Kindheitsträume

Kindheitsträume der ersten Lebensjahre in Bessarabien.Wohlbehütet in der Kinderplacht

Eltern und Großeltern hatten in Bessarabien ein zuversichtliches Lebensgefühl. Der Sinn des Lebens war durch ihren Glauben und die bäuerlichen Verhältnisse geprägt. Diese Grundwerte übertrugen sie auch auf ihre Kinder und die Jugendlichen.

In den Kolonistenfamilien war Kinderreichtum ein natürlicher Wunsch. Getragen und gehalten, fest gewickelt in eine Placht, am Herzschlag der Mutterbrust, erlebte der Säugling die göttlichen Ordnung im Rhythmus, der Nähe und Zuneigung der Mutter. So konnte auf diese Weise eine enge Mutter- Kind-Bindung entstehen und entscheidend zur Festigung eines gesunden Urvertrauens beitragen. In einer klaren Rollenverteilung, waren der Haushalt und die Kindererziehung reine Frauensache. War das Kleinkind von der Mutterbrust entwöhnt, wurde überwiegend die Betreuung durch die älteren Geschwister übernommen. Kindergärten waren nur in ganz wenigen Kolonien vorhanden. Ebenso verhielt es sich mit der Kleidung der älteren Geschwister, in welche die jüngeren nach und nach hineinwuchsen. Auch das selbst gefertigte Spielzeug wurde durch die verschiedenen Altersstufen in der Kinderschar weitergegeben. In ihren unbeschwerten Kindheitstagen streunten die Kleinkinder barfuß an den langen Sommertagen auf den Höfen mit der Sommerküche, dem Garten oder in der Umgebung umher. Badevergnügen am SteppenflussZu ihren Kindheitsträumen gehörte auch eine heile Tier- und Pflanzenvielfalt. Heller und bunter Vogelgesang, Schilfrohr, Binsen und Hartgräser an Bächen und Tümpel, lieferten inmitten einer intakten Natur, reichlich sinnvolle Entwicklungsspielräume. An heißen Sommertagen boten die Steppenflüsse mit ihren breiten Ufern an den Kolonistendörfern, allerlei Vergnügen für jung und alt.

Das Gänsehüten

Zu einer der schönsten Erinnerung vergangener Kindheitsträume gehörte auch das sorgenfreie Gänsehüten. Es war eine der ersten Aufgaben des Kindes und diese war gleichsam mit großer Freude und Spaß verbunden. Denn für die auf der Gänseweide zusammenkommenden Buben und Mädchen, war es mit allerlei Kinderspielen, wie z. B. der „Sauhirt“, u. v. m. verbunden. Ganz nebenbei bereitete es häufig große Mühe, die auf Wanderschaft bedachten Gänsemütter mit ihren Küken in der Nähe zu halten. Gern erinnert man sich an die vielen Akazienbäume mit ihrem wohlschmeckendem Blütennektar. Weitere beliebte Köstlichkeiten des Sommers und auch ein Ersatz für Süßigkeiten boten die ausgegrabenen Süßholzwurzeln, ein Stückchen Zuckerrohr, verschiedene Früchte aus dem Sommergarten wie u. a. die vollreifen Aprikosen, oder die allersüßesten Melonen. Gerade die „Arbusen“ hatten es den Kindern angetan und wurden gegessen, bis der Bauch sich wölbte. Ebenso waren die von den Dächern herabhängenden Eiszapfen im Winter ebenfalls begehrter Zeitvertreib und diente als Lutschstange.

Die wichtigste Mahlzeit des Tages war das Mittagessender ganz selbstverständlichen bessarabischen Bio-Küche- ohne lange Transportwege. Auf diese kulinarischen und saisonalen Besonderheiten eines gemeinsamen Mahles freute sich die ganze Großfamilie. Die Nahrung war ohne Düngung und frei von jeglichen Zusätzen. Eine einzigartige Mischung, aus dem Schwäbischen, Russischen, Ukrainischen, Rumänischen und anderen fremdstämmigen Mitbewohnern. Ihre Weizenfelder füllten ihre Mehltruhen und die Geflügel und Haustierhaltung versorgte die Familie mit Eiern, Milch und Fleisch. Waren Verwandte zu Besuch auf dem bäuerlichen Hofe, fand sich die Kinderschar glücklich und zufrieden an den separaten sogenannten „Katzentischen“

zum gemeinsamen Mahl. Welch eine Freude…..!

Aus den Überlieferungen der Generationen in Bessarabien,

hatten die Kinder zu gehorchen, sich brav und ruhig zu verhalten und nicht den arbeitenden Erwachsenen im Wege herumzustehen. Durch die patriarchalische Ordnung, in der die Deutschen in Bessarabien lebten, geprägt von harter Arbeit und Sparsamkeit, erfuhr die Kinderschar „vom Vadder“ , durch seine harte Hand und oft viel zu früh, eine Vorbereitung auf ihre zukünftige Lebenswirklichkeit. Auch heute noch sprechen die betagten Alten über ihre unbeschwerten Kindheitstage in der alten Heimat, insbesondere im Vorschulalter. Mit verträumten Blicken beginnen sie zu schwärmen und lassen ihre Kindheitsträume wieder aufleben. Oft heißt es dann: „Was hatten wir doch für eine wunderschöne Kindheit, in Bessarabien. Und diese tief verwurzelten Erinnerungen hätten sie stets begleitet und durch viele Höhen und Tiefen ihrs Lebens getragen“.

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Erinnerungskultur

ALT ELFT UND NEU ELFT

Alt-Elft Oberdorf mit einer 40 Meter breiten HauptstraßeErinnerungskultur – Alt und Neu Elft. Als deutsche Auswanderer zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts nach Bessarabien am Schwarzen Meer zogen, erfolgten die ersten Ansiedlungen im südlichen Teil Russlands , dem sogenannten Budschak. Diese neuen Kolonien wurden bei Gründung ab dem Jahre 1814 nach Zahlen benannt. So wurde im Jahre 1816 auf der Gemarkung Nummer 11 im Kogälniktal, die „Kolonie Alt- mit Neu Elft“ gegründet.

Auf Befehl des Zaren erhielt die Kolonie Nummer 11 den Namen „Fere-Champenoise I/ Sadove“. Dieser Name erinnerte an die große Schlacht Napoleons gegen die Westarmeen Preußens, Russlands und Österreichs, die damals Napoleon nach Fere-Champenoise in Frankreich zurückdrängten. Die ersten 126 Ansiedlerfamilien stellten sich allerdings gegen den Wunsch des Zaren Alexander I und forderten erfolgreich den Namen Alt- und Neu Elft zurück.

