Aufgaben „von der Aussaat bis zur Ernte“. Mit dem Werden und Vergehen – und doch Wiederkehrenden und Erneuernden fühlten sich die Kolonisten in Bessarabien in vollkommenen Einklang. In dieser göttlichen Ordnung, fern der Heimat, waren die deutschen Kolonisten eng miteinander verbunden und bestens aufgestellt. Als solidarische Gemeinschaft, mit strengen christlichen Richtlinien bzw. Reglementierungen, gelang es ihnen selbst an schwierigsten Lebensumständen zu wachsen. Ihr Leben war von großen Herausforderungen in allen Lebenslagen geprägt. Mit einem sozialen Gesellschaftsmodell „einander beizustehen“ meisterten sie ihr Schicksal in der Fremde. Über Entbehrungen und Rückschläge wurde nicht geklagt. Umdenkend, lernfähig und ihr Wissen teilend, hielten sie sich an Regeln und machten das Beste daraus.

Ich scheue mich nicht immer wieder meine Bewunderung und Anerkennung über die Lebensleistung meiner Vorfahren in Bessarabien wiederholt zum Ausdruck zu bringen. Heute erneut mit diesen Zitaten:

1.) „Weisheit kennt Grenzen, Dummheit nicht“ ,

2.)„ Der weise Mensch braucht Richtlinien, der Dumme Gesetze“.

Die Kolonisten als solidarisches Gemeinwesen in Bessarabien, stellten sich ihren Herausforderungen in Anerkennung der göttlichen Ordnung. So sorgten sie in angemessenem Rahmen voller Demut für ihr tägliches Brot.

Frühlingserwachen in der Steppe

Plötzlich über Nacht hielt das Frühjahr mit seinen hellen Sonnenstrahlen Einzug. Lautstark kündigten sich die ersten gefiederten Frühlingsboten aus dem Süden an. Die ersten Stare waren mit ihrem fröhlichen Gesang eingetroffen. Schnell verbreitete sich diese Kunde aus jubelndem Kindermund im ganzen Dorf. Nun war es amtlich, „der harte Winter war vorüber“!

Ausgelassene Freudentänze über dieses Ereignis wurden von den Kindern und ebenso von den Jungtieren wie Fohlen, Kälber und Lämmchen vollführt. Mit ihren fröhlichen Sprüngen und Spielen brachten sie ihre Freude zum Ausdruck.

Die humusreiche Schwarzmeer-Erde

Die vorbereiteten Saaten mit Gerste, Mais, Senf, Hafer, Sommerweizen, Sonnenblumen, Zuckerrohr, Rizinusbohnen, Soja, Klee und anderes Grünfutter wurden in nur wenigen Wochen in die gut vorbereitete Schwarzmeer-Erde eingebracht. http://www.bessarabien.blog/oekonomie-dahoam-in-bessarabien/

Auf dem Hof und auch im Stall regte sich das Leben. Die Gluckhennen und die Gänse bekamen Bruteier in ihre vorbereiteten Nester gelegt. Die nach und nach ausschlüpfenden Hühner und Gänseküken erhielten in ihren gepolsterten Körbchen ein warmes Plätzchen in der Küche. Auch die kleinen Lämmchen wurden zum Aufpäppeln und Aufwärmen, besonders zur Freude der Kinder, in die warme Küche getragen. Draußen am Flussufer, im grünen Gras, huschte wenn die Kinder achtsam waren, der Osterhase ganz schnell von einem Busch zum anderen. War es der Oster- oder doch nur ein Erdhase? Das erfuhren die Kinder natürlich nicht, denn es rollte dann schon mal das eine oder andere Osterei, von den älteren Geschwistern geschickt getarnt, über das frische Grün. Eine frohe Osterbotschaft zur Freude und Belohnung für die Kleinen, die mit dem Hüten der kleinen gefiederten Küken beauftragt waren.

Oster-Tischschmuck

Einer der besonderen Bräuche für das Osterfest und ein ganz besonderer Augenschmaus in Bessarabien, war der Osterteller. Hierzu wurde ein Suppenteller mit Erde und Gerstenkörnern befüllt und an einen warmen und hellen Platz in der warmen Küche platziert. Täglich musste nun die aufkeimende Gerste gewässert werden, damit die Gerste für das herannahende Osterfest die richtige Höhe erreichen konnte.  Am Ostersonntag legte die Bäuerin nun einen bunten Eierkranz um das kraftvolle Grün des Gerstentellers und Zuckerles inmitten hinein.

Dieser zauberhafte Osterteller durfte, zur allgemeinen Freude in den kinderreichen Familien Bessarabiens, auf keinem Ostertisch fehlen.

