Geschichte

Landkarte Bessarabien

Pruth und Dnjestr bilden auf 44200 Quadratkilometern, in einer Länge von 450 Kilometer und einer Durchschnittsbreite von 100 Kilometern den Umriss Bessarabiens. Geschichtlich ein Durchmarschgebiet für alle Nomadenvölker und Grenzland zwischen Europa und Asien.

In kurzen zeitlichen Folgen durchzogen die Sarmaten, Goten, Awaren, Madjaren (Ungarn), Kumanen, Mongolen und Tartaren dieses sagenumwobene Land. Stumme Zeitzeugen der Geschichte sind auch heute noch die Kurgane (Grabhügel) der Skyten und Kimmerer in Süd-Bessarabien. Das Fürstentum Moldau, von den Karpaten bis zum Dnjestr geriet ab 1511 unter osmanische Hoheit. Der Süden Bessarabiens, nördlich der Donaumündung, war ab dem Jahre 1504 Teil des Osmanischen Reiches und wurde von den Tartaren „Budschak“ genannt.

Landkarte Osmanisches Reich

Das Osmanische Reich

 

Zu den festen Stämmen dieses Landstriches gehören die Walachen und die Moldauer. So erklärt es sich, dass durch diese Aufteilung des Landstreifens Bessarabiens der nördliche Teil, auch heute, zu Moldawien gehört. Im Süden, dem sogenannten Budschak, lebten derzeit überwiegend die Tartaren und Türken. Nach dem dritten russisch-türkischen Krieg von 1806 – 1812 fiel, mit dem

„Frieden von Bukarest“, am 28. Mai 1812

bis zum Jahre 1918, Bessarabien an Russland. Während der Norden Bessarabiens gebirgig und waldig ist, befindet sich im licht- und sonnenreichen Schwarzmeerklima des Südens ein flaches und ausgesprochen wildes Steppengebiet. Unter mannshohem Steppengras mit Unkraut, Dornen und Disteln lagert eine teilweise über einen Meter tiefe Humuschicht.

Geschichte der Deutschen in Bessarabien

   nach dem „Frieden von Bukarest“

Zahlreiche Auswanderer aus dem Großdeutschen Reichmachten sich auf Einladung des russischen Kaisers, Alexander I.(Enkel von Katharina der Großen, Kaiserin v. Russland *2. Mai 1729/ +17. Nov. 1796 greg. s. http://bessarabien.blog/katharina-die-grosse) im Jahre 1813, nach Süd-Bessarabien auf den Weg. In dieser ersten bessarabischen Siedlungsperiode von 1814-1817 wurden die Muttergemeinden Borodino, Tarutino, Krasna, Klöstitz, Kulm, Leipzig, Wittenberg, Arzis, Brienne, Paris, Beresina und Teplitz gegründet.1816-1828Start einer weiteren Auswanderungswelle aus Deutschland nach Russland und Amerika. 1818Gründung des Fürsorgekomitees in Südrussland für die Einwanderer. 1819Ignaz Lindl, kath. Prediger, gründet die Kolonie Sarata, 1814-1842Entstehung von 25 deutschen Mutterkolonien in Südbessarabien, Russischer-Türkischer Krieg 1828/29Mit Durchzügen der Truppen und Einquartierungen, und der Verbreitung von Pest/Cholera, Epidemien, Viehseuchen und Missernten. 1853-1856Krimkrieg. 1856Südwestbessarabien mit den Kreisen Ismail, Bolgrad und Cahul fällt von Russland an das Fürstentum Moldau. 1858-1914Zweite Siedlungsphase von über 100 weiteren deutschen Gründungs-Kolonien in Bessarabien. 1871Aufhebung des Fürsorgekomitees und der Kolonisten-Privilegien – durch die russische Regierung.1873Allgemeine Schulpflicht für ganz Russland.  1874Die Aufhebung der Befreiung vom Militärdienst und führt dadurch zu einer Auswanderungswelle der Deutschen aus Bessarabien . 1877/78Abtretung Südwestbessarabiens vom Königreich Rumänien, aus der Vereinigung der Fürstentümer Moldau und Walachei (Russsisch/Türkischer Krieg), an Russland. 1881-1894Einschränkung der wirtschaftlichen und kulturellen Autonomie der Kolonisten. 1881-1892Einführung der russischen Sprache an den deutschen Volks- und Zentralschulen. 1906/08Gründung des ersten Mädchen- und Knabengymnasiums. 1914/18Erster Weltkrieg, deutsche Kolonisten werden in die russische Armee eingezogen. 1915Beschluss der Liqudiationsgesetze zur Enteignung deutschen Grundbesitzes. 1915Schließung der Schulen und Verbot der deutschen Sprache. 1917Eine bereits beschlossene Deportation der Deutschen aus Bessarabien, mit Verhinderung durch den harten Wintereinbruch und die Revolutionsgeschehnisse. 1917Wiedereröffnung der deutschen Schulen. 1918Januar:Bessarabien wird im vom rumänischen Militär eingenommen. 1918April: Autonome Angliederung Bessarabiens an Rumänien. 1918Dezember: Endgültiger Anschluss Bessarabien an Rumänien. 1920Bildung von Hektargemeinden durch eine Agrarreform. 1930-1938Einschränkung der kulturellen Autonomie durch die rumänische Regierung. 1939August: Hitler-Stalin-Pakt. 1939September: Der Zweite Weltkrieg beginnt. 1940Juni: Aufforderung der UdSSR an Rumänien, Bessarabien zu räumen. 1940Juni: Die Rote Armee marschiert in Bessarabien ein. 1940September: Eine deutsch-sowjetische Umsiedlungskommission zur Aussiedlung- trifft in Bessarabien ein. 1940Im Herbst: Es erfolgt die Aussiedlung der Bessarabiendeutschen.
1940November: Die Aussiedlung der Bessarabiendeutschen ist beendet!