BESTES LAND UNTER MANNSHOHEM STEPPENGRAS

Da ihre fruchtbaren Felder und Weideflächen in südöstlicher Richtung zu weit entfernt lagen, wurde die Gemeinde geteilt. So konnten beschwerliche und zeitraubende Wege umgangen werden. Die Teilung Alt Elfts wurde über die geraden und ungeraden Hausnummern entschieden. Bewohner mit geraden Hausnummern wie 2, 4, 6…, wurden daraufhin nach einem Beschluss einer Bürgerversammlung ausgewählt „Alt Elft“ wieder zu verlassen. Die nur kurz zur Ruhe gekommenen Ankömmlinge mussten sich schweren Herzens aus der Gemeinschaft lösen. Voller Trauer verließen sie die Kolonie. Ein schmaler Weg über eine Anhöhe führte den kleinen Treck in das dahinterliegende Tal mit dem Steppenflüsschen „Alliaga“ – nach „Neu-Elft“. Ihr neues Siedlungsland lag nur einen Steinwurf und durch einen Hügel getrennt von Alt-Elft.

Bei der Urbarmachung ihres Siedlungslandes erfuhren die Siedler große Entbehrungen und Leid auf allen Ebenen ihres Lebens. Hohe Verluste durch Missernten folgten in den Jahren 1823, 1830, 1867, 1899 und 1904 und eine der stärksten Heuschreckenplage im Jahre 1875.

Erdhütten boten Schutz vor Kälte

Ihren ersten Erdhütten folgten bald menschenwürdige Behausungen aus Lehmbatzen, Schilf und Rohr. Diese bildeten den Übergang zu den später stattlichen und massiven Häusern aus Muschelkalk. Mit großem Eifer widmeten sich die Bewohner Alt- und Neu-Elfts ihrem Haupterwerb, der Landwirtschaft.

Schnell erkannten sie in dem fruchtbaren Boden unter der wilden Steppe und der sonnigen und besonderen Hanglage ihre Chance für den Weinbau und Obstanbau. Bis 1848 legten die Bewohner beträchtliche Weingärten mit 155 000 Weinstöcken an und ebenso rasch erfolgte der Aufbau großer Obstplantagen mit Apfel, Pflaumen, Aprikosen, Nuss, Birnen, Kirsch, Pfirsich und Maulbeerbäumen. Mit ihren wohl best gepflegten Obstgärten und einer so geschlossenen Dorfgemeinschaft, gelang es ihnen herausragende Weine aus besten Trauben bis in das innere Russlands zu führen und zu einer wichtigen Einnahmequelle zu machen.

Mit tüchtigen Handwerkern insbesondere für die Landwirtschaft, einer Dampfmühle, zwei Windmühlen, einer Ölmühle, einer Genossenschafts- und Privatmolkerei, u.a. Leitermacher (Wagenleitern), Schuster, Metzger, Steinmetzen, Schneider, sowie einer Holzhandlung trugen sie im wirtschaftlichen sowie industriellen Zweig zu einer guten Infrastruktur bei. Gleichfalls entwickelte sich in den beiden Gemeinden neben einem Bläser- und Kirchenchor, ein Frauen- und Bildungsverein und zwei Sportplätze.

Eine mächtige Kirche mit 800 Sitzplätzen war die Zierde ihres Dorfes

Alt-und Neu-Elft war eine sehr lebendige Kirchengemeinde. In den Jahren 1894 bis 1896 erfolgte ein neuer großer Kirchenbau, mit einer Einweihungsfeier am 6. Oktober 1896. An den Sonntagnachmittagen wurden in sechs Versammlungen Gebetsstunden abgehalten. Auch rege Jugendgemeinschaften nahmen an den Stunden- und Gottesdiensten teil. Dieser Gemeinschaftssinn führte zur Erweckung zahlreicher Gemeindeglieder. Darunter viele Jugendliche. Gleich nahe der Kirche, auf der gegenüberliegenden 40 m breiten Straßenseite, befand sich das neue Rathaus und das neue Schulhaus für 300 Schüler mit den Lehrerwohnungen.

Neu-Elft entwickelte sich zu einer Vorzeigegemeinde von besonderem Niveau und war später „Alt-Elft“ in jeglicher Hinsicht weit überlegen. Gegenüber allen anderen Siedlungsgemeinden bildete sich hier eine herausragende Besonderheit ihrer ureigenen Mundart aus schwäbisch, hochdeutsch und plattdeutsch. Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahre 1874 und besonders auch um und nach der Jahrhundertwende, setzten Auswanderungswellen nach Übersee ein.

Beinahe unverändert: Die Schule Alt-Elft im Jahre 2015 bei meinem Besuch (oben) und siehe unteres Bild – vor der Umsiedlung

Im Jahre 2015

führte mich, Christa Hilpert-Kuch,  mein Weg quer durch Bessarabien und auch zu diesen beiden Gemeinden, Alt- und Neu Elt. Im Dorfmittelpunkt finde ich den hohen Kirchturm

der ehemaligen Kirche abgetragen und im Korpus das heutige Kulturhaus in seiner Verwendung. Im Inneren probte gerade ein Kinderchor für eine Theateraufführung. Bei meinem Besuch im Jahre 2015, war beinahe jedes Haus noch so gut erhalten, wie es einmal von den Deutschen Bewohnern aus Muschelkalkstein errichtet wurde.

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Gesellschaftliche Stellung der Frauen in Bessarabien

Bauernhaus in Lichtental Wie war die gesellschaftliche Stellung der Frauen in Bessarabien? Welche Rolle nahmen die Bäuerinnen in der 125-jährigen Siedlungsgeschichte in Bessarabien ein? Definierten sie sich nur über das Weben, Stricken oder Nähen? Oder waren sie nur einfach, schlicht und fromm?

Christina Kuch, Eltern Volz+Breitmeier27.5.1887, Großmutter von Christa Hilpert-KuchWeit über dieses hinaus bekannten sie sich getreu und voller Pflichterfüllung zu ihrem eigenen Volkstum und zu ihrer Rolle als getreue Ehefrau, Hausfrau aber vorrangig als Mutter großer Kinderscharen, von bis zu zehn Kindern und mehr. In reiner Pflichterfüllung und Unterordnung war ihr Leben auf ihren Ehemann ausgerichtet. Ebenfalls sehr ernst nahmen sie die Verpflichtungen, ihre Kinder zu gläubigen, fleißigen und rechtschaffenden Menschen zu erziehen. Kinderreichtum war demzufolge in Bessarabien mit eigenen Arbeitskräften gleichzusetzen.  -Obendrein sahen sie ihre fortwährenden Schwangerschaften, „ohne zu klagen“, als Segnung Gottes und als Notwendigkeit im Kreislauf der Zeit bedingungslos an.   Beten, danken und arbeiten“ bestimmten ihren Tagesablauf – weit über Haus, Garten und Hof hinaus.  .


