Ökonomie – Dahoam in Bessarabien

Das baldige Ende des Winters verkündeten Dahoam in Bessarabien die immer länger werdenden Tage und kürzeren Nächte. Voller Hoffnung auf ein ertragreiches Jahr waren die Gedanken des Bauern auf seinen landwirtschaftlichen Betrieb ausgerichtet.

http://www.bessarabien.blog/bessarabien-im-winter/

Landwirtschaftliches Gefährt

Für den Ökonom galt es nun die richtige Saat aus seinen Getreidesorten auszuwählen, diese sorgsam von dem Unkrautsamen zu trennen und gesondert für die Aus-Saat zu lagern. Denn nur ein sorgfältiges Verteilen der Saatgüter, die Planung und Berechnung der richtigen Menge für die Größe der zu bestellenden Felder, versprach einen maximalen Ernteertrag. Natürlich hing ein reichliches Aufgehen der Saat mit seinem Wachstum, selbst bei sorgfältigster Vorbereitung, von den jeweiligen Witterungsverhältnissen in Bessarabien, mit seinem Kontinental-Klima während der Wachstumsphase ab.

Die Ernährung seiner großen Familie hatte oberstes Gebot. Zu deren Absicherung wurde vorrangig eine von ihm kalkulierte Bevorratung unangetastet beiseite gelegt. Erst jetzt wurde das restliche Getreide für die Aussaat und den Verkauf zu anständigen Marktpreisen deponiert. Hier konnte er seine Fähigkeiten durch geschicktes Verhandeln unter Beweis stellen.

Bessarabische Weine

Ebenso ökonomisch wurde mit dem Wein-Depot aus seinem Erdkeller verfahren. Denn dort lagerten in großen Weinfässern beste bessarabische Weine der süßesten Trauben. Prall und vollmundig reiften sie an den sonnigen Hängen in den deutschen Kolonien. Diese Weine waren im ganzen Land und darüber hinaus bestens bekannt und fanden reißenden Absatz.

Mit dem Maisrebbler das Welschkorn entkörnen

Welschkornhaus mit MaisRebbler

Eine weitere Herausforderung für den Ökonom war die Bewältigung des getrockneten Maisvorrats. Mit großem körperlichen Einsatz wurde diese Arbeit bewältigt. Dafür war es notwendig die getrockneten Maiskolben aus dem Welschkornhaus herbeizuschaffen und diese durch den Maisreppler zum Ablösen der Körner zu drehen. Für diese schwere und harte Arbeit wurden mindestens drei Personen zum Bedienen der Maschine benötigt. Sorgfältig wurde auch hier zuerst der Eigenbedarf ermittelt und dafür eine ausreichende Menge zurückbehalten. Der Überschuss konnte nun auf dem Markt meistbietend angeboten werden.

Sämtliche Wirtschaftsgeräte mussten nun noch auf eine eventuelle Instandsetzung vom Bauern überprüft werden. Eine große Herausforderung, denn diese erforderte ein großes handwerkliches Geschick und fachkundiges Handeln! In vielen unterschiedlichen Gewerken musste er sich beweisen. So zum Beispiel reparierte und flickte der Bauer auch an seinem Sattlerstuhl sein Pferdegeschirr. In der Regel bewerkstelligte er sämtliche Arbeiten ohne fremde Hilfe und bereitete so alles auf einen baldigen Einsatz vor.

Reduzierung der Tierkapazitäten in den Stallungen

Tierzucht auf dem Bauernhof

In seinen Stallungen war es notwendig eine Tier-Bestandsaufnahme und eine Reduzierung durch die Wintergeburten einzuleiten.  Je nach Größe des Stalles ermittelte der Ökonom die Stückzahl der Fohlen, Kälber und Lämmer und plante für das Frühjahr den Abverkauf auf den großen Bauernmärkten in Arzis und Tarutino.

Mit einem prüfenden Blick auf den Zustand seines Wagens musste er abwägen, ob dieser noch den zukünftigen Erwartungen entsprechen würde. Wenn ihm dieses nicht mehr gewährleistet erschien, entschloss er sich kurzerhand zum Verkauf desselben. Bei den besten bessarabiendeutschen Wagenbauern in Teplitz, Alt-Postal oder Wittenberg war es kein Problem schnell einen neuen Wagen zu erstehen.

Nach Abschluss aller Planungen, Vorbereitungen und Reparaturen, konnte der Ökonom noch etwas Ausruhen und Kräfte sammeln.

