Bessarabien: Wirtschaftswunder-Landwirtschaft mit 82 Prozent der Bevölkerung

Die bäuerlichen Wirtschaftsbetriebe durchlebten unsägliche Not

dennoch machten sie Bessarabien zur „Kornkammer Europas“

Der Landwirtschaft in Bessarabien „Ehre und Anerkennung“

S. u. Auszug aus meinem Vortrag in Verden/Aller, am 10. Dez. 2017.

Christa Hilpert-Kuch

Bessarabien: Wirtschaftswunder-Landwirtschaft mit 82 Prozent der Bevölkerung. Völlig im Zeichen der Landwirtschaft, stand die wirtschaftliche Gliederung in Bessarabien. Für die einzelnen Handwerke und die spätere Industrialisierung in Bessarabien legten die Erfahrungen und Entdeckungen des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts den Grundstein. Im Jahre 1930 bei einer Berufszählung waren 82% der bessarabischen Bevölkerung hauptsächlich in der Landwirtschaft tätig und übten teilweise begleitend oder hauptberuflich verschiedene handwerkliche und industrielle Berufe aus. Es folgte das Handwerk mit 12.8 Prozent, die Industrie mit 1,99 Prozent, geistige Berufe mit 1,60 % und der Handel war mit 0,85% vertreten.

http://www.bessarabien.blog/schwarzmeerdeutsche/

Der bäuerliche Wirtschaftsbetrieb

 

In Bessarabien war Landbesitz nicht nur Lebensquell, sondern auch Statussymbol. Bessarabien: Wirtschaftswunder-Landwirtschaft mit 82 Prozent der Bevölkerung. Einen der ältesten und lebenswichtigsten Wirtschaftsbereiche stellte auch dort die Landwirtschaft dar. Sich selbst mit den Bedürfnissen des Tages zu versorgen ist die Aufgabe der Urwirtschaft eines Volkes. Was Kleidung, Nahrung und Wohnung anbelangt, ein breites Feld. Das mit Hausfleiß oder Hauswerk umschriebene primitive industrielle Betriebssystem, welche der Kleinindustrie zuzuordnen ist, wurde die tragende Säule in Bessarabien. Durch die Vielfalt der bäuerlichen Erzeugnisse erforderte sie vom Bauern und seiner gesamten Familie ein hohes Kenntnismaß sowie einen hohen körperlichen Einsatz. Die bäuerliche Vielfalt machte Kinderarbeit unumgänglich. Mit der Erzeugung von Rohstoffen durch die Landwirtschaft wurde die Herstellung der für die Bekleidung, hauptsächlich aus den tierischen Produkten wie Leder, Pelz und Wolle sowie dem aus Flachsfasern hergestellten Leinen notwendige Produkte für die Menschen ermöglicht.

In der Landwirtschaft war von frühmorgens bis spätabends Saison. Dieses erforderte den ganzen Einsatz der Bauern und Bäuerinnen.

Bessarabien: Wirtschaftswunder-Landwirtschaft mit 82 Prozent der Bevölkerung.

Bepackt mit dem benötigten Pferdefutter, mit dem Saatkorn, dem Dreischarpflug, der großen Egge mit eisernen Zinken und einem großen Wasserfass ging der Bauer im Frühjahr mit zwei Pferdewagen auf die teilweise 20 Km entfernten Felder. Sorgfälltig war in der Steppenkiste das Essen für einen ganzen Tag verpackt. Der getöpferte Milchkrug und der Weinkrug durften nicht fehlen.

Nach einem harten Arbeitstag kamen des Abends todmüde der Bauer, die erwachsenen Söhne und die Knechte vom Felde zurück. Der Hofhund erkannte am Klang des Kolonistenwagens das Nahen seines Herren, und sein Bellen kündigte der Bäuerin das Kommen ihrer Leute an.

Nach dem Abendbrot hatten der Vater und die Söhne noch einiges zu tun. Für den nächsten Tag musste das Saatgetreide gerichtet, die Ackergeräte, das Pferdegeschirr und die Wagen überprüft und notfalls in Ordnung gebracht und die Pferde versorgt werden. Zur Ruhe kam man erst spät abends.

Bessarabien: Wirtschaftswunder-Landwirtschaft mit 82 Prozent der Bevölkerung. Gerste, Mais, Senf, Hafer, Sommerweizen, Sonnenblumen, Rizinusbohnen und Soja sowie Klee und anderes Grünfutter als Frühjahrssaat brachte der Bauer in wenigen Wochen in den Boden.

Viele Arbeiten in Hof und Garten und das Schneiden der Weinreben waren zwischendurch auch noch zu erledigen. Dreimal umgesetzt, getrocknet und für den Winter als Brennmaterial eingeschobert werden musste derweil der Mist, nachdem er zuvor ausgebreitet, gewalzt und später gestochen und aufgestellt wurde.