Frauen auf dem Feld in Brienne

Abgesehen von einer Minderheit bäuerlicher Betriebe, welche sich wirtschaftlich Dienstboten und Knechte erlauben konnten, musste die Mehrheit der Frauen, auch noch hochschwanger bis kurz vor dem Geburtstermin zur Saat- und Erntezeit, harte Männerarbeit auf den Feldern leisten. Durch ihre vielen Geburten, ohne ärztliche Versorgung, war die Sterblichkeitsrate der Ehefrauen und auch die der Kleinkinder entsprechend hoch. Im Folgenden blieben viele Kinder als Halbwaise – oder Vollwaise durch einen ebenfalls frühen Tod des Vaters zurück. Die hinterbliebenen Kinder wurden auf die Verwandten verteilt oder fielen einer Stiefmutter durch eine rasche Heirat des Vaters zum Opfer.   —Natürlich gab es auch Stiefmütter die sich liebevoll um die Kinder ihres neuen Ehemannes kümmerten.

          Heirat ohne Zwang

Immerhin wurde in Bessarabien keine Frau zur Heirat gezwungen. Sie hatte die Qual der Wahl:  – Entweder als Unverheiratete gesellschaftlich nicht zu existieren oder kindergebärend arbeiten bis zum Umfallen und dabei mittel- und rechtlos, aber an der Seite eines Mannes zu leben. Denn mit ihrer Heirat begab sich die Kolonistenfrau aus der Abhängigkeit ihres Elternhauses, freiwillig und direkt, in die eines in der Mehrzahl despotischen bessarabiendeutschen Mannes.

Infolge der Heiratsurkunde erging auch sogleich ihre elterliche Mitgift an das Vermögen des Gatten über. Sie selbst blieb in dieser Ehegemeinschaft „mittel- und rechtlos“!

Aug um Aug

standen die Kolonistenfrauen treu zu ihrem Volkstum und erkannten mit dem Einverständnis zur Ehe auch ihre große, entscheidende Rolle zu allem Geschehen in Bessarabien.  –Mit ihrem Fleiß, ihrer Körperkraft und ihren seelischen Stärken, beteiligten sie sich am Mehren des Wohlstandes ihrer großen Familie.

Unermüdlich bewegten sie sich in einem selbstlosen und überlebenswichtigen Einsatz zur bessarabiendeutschen Gemeinschaft. Neben der Hauswirtschaft mit Blumen-,Gemüse-,Obstgarten; dem Verarbeiten und Fermentieren von Obst und Gemüsesorten für den Winter; dem Brotbacken und Essen kochen für ihre großen Familien – auch in der beliebten Sommerküche; dem Wäschewaschen; am Spinnrad; dem Webstuhl; der Strick- und Näharbeit für die ganze Familie und für die Ausstattung im Haushalt; der mütterlichen Fürsorge für die große Kinderschar oder auf dem Dreschplatz, widmeten sie sich zusätzlich der umfangreichen Geflügel- und Schweinezucht sowie ihrer Molkereiwirtschaft. 

Bauerngehöft mit SchöpfbrunnenFrauen bei der Herstellung von Lehmziegel/Batzen

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 (Die Bäuerin hatte es im Winter umso schwerer)

Jeder Tag der Bäuerinnen war von morgens früh, bis abends spät, angefüllt mit wichtigen und lebenserhaltenden Aufgaben. Von ihrer Gesundheit und Schaffenskraft hing der Wohlstand ihrer Familie ab. Aber auch ihr eigenes gesellschaftliches Ansehen erwuchs darüber hinaus innerhalb ihrer Kolonistengemeinde.

Dieses erfüllte sie mit einem besonderem Stolz und es war ein verdienter Lohn für alle ihre Einsätze und Mühen.

Die gesellschaftliche Pflege über ihre Familie zu Freunden, Nachbarn und Verwandten waren für sie wichtige Kraftquellen. Für das gesellige Miteinander musste immer eine Zeitreserve bleiben.

Sprachlos über diese für mich „wahren Heldinnen der bessarabiendeutschen Siedlungsgeschichte“ verneige ich mich voller Hochachtung und frage ich mich:

Wie war es ihnen noch gelungen auf dem Hofbänkle an der langen Chaussee, ein Stündchen schwätzend mit dem Ehemann oder einer Nachbarin, zu verweilen?“

Christina Kuch, Eltern Volz+Breitmeier27.5.1887, Großmutter von Christa Hilpert-KuchChristine Kuch, geb. am 27.05.1887

Brienne/Bessarabien

Eltern: Katharina Breitmeier u.

Joh. Volz/

Großmutter von: Christa Hilpert-Kuch                     

Foto:1940 im Lager

 

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Dahoam – mit Pudelkapp und Fell-Gamaschen

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Dahoam – mit Pudelkapp und Fell-Gamaschen  Kalt war der Winter Dahoam in Bessarabien und soweit das Auge reichte zeigte er sich in einem weißen Kleide. Über Wochen bedeckte eine dicke Schneedecke die weite Steppe Dahoam in den deutschen Kolonien Bessarabiens. Die breiten und langen Chausseen in den Dörfern boten dem eisigen Wind einen kraftvollen Atem. Ungestüm pfiff er den Menschen um die Ohren und rieb der Bevölkerung rote Wangen ins Gesicht, unter ihrer Pudelkapp. Diese Färbung wurde allgemein als gesunde Gesichtsfarbe gedeutet, besonders wenn ein dicker Pelz den Körper warm einhüllte. Für trockene und warme Füße und Beine sorgten lange Fell-Gamaschen über dem Schuhwerk. Sie boten Schutz vor Frost und Schnee.

Viel zu hart war die Arbeit innerhalb des Jahres und nun wo die Feldarbeit ruhte, konnte sich der Bauer eine kurze Atempause gönnen. Besonders hingebungsvoll widmete er sich jetzt der besonderen Fellpflege seiner geliebten Pferde, „seine treusten Freunde“ und versorgte sie mit bestem Futter.  Nach getaner Stallarbeit hatte er Zeit und Muße sich im laufe des Tages mit seinen Freunden, Nachbarn und Bekannten auszutauschen.

Mit Pudelkapp und Fell-Gamaschen

fühlte er sich dem stärksten Schneesturm gewachsen. Bei seinen Besuchen erfuhr er Neuigkeiten aus der Gemeinde, tauschte sich über die Bearbeitung seines Ackerbodens aus oder erfuhr die neuesten Meldungen der soeben eingetroffenen Zeitung. Es wurde diskutiert und ausgetauscht. Und um die Freizeit so richtig zu genießen, zeigte sich die Bauer einer Einladung zu einem guten Wein nur selten abgeneigt. Es konnte geschehen, dass bei dieser Gelegenheit Zeit und Raum und die wartenden Lieben Dahoam vergessen wurden. Einen guten Vorrat besten Weines, aus dem eigenen Weinberg, konnte jedes bäuerliche Anwesen sein Eigen nennen. In großen Fässern lagerte der Wein in den tiefen Außenkellern und wartete auf den Verzehr. Bestens versorgt damit, durfte der Winter auch mal gern länger dauern. Diese Annehmlichkeiten der Winterzeit entschädigten so manchen Bauern für die großen Anstrengungen und Entbehrungen der vergangenen Monate.