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Ökonomie – Dahoam in Bessarabien

Das baldige Ende des Winters verkündeten Dahoam in Bessarabien die immer länger werdenden Tage und kürzeren Nächte. Voller Hoffnung auf ein ertragreiches Jahr waren die Gedanken des Bauern auf seinen landwirtschaftlichen Betrieb ausgerichtet.

http://www.bessarabien.blog/bessarabien-im-winter/

Landwirtschaftliches Gefährt

Für den Ökonom galt es nun die richtige Saat aus seinen Getreidesorten auszuwählen, diese sorgsam von dem Unkrautsamen zu trennen und gesondert für die Aus-Saat zu lagern. Denn nur ein sorgfältiges Verteilen der Saatgüter, die Planung und Berechnung der richtigen Menge für die Größe der zu bestellenden Felder, versprach einen maximalen Ernteertrag. Natürlich hing ein reichliches Aufgehen der Saat mit seinem Wachstum, selbst bei sorgfältigster Vorbereitung, von den jeweiligen Witterungsverhältnissen in Bessarabien, mit seinem Kontinental-Klima während der Wachstumsphase ab.

Die Ernährung seiner großen Familie hatte oberstes Gebot. Zu deren Absicherung wurde vorrangig eine von ihm kalkulierte Bevorratung unangetastet beiseite gelegt. Erst jetzt wurde das restliche Getreide für die Aussaat und den Verkauf zu anständigen Marktpreisen deponiert. Hier konnte er seine Fähigkeiten durch geschicktes Verhandeln unter Beweis stellen.

Bessarabische Weine

Ebenso ökonomisch wurde mit dem Wein-Depot aus seinem Erdkeller verfahren. Denn dort lagerten in großen Weinfässern beste bessarabische Weine der süßesten Trauben. Prall und vollmundig reiften sie an den sonnigen Hängen in den deutschen Kolonien. Diese Weine waren im ganzen Land und darüber hinaus bestens bekannt und fanden reißenden Absatz.

Mit dem Maisrebbler das Welschkorn entkörnen

Welschkornhaus mit MaisRebbler

Eine weitere Herausforderung für den Ökonom war die Bewältigung des getrockneten Maisvorrats. Mit großem körperlichen Einsatz wurde diese Arbeit bewältigt. Dafür war es notwendig die getrockneten Maiskolben aus dem Welschkornhaus herbeizuschaffen und diese durch den Maisreppler zum Ablösen der Körner zu drehen. Für diese schwere und harte Arbeit wurden mindestens drei Personen zum Bedienen der Maschine benötigt. Sorgfältig wurde auch hier zuerst der Eigenbedarf ermittelt und dafür eine ausreichende Menge zurückbehalten. Der Überschuss konnte nun auf dem Markt meistbietend angeboten werden.

Sämtliche Wirtschaftsgeräte mussten nun noch auf eine eventuelle Instandsetzung vom Bauern überprüft werden. Eine große Herausforderung, denn diese erforderte ein großes handwerkliches Geschick und fachkundiges Handeln! In vielen unterschiedlichen Gewerken musste er sich beweisen. So zum Beispiel reparierte und flickte der Bauer auch an seinem Sattlerstuhl sein Pferdegeschirr. In der Regel bewerkstelligte er sämtliche Arbeiten ohne fremde Hilfe und bereitete so alles auf einen baldigen Einsatz vor.

Reduzierung der Tierkapazitäten in den Stallungen

Tierzucht auf dem Bauernhof

In seinen Stallungen war es notwendig eine Tier-Bestandsaufnahme und eine Reduzierung durch die Wintergeburten einzuleiten.  Je nach Größe des Stalles ermittelte der Ökonom die Stückzahl der Fohlen, Kälber und Lämmer und plante für das Frühjahr den Abverkauf auf den großen Bauernmärkten in Arzis und Tarutino.

Mit einem prüfenden Blick auf den Zustand seines Wagens musste er abwägen, ob dieser noch den zukünftigen Erwartungen entsprechen würde. Wenn ihm dieses nicht mehr gewährleistet erschien, entschloss er sich kurzerhand zum Verkauf desselben. Bei den besten bessarabiendeutschen Wagenbauern in Teplitz, Alt-Postal oder Wittenberg war es kein Problem schnell einen neuen Wagen zu erstehen.

Nach Abschluss aller Planungen, Vorbereitungen und Reparaturen, konnte der Ökonom noch etwas Ausruhen und Kräfte sammeln.

Mit großer Ungeduld wartete er nun auf seinen Einsatz, – Dahoam im Frühjahr!

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Auferstehungsgeschichte „Dank an Rumänien!“

Kurzmitteilung

„Auferstehungsgeschichte“

Kolonisten-Dank an Rumänien!

Bauernhof in Brienne

Die Rettung Bessarabiens durch Rumänien im Jahre 1918  – gleicht einer wunderbaren Auferstehungsgeschichte, welche sich erst im Jahre 1940 mit der Umsiedlung der Bessarabiendeutschen durch den Hitler-Stalin Pakt endete. Frei der Devise „Heim ins Reich“ entgingen sie der Deportation in die Weiten Sibiriens.

Schwer war der Abschied von allen anderen deutschen Bruderkolonisten, die in der UDSSR verbleiben mussten. Die Bessarabiendeutschen konnten ihnen nicht mehr helfen.