Schon im zarten Alter von sechs Jahren wurden die kleinen Jungen und auch die Mädchen zur Feldarbeit herangezogen. Durch die Pflanzenreihen mit dem Welschkornpflügele lenkten sie als Ausreiter ihr Pferd.

Die härteste und schwerste Zeit des Jahres war für den Bauern die Dreschzeit.

Wenn Anfang Juli die Getreideernte begann die Getreideernte, surrte und ratterte die Mähmaschine den ganzen Tag. Die Pferde wurden ausgewechselt, denn die Maschine musste unentwegt im Einsatz sein. Über drei bis vier Wochen wurden pro Tag etwa vier bis sechs Hektar gemäht.

Das Rollen der hinausfahrenden Erntewagen, auch Harbiwagen genannt, fing schon frühmorgens um zwei Uhr an. Um 7.30 Uhr morgens kamen die Erntewagen hochbeladen gemächlich wieder in den Hof hineingefahren.

Bessarabien: Wirtschaftswunder-Landwirtschaft mit 82 Prozent der Bevölkerung. An dem Dreschtag wurde das Getreide am Dreschtag auf dem Dreschplatz ausgebreitet und mit drei Dreschsteinen von je zwei Pferden gezogen und ausgedroschen. Mit Dreschsteinen hat sich das herkömmliche Dreschen bis zur Umsiedlung in vielen Gemeinden gehalten. Jedoch schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde auch die Dreschmaschine eingeführt, was zu einer wesentlichen Verkürzung der Dreschzeit beitrug.

Die ersten Weintrauben waren schon Anfang August reif, Mitte Juli die Wasser und Zuckermelonen. In der Glut konnten auch in dieser Zeit die ersten Maiskolben gebraten oder in Salzwasser abkocht genossen werden.

Im September nahm für zehn bis zwölf Tage die Kürbis und Mais- (auch Welschkornernte genannt) in Anspruch und daran schloss dann direkt die Weinernte an.

Bessarabien: Wirtschaftswunder-Landwirtschaft mit 82 Prozent der Bevölkerung. Um das Ausbringen der Wintersaat in den Boden und das Umpflügen der Stoppelfelder musste sich der Bauer vor Wintereinbruch kümmern.

Kalte Winter in Bessarabien brachten schon Anfang Dezember den ersten Schnee. Vom reichen Schneefall hing eine gute Ernte ab, denn er schützte die Wintersaaten vor dem Ausfrieren und sicherte außerdem die notwendige Bodenfeuchtigkeit.

Auf keinem Bauernhof durfte der Hofhund fehlen. Ein guter und treuer Hüter von Haus und Hof und für die Kinder ein Freund und Beschützer.

Mit einer großen Gänseschar waren die Bauernhöfe ebenso bevölkert. Meist waren es 30-60 Stück an der Zahl. Praktisch erfolgte die Gänsehaltung wegen der Federn und Daunen.

In fast allen Familien wurden in Bessarabien auch Hühner, bis zu teilweise 100 Stück, in Bessarabien gehalten. Die Hühnerhaltung bildete einen Nebenzweig des Landwirtschaftlichen Betriebes.

 

Wahrzeichen Bessarabien

Wahrzeichen Bessarabien

Wahrzeichen der Bessarabiendeutschen erklärt

Das Wappen:
Eine Widerspiegelung der verlassenen Heimat am Schwarzen Meer

Selbstredend: Das Heimatlied

Wahrzeichen Bessarabien

Bedeutung der Farben und Symbole im Wappen Bessarabien:                                     Die Farbe „Blau“ im Wahrzeichen Bessarabien steht für die Farbe des Himmels über der fruchtbaren Erde; das „Gelb“ symbolisiert die weite Steppe und die wogenden Weizenfelder; der „Steppenbrunnen“ das notwendige Wasser in der Steppe; das „Steppenpferd“ als treuer Begleiter des Bauern bei seiner Feldarbeit von der Saat bis zur Ernte; und „das Kreuz“ in der Mitte des Wappens symbolisierte ihren unerschütterlichen und ausgeprägten Glauben und die Hoffnung. Bei ihrer Ankunft in Bessarabien, trugen einige nur ihre Bibel und das Gesangbuch als einziges Reisegepäck bei sich. Der Glaube und die Hoffnung waren ihre einzig beständigen Begleiter während der gesamten Siedlungszeit über fünf Generationen. So bewahrte die Bibel und das Gesangbuch die Bessarabiendeutschen vor Verfremdung und waren ein Garant ihres getreuen Volkstums als Deutsche in der Fremde.

Wahrzeichen Bessarabien: Zur Machtübernahme rückten im Dezember 1917 die Rumänen nach Bessarabien ein. Die Farbe „Rot“ in der Mitte steht symbolisch für die rumänische Flagge und die „Ähren“  für den Erfolg ihrer harten Arbeit

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