Die Bäuerin hatte es im Winter umso schwerer.

Die Fertigstellung einiger Arbeiten während des laufenden Jahres mussten aus Zeitmangel auf die Wintermonate verschoben werden und das Stricken, Flicken, Reinemachen, Kochen, Waschen und vieles mehr gehörten ja ohnehin zu ihren täglichen Aufgaben, in ihrer Großfamilie.

Weitere Herausforderungen kamen jetzt zur Winterzeit auf die Kolonistenfrau hinzu.

Dabei war der gebrochene Flachs und Hanf aus der Sommerernte und wartete auf seine Verarbeitung. Das unermüdliche Surren des Spinnrades war im ganzen Haus zu hören. Viele  Säcke für die Ernte, Strohsäcke  für die große Familie und Plachten für den Dreschplatz mussten gewoben und genäht werden. Fast ununterbrochen lief der in der Küche aufgestellte Webstuhl. Zu den absoluten Pflichten einer  Hausfrau in Bessarabien gehörte das Weben. Es war ein „MUSS“ dieses Handwerk frühestmöglich an die heranwachsende Tochter weiterzugegeben und das Handwerk zu erlernen.  Seit dem Sommer warteten Berge an bereits gewaschener Schafwolle auf ihre Veredelung und die unterschiedlichste Verarbeitung. Strickkleidung, Häkelarbeiten, Steppdecken, handgewebte feine Stoffe, Läufer, Fußteppiche und Klöppelarbeiten mussten daraus hergestellt werden. Unermüdlich reihte sich eine Arbeit an die andere.

Die Hände der Bäuerin und Töchter fanden im Winter keine Ruhe.

Bei all ihrem Einsatzes verstanden es die Frauen in Bessarabien dennoch herrliche und unvergessene Winterabende zu arrangieren. Verabredungen, teilweise mit dem Ehemann und dem Spinnrad oder dem Strickzeug unter dem Arm, bei Freunden, Nachbarn und Bekannten wurden am Abend mit gebratzeltem Mais (in heißem Sand gebratene Maiskörner) und beim Sonnenblumenkörnernknacken sehr genossen.  Gered wurd über des und sell“ und vor allen Dingen wurde das eine oder das andere Lied gesungen. So z. B. folgendes: „Ich bin das ganze Jahr vergnügt.….“ etc.. Spätestens, wenn die Uhr dann 22 oder 23 Uhr angezeigt hatte, verabschiedete man sich in dem Bewusstsein „wieder einen schönen Abend verbracht zu haben“.

Unerschütterlich und getragen von Hoffnung und Glauben, fest verankert in ihrem deutschen Gemeinwesen von „Dahoam, dem Großdeutschenreich“, lebten und arbeiteten die Bessarabiendeutschen in der Fremde, bis zu ihrer Umsiedlung, im Jahre 1940. https://www.facebook.com/christa.hilpert.7

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Bessarabische Spezialitäten- Kochkurse in Verden/Aller weckten wieder großes kulturelles Interesse

Erinnerungskultur: So geschehen wie jedes Jahr an den Freitag-Abenden, sollte es auch im März dieses Jahres weitergehen. ( bessarabische-spezialitaeten-kochkurse-in-verden )

Eine Köstlichkeit der Bessarabischen Küche-gebratene Paprika“

http://www.bessarabien.blog/golubzy-haluschken

Bessarabische Spezialitäten-Kochkurse-in-Verden. Viele Teilnehmer hatten sich auch in 2019, über die Kreisvolkshochschule Verden mit der Dozentin Christa Hilpert-Kuch, zu den alljährlich stattfindenden Kochkursen angemeldet. Mit viel Leidenschaft wurden die Gerichte der Bessarabiendeutschen Kolonistenfrauen zubereitet und so zu einem gemeinsamen Erlebnis.

Wie einst in Bessarabien wurde der Teig geknetet, geschlagen und bearbeitet bis der Schweiß auf die Stirn trat. Einige erkannten jedoch unter Zurhilfenahme elektrischer Küchengeräte den technischen Fortschritt und wetteiferten untereinander in den vier uns zur Verfügung stehenden Küchen. So blieb es nicht aus, dass beim Lachen und Schwätza (Erzählen) das eine oder andere Gericht einen leichten Brandgeruch aufkommen ließ. Die allzu bekannten Speisen Ihrer Großmütter oder Großväter wurden besonders von den jungen Teilnehmern mit Begeisterung nachgekocht.

Erfreulicherweise hatte auch die Enkelkindergeneration großes Interesse an den kulinarischen Lebensgewohnheiten ihrer bessarabien- und dobrudschadeutschen Vorfahren und so nahmen ganze Familien mit ihren Söhnen und Töchtern oder Mütter mit ihren Töchtern an diesem besonderen Kocherlebnis teil.

Diese kulinarische Erinnerung zum Mitmachen und Anschauen, war eine Freude! Da passierte etwas im Inneren der Teilnehmer/Innen. Erinnerungen wurden wach und lebendig. Und waren die Speisen erst einmal serviert, gab es kein Halten. Es musste hier und da, schon ohne große Verzögerung (Fotos oder Erörterungen) mit dem Verzehr begonnen werden. Man hungerte förmlich danach die Erinnerung eigener Familienerlebnisse zu erfühlen und erschmecken. Schweigend und unter einem hin und wieder genussvollem Stöhnen holte die Urheimat Bessarabien alle ein.

Es waren ausnahmslos besondere Teilnehmer am Start und es war mir eine große Freude EUCH alle kennengelernt zu haben.

Ich bedanke mich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aller Kochgruppen dieser Freitagabende und verspreche für das nächste Jahr wieder das gemeinsame Kochen unserer bessarabiendeutschen Nationalspeisen: Strudla und Dampfnudla

Christa Hilpert-Kuch

 

Diese Fotos gewähren einen kleinen Ausblick auf Teilnehmer der Kochabende.

Sichtlicher Spaß bei der Teigzubereitung

Freude an der gemeinsamen Zubereitung



Bloß nichts anbrennen lassen!

Gleich legen wir so richtig los!


Bei der handwerklichen Zubereitung der Fleischknöpfla
!
Konzentriert bei der Arbeit!