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Brienne

Brienne – Bessarabien

Ein Blick vom Brienner Berg

Heimat meiner Eltern und Großeltern

Inmitten eines überwältigenden Ausblicks vom „Brienner Berg“ über die kraftvolle und weite Steppenlandschaft des Budschaks erstreckt sich die Kolonie Brienne am Steppenfluss Kogelnik.

Prächtige Weingärten und fruchtbare Obstgärten rechts und links der breiten Chaussee mit den dahinterliegenden einst weißen aus dem Muschelkalkstein der Brienner Steinbrüche erbauten Häusern, mit den weißen Hofmauern prägten einst das Landschaftsbild.

Hof in Brienne

In greifbarer Nähe dahinter nur durch den Kogelnik getrennt liegt im Tale die Nachbarkolonie Arzis. Die häufigen Überschwemmungen des immer wieder über die Ufer tretenden Kogelniks konnten die Brienner im Gegensatz zu den Arzisern unbesorgt aus ihrer Anhöhe betrachten.

Der Name Brienne sowie Arzis leitete sich von den gewonnenen Schlachten durch die Verbündeten gegen Napoleon im Jahre 1812 ab.

Unter dem Aufruf Katharina der Großen und Zar Alexander erfolgte im Jahre 1816  die Gründung Briennes, eine baumlose Steppe „Nr. 15“ für die Schwarzmeerdeutschen.

Der Notbehelf ihrer Erdhütten wich bald massiven Steinhäusern durch den Abbau im eigenen Steinbruch der Brienner Berge.

Die Einnahmen des Steinbruchs für den Hausbau in dieser Kolonie und den unmittelbaren Nachbarorten verhalfen der Gemeinde zu einem guten Einkommen. Lehm bzw. Batzenbauten gehörten in Brienne bald weitestgehend der Vergangenheit an.

Ein zwischen vorderer Hofmauer und Wohnhaus angelegtes Blumengärtchen schmückte ihre Häuser.

Jeder Hof hatte eine Größe von 232 m Länge und 47 m Breite. Eine Hof- und Straßenmauer zog sich vor der mehr als 20 Meter breiten Dorf-Chaussee von Hof zu Hof und wurde nur durch die jeweiligen Hofeinfahrten mit verschließbaren Toren unterbrochen. Die Wohnhäuser mit anschließenden Wirtschaftsgebäuden lagen nur einige Meter von der vorderen Hofmauer getrennt. Eine hintere Hofmauer sicherte den Hof vor Eindringlingen.

Außerhalb dieser Umzäunung befand sich der Dreschplatz, die Spreuhütte und der Strohschober mit dem Gemüse-, Obst- und Weingarten in evtl. Hanglage Richtung Arzis.

Auf jeder Straßenseite der Chaussee begrenzte eine Reihe Akazien einen zwei Meter breiten Bürgersteig.