So war es nur der bessarabiendeutschen Volksgruppe durch die Einverleibung Rumäniens möglich eine Weiterentwicklung anzustreben.

In Bessarabien zählte es im Jahre 1914 einhundertzehn deutsche Gemeinden. Bis zum Jahre 1934 unter Rumänien, erweiterte sich die Zahl der deutschen Dörfer auf einhundertsiebenundvierzig mit vielen Hektargemeinden.  Demzufolge hat nach dem ersten Weltkrieg nochmals eine innere Kolonisation, durch die Enteignungen der Gutsbesitzerländereien über 100 Hektar, am 22. Dezember 1918 an die Landlosen stattgefunden.

Ebenfalls zum Opfer fielen nach diesem Gesetz alle Staats- und Kirchenländer und sonstige Ländereien von Banken und juristischen Personen.

Die gravierenden Nachteile einer Nichtzugehörigkeit zu einer Organisation, besonders  während der schweren Kriegsjahre in einem fremden Land,  führten in den Kolonistendörfern zum Umdenken. Geschützt waren sie nur durch das Fürsorgekomitee bis zu dessen Aufhebung durch Russland im Jahre 1871.Danach willkürlich bis zum Ende des 1. Weltkrieges schutzlos dem russischen Staat ausgeliefert.

Aus dieser Erfahrung wurde der Volksrat und der Wirtschaftsverband gegründet.  Beide notwendigen Organisationen hatten die Aufgabe die völkischen und wirtschaftlichen Belange zu überwachen.

Eine sehr wichtige Funktion kam besonders dem Volksrat zu. Durch seine Funktion blieb das Bessarabiendeutsche Volk unter einem Dach und zerfiel nicht in politische Parteien.

Ein Fachkräftemangel erschwerte anfangs die heimische Wirtschaft. Man musste erst auf dem Gebiet des Handels und Gewerbe Erfahrungen sammeln und Fachkräfte heranbilden.

Rumänien

http://www.bessarabien.blog/privilegien

Im Januar 1918 besetzte das rumänische Militär Bessarabien. Im April 1918 erfolgte die regionale Autonomie und die Angliederung Bessarabiens an Rumänien. Unter Nichtanerkennung der UDSSR vollzog sich der endgültige Anschluss erst durch den  Bukarester Friedensvertrag an Rumänien.

Großrumänien

Mit etwa 30 Prozent nichtrumänischer Einwohner und durch die Angliederung Bessarabiens, des Banats, der Bukowina und Siebenbürgens zu Großrumänien konnte das Königreich Rumänien mit Kriegsende und den Pariser Friedensverträgen die Bevölkerungszahl auf seinem Territorium verdoppeln und wurde zu einem multiethnischen Staat.

Zu vielen gravierenden Veränderungen der Bessarabiendeutschen in Rumaenien/ Großrumänien gehörte u. a. neben der Agrarreform auch die rumänische Staatsangehörigkeit mit der neuen Landeswährung und die Einführung der rumänischen Amtssprache. Ebenso die Umstellung vom Julianischen Kalender auf den Gregorianischen mit einem Zeitunterschied von 13 Tagen, in der Bedeutung eines Zeitsprungs vom 1. Februar 1918 zum 14. Februar 1918.

Eine weitere einschneidende Änderung betraf das Schulwesen mit dem Ziel der Romanisierung und der Einführung der lateinischen Schrift.

Unter Rumaenien:

Mit einer Grundbesitzenteignung von über 100 Hektar Landbesitz großer Gutshofbesitzer, führte der rumänische Staat eine eigene Landreform durch und nahm eine Verteilung an die sogenannten Landlosen vor. Dieses hatte zur Folge, daß auf diese Weise 37 fast ausschließlich geschlossene neue deutsche Gemeinden enstanden.

Weitere Neuerungen in vielen Bereichen sollten folgen. Diese stellten für die Bessarabiendeutschen in weiten Bereichen ihres persönlichen und wirtschaftlichen Lebens eine große Herausforderung dar.

Die rumänische Verwaltung zeichnete sich in Bessarabien durch besondere Härte aus. So strafversetzte sie Beamte aus anderen Regionen nach Bessarabien und setzte somit die deutschen Kolonien der Willkür dieser gefrusteten Beamten aus.

In gnadenloser Strenge und mit brutaler Härte wurden die Schülerinnen und Schüler in den bessarabischen Schulen unterrichtet. Dabei erinnere ich mich nur zu gut an die Schilderungen meiner Mutter als Schulkind. So waren tätliche Übergriffe, Bestrafungen und Demütigungen, dieser vom rumänischen Staat eingesetzten Beamten, an den Bessarabiendeutschen Schülern, an der Tagesordnung.

Bei allen Neuerungen und Unbequemlichkeiten, geht besonders heute von den Nachgeborenen dieser Bessarabischen Volksgruppe ein großer Dank an Rumänien. Ihnen verdanken wir für die Errettung Bessarabiens aus der Hand Russlands und die Rückführung in unsere deutsche Heimat . (Fortsetzung folgt)

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