Mit Körpereinsatz wird der Teig geschmeidig geknetet

Geschafft! Guten Appetit

Nun heißt es zugreifen!
Mamaliga

Deftige Fleischknöpfla sind eine beliebte Strudla Alternative bei relativem Aufwand



 

 

 

 

 

 

Die Fleischknöpfla sind vorbereitet zum Garen
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Brienne

Brienne – Bessarabien

Ein Blick vom Brienner Berg

Heimat meiner Eltern und Großeltern

Inmitten eines überwältigenden Ausblicks vom „Brienner Berg“ über die kraftvolle und weite Steppenlandschaft des Budschaks erstreckt sich die Kolonie Brienne am Steppenfluss Kogelnik.

Prächtige Weingärten und fruchtbare Obstgärten rechts und links der breiten Chaussee mit den dahinterliegenden einst weißen aus dem Muschelkalkstein der Brienner Steinbrüche erbauten Häusern, mit den weißen Hofmauern prägten einst das Landschaftsbild.

Hof in Brienne

In greifbarer Nähe dahinter nur durch den Kogelnik getrennt liegt im Tale die Nachbarkolonie Arzis. Die häufigen Überschwemmungen des immer wieder über die Ufer tretenden Kogelniks konnten die Brienner im Gegensatz zu den Arzisern unbesorgt aus ihrer Anhöhe betrachten.

Der Name Brienne sowie Arzis leitete sich von den gewonnenen Schlachten durch die Verbündeten gegen Napoleon im Jahre 1812 ab.

Unter dem Aufruf Katharina der Großen und Zar Alexander erfolgte im Jahre 1816  die Gründung Briennes, eine baumlose Steppe „Nr. 15“ für die Schwarzmeerdeutschen.

Der Notbehelf ihrer Erdhütten wich bald massiven Steinhäusern durch den Abbau im eigenen Steinbruch der Brienner Berge.

Die Einnahmen des Steinbruchs für den Hausbau in dieser Kolonie und den unmittelbaren Nachbarorten verhalfen der Gemeinde zu einem guten Einkommen. Lehm bzw. Batzenbauten gehörten in Brienne bald weitestgehend der Vergangenheit an.

Ein zwischen vorderer Hofmauer und Wohnhaus angelegtes Blumengärtchen schmückte ihre Häuser.

Jeder Hof hatte eine Größe von 232 m Länge und 47 m Breite. Eine Hof- und Straßenmauer zog sich vor der mehr als 20 Meter breiten Dorf-Chaussee von Hof zu Hof und wurde nur durch die jeweiligen Hofeinfahrten mit verschließbaren Toren unterbrochen. Die Wohnhäuser mit anschließenden Wirtschaftsgebäuden lagen nur einige Meter von der vorderen Hofmauer getrennt. Eine hintere Hofmauer sicherte den Hof vor Eindringlingen.

Außerhalb dieser Umzäunung befand sich der Dreschplatz, die Spreuhütte und der Strohschober mit dem Gemüse-, Obst- und Weingarten in evtl. Hanglage Richtung Arzis.

Auf jeder Straßenseite der Chaussee begrenzte eine Reihe Akazien einen zwei Meter breiten Bürgersteig.

Die etwa zweitausendfünfhundert m lange Dorfstraße, vom Ober- zum Unterende, führte bergab zu dem Russendorf Pawlowka, bergauf in das Schwabendorf Teplitz und über den Berg nach Neu Brienne.

Mit ihrem Steinbruch besaß Brienne 5560 Hektar Land, sodass die ersten 84 Ansiedlerfamilien jeweils 60 Hektar Land erhielten.

Die Anhöhe Briennes bot alle Voraussetzungen für guten Obst und Weinanbau aber ebenso spielte die Pferdezucht eine ausschlaggebende Rolle und war oft wirtschaftlich lukrativer als die Landwirtschaft. Man sagt, nur von den Friedenstalern konnte die Pferdezucht übertroffen werden.

Beruflicher Wirkungsort meines Vaters August Kuch,  als Schreiber im Rathaus Brienne

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde durch den wirtschaftlichen Umschwung vom graublauen Steppenrind auf das das Rassevieh eine beträchtliche Neueinnahme verzeichnet.

Diese Erneuerung steigerte die Milchproduktion und ebnete den Weg zur Gründung der Molkerei- und Milchgenossenschaft „Danemarka“. Mein Großvater Eduard Schell aus Brienne war im Nebenerwerb als Landwirt Angestellter dieser Molkerei.

Aber auch im Handwerk wurde ein wirtschaftlicher Aufschwung verzeichnet. Dreizehn Tischlermeister, vier Schmiede, drei Schlosser, acht Schuster, sieben Schneider, sechs Maurer, drei Böttcher, ein Drechsler und ein Uhrmacher wurden im Jahre 1940 in Brienne gezählt. Die zwei Kolonialgeschäfte im Ort gereichten den Briennern insofern, dass man wie selbstverständlich mit einem Gang in den nahegelegenen Marktflecken Arzis alle seine Einkäufe erledigen konnte.

Kurganhügel in Brienne

Im Jahre 1839 wurde mit dem Bau einer Kirche begonnen. Durch den Ausbruch der Pest musste der Kirchenbau bis zum Jahre 1849 zwangsläufig gestoppt werden.

Die Einweihung dieser Kirche verzögerte sich bis zum Jahre 1852 und war durch die zwischenzeitlich stark angewachsene Bevölkerung schon zu wieder klein.

Ein neuer Kirchenbau war finanztechnisch nicht möglich, da die 9000 Rubel aus dem Kirchenbaukapital im Jahre 1904 in ein allen Anforderungen entsprechendes neues und großes Schulgebäude investiert wurden. Ein Erweiterungsbau auf dem Schulhof, die Küster- und Küstergehilfenwohnung, wurde von der Gemeinde im Jahre 1908 fertiggestellt.

Erst im Jahre 1934 wurde in Brienne der Grundstein für einen großen und teilweise im gotischen Stil gehaltenen Kirchenneubau gelegt.

Der Rohbau mit den eingesetzten Fenstern war mit 1,5 Millionen Lei abgeschlossen.

Da kam im Jahre 1940 die Umsiedlung…. !

Als Hauptgemeinde gehörte Brienne seit der Gründung des Kirchspiels zu Arzis.

Auch heute noch ist die Schule eine Augenweide in der Dorfmitte.

Die alten Dielenbretter aus deutscher Zeit, der alte Ofen im Klassenzimmer und der Nuschnik auf dem Schulhof ist deutsche Geschichte. Fleißige Ukrainer sorgten für den Erhalt des wunderschönen Gebäudes unserer Ahnen und gaben ihm einen leuchtenden Anstrich.