Die etwa zweitausendfünfhundert m lange Dorfstraße, vom Ober- zum Unterende, führte bergab zu dem Russendorf Pawlowka, bergauf in das Schwabendorf Teplitz und über den Berg nach Neu Brienne.

Mit ihrem Steinbruch besaß Brienne 5560 Hektar Land, sodass die ersten 84 Ansiedlerfamilien jeweils 60 Hektar Land erhielten.

Die Anhöhe Briennes bot alle Voraussetzungen für guten Obst und Weinanbau aber ebenso spielte die Pferdezucht eine ausschlaggebende Rolle und war oft wirtschaftlich lukrativer als die Landwirtschaft. Man sagt, nur von den Friedenstalern konnte die Pferdezucht übertroffen werden.

Beruflicher Wirkungsort meines Vaters August Kuch,  als Schreiber im Rathaus Brienne

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde durch den wirtschaftlichen Umschwung vom graublauen Steppenrind auf das das Rassevieh eine beträchtliche Neueinnahme verzeichnet.

Diese Erneuerung steigerte die Milchproduktion und ebnete den Weg zur Gründung der Molkerei- und Milchgenossenschaft „Danemarka“. Mein Großvater Eduard Schell aus Brienne war im Nebenerwerb als Landwirt Angestellter dieser Molkerei.

Aber auch im Handwerk wurde ein wirtschaftlicher Aufschwung verzeichnet. Dreizehn Tischlermeister, vier Schmiede, drei Schlosser, acht Schuster, sieben Schneider, sechs Maurer, drei Böttcher, ein Drechsler und ein Uhrmacher wurden im Jahre 1940 in Brienne gezählt. Die zwei Kolonialgeschäfte im Ort gereichten den Briennern insofern, dass man wie selbstverständlich mit einem Gang in den nahegelegenen Marktflecken Arzis alle seine Einkäufe erledigen konnte.

Kurganhügel in Brienne

Im Jahre 1839 wurde mit dem Bau einer Kirche begonnen. Durch den Ausbruch der Pest musste der Kirchenbau bis zum Jahre 1849 zwangsläufig gestoppt werden.

Die Einweihung dieser Kirche verzögerte sich bis zum Jahre 1852 und war durch die zwischenzeitlich stark angewachsene Bevölkerung schon zu wieder klein.

Ein neuer Kirchenbau war finanztechnisch nicht möglich, da die 9000 Rubel aus dem Kirchenbaukapital im Jahre 1904 in ein allen Anforderungen entsprechendes neues und großes Schulgebäude investiert wurden. Ein Erweiterungsbau auf dem Schulhof, die Küster- und Küstergehilfenwohnung, wurde von der Gemeinde im Jahre 1908 fertiggestellt.

Erst im Jahre 1934 wurde in Brienne der Grundstein für einen großen und teilweise im gotischen Stil gehaltenen Kirchenneubau gelegt.

Der Rohbau mit den eingesetzten Fenstern war mit 1,5 Millionen Lei abgeschlossen.

Da kam im Jahre 1940 die Umsiedlung…. !

Als Hauptgemeinde gehörte Brienne seit der Gründung des Kirchspiels zu Arzis.

Auch heute noch ist die Schule eine Augenweide in der Dorfmitte.

Die alten Dielenbretter aus deutscher Zeit, der alte Ofen im Klassenzimmer und der Nuschnik auf dem Schulhof ist deutsche Geschichte. Fleißige Ukrainer sorgten für den Erhalt des wunderschönen Gebäudes unserer Ahnen und gaben ihm einen leuchtenden Anstrich.

Auf einer Anhöhe oberhalb des Gässles liegt der ehemalige deutsche Friedhof. Verborgen zwischen hohem Gestrüpp und Buschwerk befinden sich die Gräber unserer Ahnen. Einige Grabsteine liegen verstreut am Abhang.

Über die Jahrzehnte hat die Witterung die Lesbarkeit der Inschrift beeinträchtigt, aber nicht unmöglich gemacht.

 

Sehr viele Häuser haben durch den soliden Steinbau die Zeit gut überlebt. Mit einem Brienner Ortsplan ist es kein Problem die ehemals deutschen Anwesen den früheren Besitzern zuzuordnen.

Viele Brienner Gesichter nach der Umsiedlung 1940, im Lager in Westpreußen

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