Bessarabien 1916

Bessarabien 1916. Tief berührt, mit roten Wangen und großen staunenden Augen lauschte ich im Alter von zwölf Jahren einer Erzählung meiner Familie in unserem Zuhause in Niedersachsen, die sich 1916 in Bessarabien an Weihnachten ereignet hatte.  Dieses Weihnachtswunder geschah in der Jahreswende 1916 / 1917, kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges in Bessarabien.

Einführung in die Geschehnisse

Seit der Aufhebung vom Militärdienst im Jahre 1874 mussten die deutschen Kolonisten für den russischen Zaren in den Krieg ziehen. Zahllose deutsche Männer und Söhne kämpften an der russischen Front.(S. Privilegien unter:) http://www.bessarabien.blog/privilegien/ Mit der Kriegserklärung Deutschlands an Russland, am 1. August 1914 wurden die Deutschen Ethnien in Russland über Nacht zum Staatsfeind und zu Kollaborateuren, Spionen und Verrätern erklärt. Unter diesem Deutschenhass und Neid litten neben den Soldaten ebenso die daheimgebliebenen Frauen, Kinder und die Betagten. Unerträglich wurde das Leben der deutschen Kolonisten in Russland.

Feinde des Zarenreiches

Mit dem Verbot der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit, einem Versammlungsverbot von mehr als zwei deutschen Männern innerhalb und außerhalb ihrer Wohnungen, Schließung ihrer deutschen Schulen ab 14. Juli 1914, Enteignung und Zwangsverkauf ihres Grundbesitzes durch das II. Liquidationsgesetz, Verbot ihrer Muttersprache in der Gottesdienstpredigt und einem Leseverbot deutscher Zeitungen und Bücher, wurden sie zu Staatsfeinden im Zarenreich. Wiedersetzungen wurden mit hohen Geldstrafen, durch stationierte russische Beamte geandet. Dieses alles waren jedoch nur Vorboten auf das Unbegreifliche was der deutschen Bevölkerung Bessarabiens noch bevorstand.

Deportation nach Sibirien, im Januar 1917

Die Deportation der Bessarabiendeutschen nach Sibirien wurde für den Januar 1917 beschlossen und die Besitzurkunden unserer Vorfahren eingezogen. Für die Zwangsevakuierung und den Abtransport nach Sibirien wurden Gütereisenbahnwaggons in den Bahnhöfen der deutschen Kolonien bereitgestellt. Mit leeren Händen waren sie vor 100 Jahren in die wilde Steppe Bessarabiens gerufen worden und mit leeren Händen sollten sie ihre „so lieb gewordene Heimat“ wieder verlassen. In dieser Tragik lag ein grenzenloser Schmerz und ein schier unerträgliches Leid.

Ein allerletztes gemeinsames Weihnachtfest

Jesus Christus

Unfassbar, ein allerletztes Weihnachtsfest sollten sie noch in der Gemeinschaft ihrer bessarabiendeutschen Brüder und Schwestern feiern dürfen. In diesem Leid bereiteten sie sich auf das letzte Weihnachtsfest vor. Am „Heiligen Abend“ des 24. Dezember 1916, versammelten sich alle Kolonisten in ihren Kirchen und beteten ihren ganzen Schmerz himmelwärts. Tränen flossen in Strömen und ihre Gebete erhoben sich zu Gott. Es war das schmerzlichste und größte Weihnachtsfest in der Geschichte Bessarabiens. Fest im Glauben und mit leeren Händen standen sie vor dem Kreuz Jesus Christus. Hier brach sich ihr Schmerz seine Bahnen zum Höchsten. In seine Hände befohlen sie ihren Geist. In Hoffnung und tiefem Glauben an Gott und Jesus Christus feierten sie das letzte Weihnachtsevangelium in Bessarabien.

Gott erhörte ihre Gebete

Gott erhörte ihre Gebete, ließ ein Wunder geschehen und errettete seine Kinder vor der Verbannung nach Sibirien. Und so geschah es: Um Mitternacht des 24. auf den 25. Dezember 1916 in Bessarabien, begann es zu schneien. Es schneite stunden-, tage-, und wochenlang. Es wollte gar nicht aufhören! Ihre Häuser versanken in den Schneemassen. Alle Dörfer waren voneinander abgeschnitten und ein Durchkommen unmöglich. Dieses Wunder Gottes hielt bis Ende Februar 1917 an. Die Eisenbahnwaggons waren völlig eingeschneit und der Zeitraum für die Evakuierung überschritten.

Im Februar brach die VI. russische Armee zusammen. Die ausgehungerten und waffenlosen Krieger traten den Rückzug an. Sie fanden Unterschlupf in den leeren und zur Evakuierung bereitgestellten Güterwagen und wurden zudem in den deutschen Kolonien, in ihren warmen Stuben, mit Kleidung und Nahrung versorgt.

Durch die russische Revolution im März 1917 und das Abdanken Nikolaus II wurde das Zarenreich aufgelöst. Erst jetzt konnten die Deutschen in Bessarabien nach langen und bangen Monaten der Ungewissheit „wieder aufatmen“. Sie erhielten ihre Besitzurkunden zurück und durften bleiben. Dieses Gotteswunder geschah Weihnachten 1916 in Bessarabien. Und Wunder geschehen täglich auf der ganzen Welt. Wir müssen nur daran glauben und sie sehen wollen.

Gesegnete Weihnachten

Ihre Christa Hilpert-Kuch

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