Auf einer Anhöhe oberhalb des Gässles liegt der ehemalige deutsche Friedhof. Verborgen zwischen hohem Gestrüpp und Buschwerk befinden sich die Gräber unserer Ahnen. Einige Grabsteine liegen verstreut am Abhang.

Über die Jahrzehnte hat die Witterung die Lesbarkeit der Inschrift beeinträchtigt, aber nicht unmöglich gemacht.

 

Sehr viele Häuser haben durch den soliden Steinbau die Zeit gut überlebt. Mit einem Brienner Ortsplan ist es kein Problem die ehemals deutschen Anwesen den früheren Besitzern zuzuordnen.

Viele Brienner Gesichter nach der Umsiedlung 1940, im Lager in Westpreußen

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Weiß Monika und Robert Gold-Jubilare

Goldene Hochzeit von Monika und Robert Weiß in Verden-Walle

Das Goldpaar Robert und Monika

Am 30. August 2018 jährte sich der Hochzeitstag der Eheleute Weiss zum 50. Mal.
Unübersehbar wies ein großes Herz im Garten des Hauses Buchhorst 17 auf dieses freudige Ereignis hin.

Weiss Robert und Monika
Zu den Gratulanten dieses offiziellen Jubiläumstages, dem 30. August 2018, gehörten:  Pastor Sogorski von der ev. luth. Kirchengemeinde Verden/Walle, die beiden Töchter Tanja und Britta, Ortsbürgermeister Detlef Peterson, Kai Barlage vom TSV,  vom Bessarabiendeutschen Verein e. V . Stuttgart die Delegierte und das Vorstandsmitglied Christa Hilpert-Kuch, vom Sozialverband Deutschland Regina Pohla und Helga Köster und Helmut Schulz vom Waller Heimatverein.
Ein richtig großes Fest mit Tanz und Livemusik wurde sogleich am anschließenden Wochenende, dem  1. September 2018, im großen Kreis mit der gesamten Familie und Freunden in einer Gastronomie im Landkreis Verden veranstaltet.
Auf meine Frage, wo der 1943 im Kreis Bromberg/Westpreußen geborene Robert Weiß, Sohn der aus Hirtenheim/Bessarabien http://bessarabien.blog/katharina-die-grosse  stammenden Eltern, seine 1946 in Rotenburg/Wümme geborene und spätere Ehefrau Monika kennengelernt habe, antwortete er ganz spontan: „Beim Tanz in den Mai auf dem Lohbergturnier im Jahre 1963. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen ohne Reue in all den Jahren, mit Höhen und Tiefen einer Ehe“.
Die Verlobung fand Pfingsten 1966 mit zügigen Hochzeitsplänen und dem Wunsch zum Bau eines Eigenheimes statt. Und so geschah es auch sehr rasch.
Bereits 1968 war das Haus gebaut, das Aufgebot bestellt und es wurde geheiratet.

Weiss Robert und Monika feierten Goldene Hochzeit

„Es war ein wunderschönes Hochzeitsfest in unserem neuen Haus“ erinnert sich heute das Jubelpaar. Es war der unvergessliche 30. August 1968.
Bereits im Februar 1969 erblickte die erste Tochter Britta und im August 1970 die zweite Tochter Tanja das Licht der Welt.
„Unsere Familie war komplett und das Haus mit Leben gefüllt“, so Monika Weiß.

Im Sommer 1997 feierten die Töchter eine Doppelhochzeit und das heutige Goldpaar konnte fortan das Leben ohne die elterlichen Sorgen um ihre Kinder genießen.
In Tochter Tanjas Familie würde 1998 der erste Enkelsohn „Leon“ geboren. In Tochter Brittas Familie im gleichen Jahr die erste Enkeltochter „Neele“ und im Jahre 2000 der zweite Enkelsohn „Malte“ geboren.

Als Weiss Robert im Jahre 2000  in den Ruhestand ging verwirklichte er einen Plan.

Durch einen Erweiterungsbau schaffte er die Verdopplung seines Eigenheimes und somit neuen Wohnraum für die Familie seiner Tochter Tanja mit dem kleinen Leon.

Großeltern Weiss, Robert und Monika

Der Kleine wuchs zur Freude der stolzen Großeltern in ihrem gemeinsamen Haus in Verden/Walle auf. Wenn Leon aus der Schule kam, lautete seine erste Frage: „Oma, was gibt es heute zu essen?“ Und schon schloss die nächste Frage an: „Opa, was machen wir heute?“
Viel zu schnell verging die Zeit bis sich im Jahre 2011 bei Leon während des Fußballspielens erstmals starke Knieschmerzen bemerkbar machten.
Nach 18 Monaten schweren Kampfes gegen den Krebs ging Leon 10 Tage nach seinem 15. Geburtstag in die Ewigkeit, unfassbar für die Eltern und Großeltern.
Weitere Schicksalsschläge folgten im Februar und März 2013. Der ältere Bruder und die Mutter starben ebenfalls. Innerhalb von sechs Wochen mussten sie die Verabschiedung von drei nahestehenden Familienmitgliedern verkraften.
Aus der Bahn geworfen fand das Ehepaar Robert und Monika Weiß nur langsam zu ihren alten Lebensinhalten zurück.
Heute nehmen sie wieder gern an den bessarabischen Treffen teil. Sie bieten dort wo es Ihnen erlaubt ist, gerne „Moldawische Weine“ an die Besucher der bessarabischen Zusammenkünfte an. Der Erlös geht an ihre Heimatgemeinde Hirtenheim.

Weiss Robert und Monika  –  Wein aus Moldawien

Der Weinverkauf sichert zusätzlich den Erhalt von Arbeitsplätzen im Weinanbauland Moldawien. Für die Heimatgemeinde Hirtenheim in Bessarabien haben sie in den zurückliegenden Jahren oft zu Videoveranstaltungen eingeladen.
Von ihren sechs Reisen nach Bessarabien gibt es unzählige Fotos und Videofilme, die nach den Veranstaltungen besonders von der älteren Generation gern angeschaut wurden, so berichtete Weiß.
Auf meine Frage nach Langeweile im Ruhestand erfahre ich, dass beide gern viel unternehmen, ihren Freundeskreis pflegen und aktiv im Waller TSV und Heimatverein mitmachen. Früher seien sie mit der ganzen Familie mit den Skiern in Österreich, Bayern und Südtirol auf Reisen gewesen. Und jedes Jahr bereisten sie das europäische Ausland. Allein vier Fernreisen unternahmen sie in die USA, Canada und die Karibik.
Die weiteste Reise mit der gesamten Familie war im Frühjahr 2018 eine Rundreise durch Australien, auch begleitet von ihrer für ein Jahr in Australien weilenden Enkeltochter Neele.