Mit großer Ungeduld wartete er nun auf seinen Einsatz, – Dahoam im Frühjahr!

https://twitter.com/christabrienne

https://www.facebook.com/christa.hilpert.7

Handwerk im „Bauernland Bessarabien“

Landwirtschaftliche Geräte

Landwirtschaftliche Geräte im „Bauernmuseum Kelm“ in Friedenstal Bessarabien

Handwerk  im  „Bauernland Bessarabien“

Erst in den 1840-er Jahren, den schwierigsten zwei Jahrzehnten nach der Ansiedlung, löste der eiserne Pflug den hölzernen für den schweren Boden ab. Vor allen anderen Volksstämmen verfügten die deutschen Kolonisten in Russland über diese neue eiserne Errungenschaft zur Arbeitserleichterung. Das Handwerk:  Noch wurde mit der Hand gesät. Aber die ersten Sä- und Mähmaschinen zählten erst in den 1870-er Jahren durch das Handwerk  zum festen Bestandteil der Bauernhöfe. Sie lösten dann auch die Sichel und die Sense auf dem Feld ab.

In Anbetracht der hohen Anforderungen an die Landwirtschaft mit der Erzeugung aller Rohstoffe für Kleidung, Nahrung und Wohnung der Kolonisten, nahm die Entwicklung in der Folge der Ansiedlungsjahre im Handwerk einen kolossalen Aufschwung. Unterschiedliche Gewerke bildeten sich.   Es sprudelte nur so von Ideen und Erneuerungen im Handwerk und eine ebenfalls aus dieser Not geborene Technik erfasste die Industrie. Das Gewerbe stieg explosionsartig an.  Weit über die Landesgrenzen hinaus waren die Erzeugnisse des deutschen Handwerks in Russland gefragt. Insbesondere die Wagenbauer von Teplitz, Alt Posttal und Wittenberg waren während der russischen Zeit über Südrussland und die Krim bis in den Kaukasus hinein bekannt. Gefolgt von den Gabelmachern von Paris und den Leitermachern aus Neu- und Alt-Elft.

Die Windmühle war zur Zeit der Ansiedlung bekannt. Die deutschen Kolonisten versuchten aber schon sehr früh, diese durch Pferde oder Bodenmühlen zu ersetzen. Da aber die Dampfmühle von den Kolonisten bevorzugt wurde konnten diese sich nicht durchsetzen.  In der Gemeinde Beresina befand sich mit 10 Walzenstühlen die zweitgrößte Mühle Bessarabiens, gefolgt von der Gemeinde Arzis. In den meisten Mühlen befand sich auch eine Oelpresse. Die größten Mühlen waren in Chisinew, Akkermann, Ismail u.a..

Das Handwerk: Gewerbe und Industrie besaßen sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten

Kleinbetriebe wie Branntweinfabriken (Weizenbrennereien, Obst- und Weintraubenbranntwein, Brauereien, Sägewerke, Gerbereien, Töpfereien, Ziegeleien u. m.) konnten sich entfalten.  Ebenfalls bildeten sich Kleinbetriebe, wie Mechanikerwerkstätten in der Metallverarbeitung.  Allerdings nur drei große namhafte Fabriken für landwirtschaftliche Maschinen zählte Bessarabien zu der Zeit der Umsiedlung im Jahre 1940.

Viele Tuchfabriken entstanden um die Jahrhundertwende und zogen eine ansehnliche Zahl von Walkereien und Färbereien nach sich. Dort wurde die heimische Wolle aus der umfangreichen Schafhaltung verarbeitetet.

Weinverarbeitung in der Ausstellung im „Bauernmuseum Kelm“ in Friedenstal

Weinpressen, Traubenmühlen, Putzmaschinen, Maissetzer, Maisrebbler und Mähmaschinen wurden in kleineren deutschen Maschinenfabriken hergestellt.       Den Mittelpunkt der deutschen Industrie in Bessarabien bildeten die Gemeinde Tarutino gefolgt von Arzis und Sarata.

Diese „unsere Vorfahren“  bestanden eine beispiellose handwerklich- und technische Herausforderung und wurden damit zur „tragenden Säule Bessarabiens“.

Mit dem Ziel der Allgemeinheit den Reichtum Bessarabien zu zeigen fand bereits im Jahre 1925 in Chisinau eine bedeutende landwirtschaftliche Industrie-ausstellung durch die Handelskammer Chisinau statt. Mit einem ungeahnten Erfolg wurden über 300 000 Besucher registriert. Die Ausstellung konnte dadurch beachtlich zur Belebung der ökonomischen Bindungen mit den anderen Landesstellen Rumäniens beitragen.

Webstuhl in Bessarabien

Webstuhl im „Bauernmuseum Kelm“ in Friedenstal

http://www.bessarabien.blog/bessarabien-wirtschaftswunder-landwirtschaft-mit-82-prozent-der-bevoelkerung/

https://plus.google.com/u/0/104963303568381414862

https://www.facebook.com/christa.hilpert.7