„Dann sind da noch der große Garten und das Haus und mar welled des elles arg sche isch“, meinen übereinstimmend Monika und Robert.
Und es ist wirklich alles sehr schön, das kann ich bestätigen!

 

Weiß Robert und Monika mit ihren Töchtern Tanja und Britta

Text und Foto: Christa Hilpert-Kuch

 

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Erinnerungen am Bessarabien-Stammtisch in Verden

Erinnerungen-erzählte Geschichte

Verdener Stammtisch: „Bessarabien nicht vergessen“

am 16. August 2018, im Hotel Niedersachsenhof in Verden/Aller

 

Von und mit Christa Hilpert-Kuch

Erinnerungen:Die Initiatorin der bessarabiendeutschen Zusammenkunft Christa Hilpert-Kuch freute sich über den guten Zuspruch der Interessierten aus nah und fern und hieß alle Freunde Bessarabiens auf das Allerherzlichste willkommen. http://www.bessarabien.blog/stammtisch-in-verden-2/

Die Musikprofessioren Tanja und Romeo Luchian aus Moldawien  https://youtu.be/MRXoHk9VpsA

Die Gäste aus Moldawien, Musikprofessoren Tanja und Romeo Luchian (oben in kleiner Besetzung), wurden auch in diesem Jahr von den Anwesenden des Stammtisches in freudiger Erwartung mit viel Beifall begrüßt.

 

Erfolgreich wurden die Anwesenden, (z. B. wie Elisabeth und Heinz Moritz oben im Foto) zum Mitmachen für den gemeinsamen Gesang, Erzählungen eigener Erlebnisse oder Familien-Erinnerungen aus Bessarabien von Hilpert-Kuch aufgefordert.

Um den Schwerpunkt des Abends, das persönliche Thema der Bloggerin Christa Hilpert-Kuch   „Bessarabien nicht vergessen“ , spiegelte sich die abendliche Begegnung in viele Fassetten Bessarabiens hinein.

Besonders erfreut zeigte sie sich über die überlassenen Erinnerungsstücke aus Bessarabien zur gemeinsamen Betrachtung am Abend. Jeder Gegenstand hatte eine besondere Vergangenheit und so blieb es nicht aus, dass einige Gegenstände auch traurige Emotionen bei den Erzählern und den Anwesenden auslöste.

Erinnerungen aus Bessarabien

 

Diese Stimmungen wurden jedoch durch das Instrumentenduo der Classic  „Tanja und Romeo“, mit ihren besonderen musikalischen Einlagen für diesen Abend und den natürlich nicht fehlenden Steppenklängen in erinnerte Freude verwandelt.

Erinnerungen: So ließ der kleine Streifzug durch die Siedlungsgeschichte unserer Vorfahren in Bessarabien die Zeit wie im Fluge vergehen. Mit bessarabischer Mundart, Gedichten, leidenschaftlichen Gaumenfreuden der besonderen und schmackhaften bessarabischen Küche – mit neuen Kochkursen im Jahre 2019 an den jeweiligen Freitagabenden im März über die Kreisvolkshochschule Verden –  im Januar Programmheft 2019 – endete der gesellige Stammtisch des Abends, jedoch nicht ohne die Ankündigung:

Übrigens: Im Hochsommer schon an die nächste Veranstaltung denken!

Die Initiatorin gab den nächsten bessarabischen Veranstaltungstermin für 2019 bekannt:  18. 08. 2019, Beginn ab Uhr 13.30  nach dem Mittagessen im Niedersachsenhof Verden.

Über das Kommen vieler Freunde Bessarabiens aus der Nähe und der Ferne wäre sie hoch erfreut. Mit Worten des Dankes und der Hoffnung auf ein Wiedersehen verabschiedete sie den Abend.

Bitte das Datum schon einmal vormerken!!

Die Teilnehmer lauschen den Klängen der Steppe

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Dobrudscha-Treffen am 26. Mai 2018 in Freyburg/Unstrut

Herzliche Einladung am Samstag, den 26. Mai 2018, an alle Dobrudschaner, deren Nachkommen sowie Interessierte an Gegenwart und Geschichte der Dobrudscha nach Freyburg. Dobrudscha-Treffen am Wochenende nach Pfingsten.

Der größte Teil der in der Dobrudscha angesiedelten Kolonisten stammte aus Bessarabien.

Dobrudscha-Treffen: Als Veranstaltungsort dient die Gaststätte „Am Unstrutwehr“.

Wer Zeit hat sollte die Gelegenheit nutzen um Freyburg an der Unstrut, Naumburg und die nähere Umgebung kennenzulernen.
Zu Übernachtungsmöglichkeiten wenden Sie sich bitte an das Fremdenverkehrsamt Freyburg, Markt 2, 06632 Freyburg. Telefon 034464 27260

Die Dobrudscha, eine Region am Rande Europas. Einst auch 100 Jahre Siedlungsgebiet von Deutschen, von 1840 bis 1940

Der Sohn der langjährigen Vorsitzenden der Dobrudschadeutschen Landsmannschaft Frau Gertrud Knopp-Rüb, Herr Hartmut Knopp mit Ehefrau, werden als besondere Gäste erwartet und schildern eindrucksvoll ihre Erfahrungen und Kenntnisse über die Dobrudscha.
Desweiteren hat der Bürgermeister der Stadt Freyburg ein Grußwort zugesagt.

In der Hoffnung über weitere Spenden werden neueste Informationen zum Stand des Projektes „offene Kirche Malkotsch“ „ erfolgen.

Freuen Sie sich auf interessante Themen und Gespräche.

Mehr unter: http://www.bessarabien.blog/termine-veranstaltungen/

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Zusammenfassung der deutschen Gemeinden Bessarabiens, in alphabetischer Anordnung , Stand 1939: (Irrtum vorbehalten) Christa Hilpert

Akkerman mit:
Festung Akkerman, am Liman am Schwarzen Meer,( s. Foto)  Albota, Alexanderfeld, Alexandrowka, Alt-Elft, Alt Oneschti, Alt Posttal, Andrejewka, Annowka, Arzis, Babei, Baimaklia, Bairamschatka, Bajusch, Balaban, Balaktschelly, Balmas, Balzu-Gut, Basyrjamke, Belz, Bender, Benkendorf, Beresina, Bergdorf, Blumental, Borodino, Bratuleni, Brienne, Baduki, Burnas Bad, Calmatzuie, Danielsfeld, Demir-Chadschi, Dennewitz, Divisia, Ebenfeld, Eckert-Gut, Eichendorf, Eigenfeld, Eigengut-Schimke, Eigenheim, Emmental, Enßlen Gut, Enßlen/Müller Gut, Faas Gut, Flaig Gut, Freudenfeld, Friedensfeld, Friedenstal, Friedrichsdorf, Friedrichsfeld Gut Bodamer, Frumuschika, Fuchs-Gut, Fuchs-Gut- Balabanka, Fürstenfeld I, Fürstenfeld II, Fundu-Sarazika, Gäckle Gut, Gassert/Roduner Gut, Gerling Gut, Gerstenberger Gut, Glückstal, Gnadenfeld, Gnadenheim (Semisotka), Gnadental, Götz Gut, Gutheim, Hahn Gut, Halle Alisowka, Hannowka, Hantschesti, Helenowka, Hirtenheim, Hoffmann Gut Wladimirowka, Hoffmannsfeld Luxemberg, Hoffnungsfeld, Hoffnungstal, Hotin, Irion Gut, Ismail, Jakobstal, Jargara, Jekaterinowka, Josefsdorf, Kahul, Kamtschatka, Kantemir bei Josefsdorf, Kaschpalat, Katlebug, Katzbach, Ketrossy, Kischinew, Kisil, Klöstitz, Kolatschofka, Korntal I, Korntal II, Krasna, Kroll Gut, Kulewtschea, Kulm, Kurudschika, Kurz Gut, Larga, Leipzig, Leowa, Lichtental, Lunga, Luxemburg, Maltscha Gut, Mannsburg, Mansyr, Manukbejewka, Maraslienfeld, Marienfeld, Mariental, Mariewka, Mathildendorf, Mintschuna, Mischeny, Missowka, Mologa, Naslawtscha, Netusche-Weiler, Neu Alexandrowka, Neu Annowka, Neu Arzis, Neu Borodino, Neu Brienne, Neu Dennewitz, Neu Elft, Neu Friedenstal, Neu Josefsdorf, Neu Kureni, Neu Mariewka, Neu Mathildendorf, Neu Nikolajewka, Neu Odessa, Neu Oneschti, Neu Paris, Neu Postal, Neu Sarata, Neu Seimeny, Neu Strymba, Neu Tarutino, Nußtal, Oknitza, Oloneschti, Orhei, Parapara, Paris, Paruschowka, Pawlowka, Peterstal, Pharaonowka, Philippowka, Plotzk, Pomasan, Popasdru, Raskajetz, Reimann Gut, Renz Weingut bei Jassy, Reulingen, Roduner Gut, Roemmich Weingut, Rohrbach, Romanowka Bender, Romanowka Akkerman, Rosenfeld, Rosental, Ryschkanowka, Sangerowka, Sarata, Saria, Sarjari, Schabo Kolonie, Schabo Possad, Schabolat, Schlenker Gut, Scholtoi, Schulz Gut Edua. u.David, Schulzenheim, Seimeny, Singer Gut, Sofiental, Sofiewka, Soroka, Stanhopka, Straßnurg I, Straßburg II, Strymbeni, Tamur, Tamurka, Tarutino, Tatarbunar, Teplitz, Tschemtschelly, Tschiligider, Tschimischlia, Turlaki, Tuzla, Unter Albota, Veigel Gut, Wagner Gut, Wischniowka, Wittenberg, Wolontirowka

http://bessarabien.blog/katharina-die-grosse

 

Dampfnudeln….. – Kochkurs via Kolonistenfrauen

Dampfnudeln und andere bessarabischen Spezialitäten in der Kreisvolkshochschule Verden im März 2018

Bitte recht freundlich! Dozentin Christa Dozentin Christa Hilpert-Kuch 4. v. re.. in einer Freitag-Kochgruppe in der Küche der Kreisvolkshochschule Verden, im März 2018

Warum ist die bessarabische Esskultur bei den bessarabiendeutschen Nachfahren der Kinder und Enkelkindergeneration immer noch so heiß begehrt?

Liegt es an unserer Zellerinnerung?

Text: Christa Hilpert-Kuch

Bessarabische Spezialitäten sind Ausdruck der deutschen Identität aus der Zeit im ehemaligen Russland. Sie entwickelten sich aus den mitgebrachten Rezepten der deutschen Einwanderer und vermischten sich im laufe der Zeit, angepasst an das Kontinentale Klima in Bessarabien, mit den Vorlieben und Essgewohnheiten der anderen fremdstämmigen Bewohnern im Vielvölkerstaat Bessarabien.   http://www.bessarabien.blog/category/strudla-co/

Fruchtbare Weizenfelder füllten die Mehltruhen und so entwickelten sich aus der Geflügel- und Haustierhaltung mit Eiern, Milch und Fleisch sowie Gemüse aus dem Bauerngarten ihre Ess- Koch- und Lebensgewohnheiten. Die bis in die heutige Generation bekanntesten bessarabiendeutschen Gerichte sind ungebrochen nach all den Jahren die genussvollen Mehlspeisen „Dampfnudla und Strudla“ .                                                                Hier bin ich versucht von bessarabiendeutschen   „Nationalgerichten“ zu sprechen!

Bessarabische Spezialitäten

Es sind keine schwierigen oder kunstvolle Gerichte. Sie sind einfach und bäuerlich und waren den vielfältigen Herausforderungen der deutschen Siedler in Bessarabien angepasst. Die Kolonistenfrauen erfüllten eine hohe Aufgabe um ihren schwer arbeitenden Familienmitgliedern eine kräftigende und vor allem eine sättigende Mahlzeit zu servieren.Bessarabische Kochkunst

So wie einst unsere Vorfahren, die tüchtigen Kolonistenfrauen in Bessarabien, gingen die Teilnehmerinnen und die Teilnehmer mit großem Eifer, in der Kreisvolkshochschule Verden, an die Arbeit.

Teilnehmer hochkonzentriert bei der Arbeit

Es wurde gedünstet, gekocht und gebraten. Der Teig tüchtig geknetet und gewalkt. Da geriet der eine oder andere Teilnehmer schnell in das Schwitzen.

Küchla-Teig

Natürlich entdeckten die jungen Teilnehmer in den vier uns zur Verfügung stehenden Küchen ganz schnell die elektrischen Küchenhelfer.

 

Die Küchla werden in siedendem Oil goldbraun ausgebacken

Guten Appetit!!

Die gemeinsame Mahlzeit am Ende des Kochabends mit einem Glase Wein und Gesprächen über Bessarabien, über die Eltern und Großeltern in ihren Dörfern, war der krönende Abschluss dieser Kochvergnügen.

Für die in freudiger Erwartung Daheimgebliebenem wurden die Tuppertöpfchen befüllt und auf den Heimweg gebracht.

Bessarabische Spezialitäten in 2019

Nächster Kochkurs, Freitags ab 18 Uhr im März 2019

Anmeldungen über das neue Programmheft der Kreisvolkshochschule Verden     für 2019. Erst ab Dez. 2018 erhältlich!

„Bessarabische Spezialitäten.  

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© Christa Hilpert-Kuch